Die nicht - direktive Spieltherapie
Von Virginia
M. Axline
Hausarbeit von Tobias Emmel
Fach Sprachheilpädagogik
November 1998
Spieltherapie nach Virginia M. Axline
Eine Methode zur Selbsthilfe bei Problemkindern
V. Axline beschreibt die Spieltherapie als eine Möglichkeit und natürliches Mittel zur Selbstdarstellung der Kinder, Sie beschreibt das Verhalten der Kinder im Spiel als eine "Gelegenheit, seine Gefühle und Konflikte "auszuspielen"".
Es gibt zwei Vorgehensweisen bei einer Spieltherapie: einmal die direktive, bei der die Verantwortung für die Führung und Interpretation vom Therapeuten übernommen wird.
Des weiteren gibt es die nicht - direktive Vorgehensweise, bei der die Verantwortung und Führung dem Kind überlassen wird.
Die Theorie der Persönlichkeitsstruktur die Axline zu Grunde legt, geht davon aus, das in einem Individuum mächtige Kräfte am Werk sind, "die unerbittlich nach Selbstverwirklichung drängen. Man kann diese Kräfte als ein dauernder Trieb zur Reifung, zur Unabhängigkeit und Selbstbestimmung charakterisieren. Unbeirrbar strebt er nach Verwirklichung, aber es bedarf eines "fruchtbaren Bodens", damit eine gut ausgewogene Persönlichkeitsstruktur entsteht. Zum Wachsen und Reifen braucht das Individuum die Freiheit, es selbst zu sein und das Gefühl des Angenommenseins von sich und von anderen."
Die Bildung einer solchen Persönlichkeitsstruktur ist abhängig von dem Zusammenspiel zwischen dem eigenen Lebenswillen und den Umwelterfahrungen, die es macht. Es möchte diesen Trieb, den es hat, nach außen richten. Wird dieser Drang durch Druck von außen blockiert, richtet sich der Wunsch nach Selbstverwirklichung nach innen und durch den nicht vorhanden Austausch zwischen der Persönlichkeit und der reflektierenden Reaktion durch die Umwelt kommt es zu erheblichen Frustrationen.
Die Kinder, welche sie für die Spieltherapie beschreibt, haben alle einen gemeinsamen Nenner: "Sie haben Probleme, aber keine Ahnung davon, wie sie zu lösen sind. Sie befreien sich von inneren Anspannungen durch aggressives Verhalten, aber gerade dieses Verhalten erzeugt ständig neue Schwierigkeiten. Die Ursache für ihre Unangepaßtheit scheint in einem fehlgeleitetem Trieb nach Selbstverwirklichung zu liegen. Er bedarf einer Umleitung in konstruktivere Bahnen".
In diesem Zusammenhang ist immer wieder festzustellen, daß ein aggressives, störendes und lautes Kind als ein Kind mit Problemen erkannt wird, weil es fortwährend neue Schwierigkeiten produziert und zwar nicht nur für sich, sondern für alle, die näher mit ihm zu tun haben.
Es gibt aber genauso viele Kinder, welche ebenfalls Hilfe bedürfen. Diese Kinder fallen weniger oder gar nicht auf, da sie sich von der für sie wenig attraktiven Welt zurückziehen, und ein Leben am äußeren Rand zwischenmenschlicher Beziehungen führen, und weil sie ruhig und keine Störenfriede sind, sind sie einsam.
Axline geht davon aus, dass die Spieltherapie ebenso anwendbar ist bei körperbehinderten Kindern. Sie sieht eine Möglichkeit für therapeutische Erfahrungen, wenn die Körperbehinderung eine Quelle von Konflikten, Ängsten und emotionellen Störungen ist.
"Oft ist die Körperbehinderung ein derartig frustrierendes und die Reifung blockierendes Erlebnis, dass sie unerträgliche Spannungen im Kind erzeugt."
Nicht - direktive Spieltherapie
Die nicht - direktive Spieltherapie gründet sich auf der Annahme, dass "jeder Mensch in sich selbst nicht nur die Fähigkeit besitzt, seine Probleme auf eine zufriedenstellende Weise zu lösen, sondern dass er auch einem Reifungsimpuls unterworfen ist, der ihm reifes Verhalten befriedigender erscheinen läßt als unreifes."
Die Therapie beginnt bei dem jeweiligen Ist - Stand den ein Kind aufzeigt und führt sich fort immer unter der Berücksichtigung von verändertem Verhalten, welches von Minute zu Minute auftreten kann.
Das nicht - direktive Verfahren erlaubt dem Mensch, er selbst zu sein. Er wird angenommen ohne jegliche Wertung und ohne Druck auszuüben. Die Therapie soll dem Gegenüber sein Verhalten nur spiegeln und ihn dadurch sich selbst kennen lernen lassen.
In der Spieltherapie wird das Spiel als ein natürliches Medium zur Selbstdarstellung verstanden. Dem Kind wird die Möglichkeit geboten, angesammelte Gefühle von Spannungen, Frustrationen, Unsicherheit, Angst, Aggression und Verwirrung "auszuspielen".
Durch diese freie Möglichkeit, ohne Anweisungen, Kritik, nörgeln, eingreifen seitens der Erwachsenen, gelangen die Emotionen an die Oberfläche. Das Kind erfährt, dass es sich entfalten kann und darf. Dieser Rahmen der ihm zur Verfügung gestellt wird ist unbelastet durch Auseinandersetzungen der Eltern, die es zum Puffer machen für Frustrationen und Aggressionen.
Es erkennt, dass es als ein selbstständiger Mensch mit eigenen Rechten ernst genommen und geachtet wird.
Die Gegenwart eines verständnisvollen, freundlichen Menschen gibt ihm Sicherheit. Dazu tragen auch die wenigen Begrenzungen seiner Spiel- und Verhaltensfreiheit bei. Sie verstärken das Realitätsbewußtsein. Auch das Mitgehen des Therapeuten im therapeutischen Kontakt erhöht das Sicherheitsgefühl des Kindes. Der Therapeut fühlt was das Kind im Spiel oder durch Worte auszudrücken versucht, er reflektiert die Gefühlseinstellungen des Kindes wie ein Spiegel, so daß es sich besser sehen und verstehen kann.
Das Spielzimmer und das angebotene Spielmaterial
Wenn es natürlich auch am besten wäre, man hätte einen zweckmäßig möblierten extra Raum als Spielzimmer zur Verfügung, so ist das jedoch nicht unbedingt notwendig. Es können auch Ecken in einem Klassenzimmer, oder z.B. im Kindergartenzimmer sein.
Werden die Stunden nicht in einem Spieltherapieraum stattfinden so bringt der Therapeut sein Material in einem z.B. kleinen Köfferchen mit.
Für einen speziellen Therapieraum macht V. Axline folgenden Vorschlag. "Der Raum sollte, wenn irgend möglich schalldicht sein. Er sollte einen Ausguß und fließend heißes und kaltes Wasser haben. Die Fenster sollten durch Gitter oder Fliegenfenster geschützt sein.
Wände und Fußböden sollten aus einem Material bestehen, das einfach zu reinigen ist und durch Ton, Wasser, Farbe oder durch Hammerschläge nicht leicht beschädigt werden kann. Wenn der Raum mit einem Anschluß für Bandaufnahmen und einer Ein-Sicht-Scheibe eingerichtet ist, so daß Beobachtungen festgehalten werden können, ohne daß das Kind den Zuschauer wahrnimmt - um so besser. Aber eine solche Ausrüstung sollte nur zu Forschungszwecke benutzt werden. Eltern sollt nicht anwesend sein oder Bandaufnahmen aus Spielstunden vorgespielt bekommen.
Zu dem Spielmaterial welches sich mit unterschiedlichen Erfolgen anwenden läßt, gehören:
Babyflaschen
eine Puppenfamilie
ein möbliertes Puppenhaus
Spielsoldaten und derlei
Ausrüstungsgegenstände
Spieltiere
Spielhausmaterial mit:
- Tisch
- Stühlen
- Feldbett
- Puppenbett
- Ofen
- Zinnteller
- Pfannen
- Puppenkleider
- Wäscheleine
- Wäscheklammern
- Waschkorb
Eine Puppe die weinen und
naß machen kann
Handpuppe mit Puppenbühne
Bleistifte
Ton
Farbe zum Fingermalen
Sand
Wasser
Spielkanonen
eine Garnitur Holznägel
Holzhammer
Papierpuppen
kleinen Wagen
Flugzeuge
ein Tisch
eine Staffelei
ein Tisch mit leicht
abwaschbarer Oberfläche für das Arbeiten mit Fingerfarbe und Ton
Spieltelefon
eine Schüssel für Wasser
einen Besen
ein Mop
Lumpen
Zeichenpapier
Papier zum Fingermalen
Alte Zeitungen
billiges Ausschneidepapier
Bilder von:
- Menschen
- Tieren
- und anderen Gegenständen
einen leeren Spankorb zum
Entzweimachen
Würfelspiele und auch mechanisches Spielmaterial eignet sich nur bedingt bzw. gar nicht zum Einsatz bei Spieltherapien.
Ist es nicht möglich, dass ganze vorgeschlagene Material zu beschaffen, so kann ein Anfang gemacht werden, indem man eine Puppenfamilie nach den jeweiligen Möglichkeiten ausstattet, z.B.
mit Möbeln
Betten
Tischen
Stühlen
-Babyflasche
Ton
Farbkästen
Zeichenpapier
Buntstifte
Spielkanonen
eine Spielkarre
Marionetten
Babypuppe aus Flicken
ein Telefon
Dieses Material kann gegebenenfalls in einen kleinen Koffer verstaut
werden und vom Therapeuten mitgenommen werden.
Alle Spielsachen sollten sehr einfach konstruiert und leicht zu handhaben sein, damit das Kind sich nicht durch Dinge frustriert fühlt, mit denen es nicht richtig umgehen kann. Alles muß aus einem soliden Material konstruiert sein. Es soll auch rauen Behandlungen standhalten. Das Puppenhaus soll aus leichtem Material hergestellt, aus beweglichen und veränderbaren Teilen und mit Möbeln aus derben Holz möbliert sein; es muß hin und her geworfen und bombardiert werden können und sogar vertragen, daß man darauf herumtrampelt und es trotzdem relativ heil bleibt.
Die Puppenfamilie sollte so unzerbrechlich wie nur möglich sein und Kleider zum wechseln haben. Es sollten :
ein Vater
eine Mutter
eine Schwester
ein Baby
ein Großelternpaar
· dabei sein die das
Kind mit sämtlichen Familiensymbolen umgeben. Auch die Handpuppen sollten alle
erdenkbaren Familienmitglieder und Charaktere darstellen.
Eine große Sandkiste ist geradezu ideal, um darin mit dem Puppenhaus, den Soldaten, Tieren, Autos, Flugzeugen zu spielen. Abgesehen davon ist Sand ein wunderbares Mittel für aggressive Kinderspiele. Mit Sand kann verhältnismäßig gefahrlos herumgeworfen, Puppen und andere Spielsachen können in ihm beerdigt werden. Er ist zu verwenden als Wasser, Schnee, Bomben oder, um etwas darin zu vergraben. Es ist von Vorteil, wenn die Sandkiste auf flachem Boden steht und rundherum Sitzbretter hat. So ist gewährleistet, dass alle Kinder aller Altersstufen an bzw. in dem Sandkasten spielen können.
Ist der Raum groß genug sollte er an einem Ende eine etwas erhöhte Bühne haben. Diese sollte mit Puppenhausmöbeln, welche der Größe von Kindern angepasst sind, ausgerüstet und stabil sein. So haben die Kinder die Möglichkeit, sowohl das Spielhaus als auch die Bühne für dramatische Darbietungen zu nutzen.
Alle Materialien sollten frei zugänglich auf Regalen gelagert sein, damit die Kinder im Sinne des nicht - direktiven Spielansatzes frei auswählen und sich ausdrücken können.
Axline sieht hier unterschiedliche Verfahrensweisen. Sie zieht die vorab beschriebene Vorgehensweise vor, räumt aber durchaus auch gute Erfolge ein, wenn das Spielmaterial durch den Therapeuten ausgesucht wurde und für das Kind speziell bereitgelegt wurde.
Axline weist darauf hin, dass das Spielmaterial immer kontrolliert werden soll, ob es noch in Ordnung ist und gegebenenfalls repariert oder aussortiert werden muß.
Im Zusammenhang mit dem Raum merkt sie sehr ausdrücklich an, dass in diesem keine Bilder oder angefertigte Tonarbeiten verbleiben dürfen, um möglichst suggestive Wirkungen zu vermeiden. Auch sollte der Sandkasten immer in einen neutralen Zustand gebracht werden.
Der Therapeut
Der Therapeut übernimmt im Spielzimmer dem Kind gegenüber weder die Rolle eines Supervisors oder Lehrers noch die eines Elternersatzes.
Dem Therapeut fällt zwar in dieser Therapieform die nicht - direktive Rolle zu, dies bedeutet aber keineswegs eine passive, sondern sie erfordert Wachsamkeit und Sensibilität und die beständige Auswertung bezüglich dessen, was das Kind sagt tut oder einfordert.
"Er braucht Verständnis und ein ganz echtes Interesse am Kind. Der Therapeut muss ununterbrochen eine gewährende Haltung einnehmen."
Axline nennt in ihrem Buch einige Verhaltens- und Einstellungsregeln des Therapeuten die sie für besonders wichtig hält:
Der Therapeut beschützt das
Kind und hetzt es nicht.
Er nimmt in seiner Arbeit
eine konsequent berufliche Haltung ein.
Er befolgt den Grundsatz,
dass alles was das Kind sagt und tut, vertraulich ist.
Es ist günstig, wenn der
Therapeut auch außerhalb therapeutischer Situationen Erfahrungen mit Kindern
hat.
Da die innere Einstellung
des Therapeuten von größter Wichtigkeit ist, soll der Therapeut seine
Einstellung zum therapeutischen Vorgang erst einmal genau abklären, ehe er sich
konsequent und ernsthaft an die Arbeit macht. Die Einstellung die der Therapeut
dem Kind entgegenbringt, muß ein wesenseigener Bestandteil seiner
Persönlichkeit sein.
Ein Therapeut kann erst dann
ein Kind ohne die leiseste Verurteilung annehmen, wenn er in vollem Umfang
erfasst hat, was es wirklich damit auf sich hat, einen anderen Menschen voll
und ganz anzunehmen.
Eine Therapiestunde verlangt
vom Therapeuten eine ununterbrochene innere Beteiligung um die in Spiel und
Gespräch vom Kind zum Ausdruck gebrachten Gefühle aufzufangen und
widerzuspiegeln.
Der Therapeut ist der Kern
jeder erfolgreichen Therapie, er muss mit Konsequenz seine Technik verfolgen.
Er muss vermeiden, dass es
zu einer übersteigerten Bindung in die eine oder andere Richtung kommt.
Ein Therapeut ist erst reif
genug, den Spielraum zu betreten, wenn er genügend Selbstdisziplin und echte
Achtung vor der Persönlichkeit des Kindes in sich entwickelt hat.
Er hält Verabredungen mit
Kindern genauso ein wie mit Erwachsenen.
Er beendet Spielstunden
nicht ohne Rücksicht auf die Gefühle des Kindes zu nehmen, z.B. ohne es auf die
Beendigung der Stunde vorzubereiten.
Der Therapeut engagiert sich
nicht mit persönlichen Gefühlen. Dem wird vorgebeugt, durch das sich zu eigen
machen der Prinzipien und der Grundhaltung gegenüber der Spieltherapie. Des
weiteren muss er sich im Klaren sein wie er reagiert, wenn das Kind in
unerwarteter Weise reagiert.
Aufzeichnungen und
anschließende Reflexion über die Therapiestunde verhelfen zur immer
qualifizierten Arbeit es Therapeuten.
· Die acht Grundprinzipien
"Die Grundprinzipien, die den Therapeuten bei allen therapeutischen Kontakten im nicht - direktiven Verfahren leiten, sind zwar sehr einfach, aber von großer Wirkung, wenn sie gewissenhaft, konsequent und klug angewendet werden."6
1. Die Gestaltung der Beziehung
· Der Therapeut muss
eine warme, freundlich Beziehung zum Kind aufnehmen, die sobald wie möglich zu
einem guten Kontakt führt.
2. Die vollständige Annahme des Kindes
Der Therapeut nimmt das Kind so an wie es ist.
3. Das Herstellen eines Klimas des Gewährenlassens
· Der Therapeut
gründet seine Beziehung zum Kind auf eine Atmosphäre des Gewährenlassens, so
dass das Kind sich frei fühlt, alle seine Gefühle uneingeschränkt auszudrücken.
4. Das Erkennen und Reflektieren von Gefühlen
· Der Therapeut ist
wachsam in bezug auf die Gefühle, die das Kind ausdrücken möchte. Er versucht,
sie zu erkennen und so auf das Kind zu reflektieren, dass es Einsicht in sein
Verhalten gewinnt.
5. Die Achtung vor dem Kind
· Der Therapeut
achtet die Fähigkeiten des Kindes, mit seinen Schwierigkeiten selbst fertig zu
werden, wenn man ihm selbst die Gelegenheit dazu gibt. Die Verantwortung eine
Wahl in Bezug auf sein Verhalten zu treffen und das In - Gang - Setzen einer
inneren Wandlung sind Angelegenheiten des Kindes.
6. Das Kind weist den Weg
· Der Therapeut
versucht nicht, die Handlungen oder Gespräche des Kindes zu beeinflussen. Das
Kind weist den Weg, der Therapeut folgt ihm.
7. Die Therapie kann nicht beschleunigt werden
· Der Therapeut
versucht nicht den Gang der Therapie zu beschleunigen. Sie ist ein Weg, der
langsam Schritt für Schritt gegangen werden muß, und der Therapeut weiß das.
8. Der Wert der Begrenzungen
· Der Therapeut
setzt nur Grenzen, wo diese notwendig sind, um die Therapie in der Welt der
Wirklichkeit zu verankern und um dem Kind seine Mitverantwortung an der
Beziehung zwischen ihm und dem Kind klarzumachen.
Die Klientenzentrierte Spieltherapie nach Schmittchen
Die klientenzentrierte Spieltherapie nach Schmittchen, hat den Ansatz, das Spiel als wesentliches Element der Therapie zu sehen und dies in der vorliegenden Technik anzuwenden. "Nicht - direktiv" bedeutet in diesem Fall nicht strukturiert - durch den Therapeuten - und in jeder Situation anwendbar. Der Grundgedanke dieser Therapie liegt in der Annahme, dass der Einfluss des Therapeuten soweit es möglich zurückgestellt wird und die Aktivität des Klienten im Mittelpunkt steht. Das Verhalten des Kindes soll als unabhängige Variable gesehen werden und das Verhalten des Therapeuten als Reaktion auf das Klientenverhalten. Die Reaktion des Therapeuten wird in systematischer Weise vom Therapeuten kontrolliert, reflektiert und bestimmte Ansätze im Klientenverhalten verstärkt und somit herausgehoben und durch den lerntheoretischen Ansatz verstärkt. Der Unterschied zwischen dem Ansatz der nicht - direktiven Spieltherapie nach Axline und dem von Schmittchen liegt in der Erweiterung bzw. der Hinzunahme einer Verhaltensmodifikationstheorie basierend auf dem lerntheoretischen Ansatz nach Piaget.
Versucht man die nicht - direktive Spieltherapie in ein Erziehungsstilmodell einzuordnen, ist das Koordinatensystem nach Tausch und Tausch das System, welches am ehesten eine direkte Vergleichbarkeit des nicht - direktiven Vorgehens mit anderen Erzieherverhalten zulässt.
Anhand dieses Schemas lässt sich relativ klar aufzeigen, wie Erzieherverhalten eingeteilt werden kann. Zeigt ein Erzieher bei seiner Arbeit überwiegend geringe emotionale Wärme und zeigt sich zugleich stark dirigistisch, so würde man ihn als autokratisch bezeichnen.
Im Gegensatz dazu würde man einen Erzieher, der überhaupt keine Anleitung gibt, über das was die Kinder tun und lassen sollen als Laissez - Fair bezeichnen. Des weiteren fehlt jegliche emotionale Zuwendung.
Als günstiges Erzieherverhalten wurde definiert, dass zum einen ein mittleres Ausmaß an Lenkung in Form von Bereitstellung von didaktischem Material, Planung und Umsetzung von gruppen- bzw. partnerzentriertem Arbeiten, zum andern ein hohes Maß an akzeptierenden, respektierenden Verhalten gegenüber den Kindern und Jugendlichen sehr wichtig ist. Dieser Erziehungsstil wird als "demokratischer Erziehungsstil" bezeichnet.
Betrachtet man dieses Koordinatensystem noch einmal genauer, so stehen der Laissez - Fair Erziehungsstil und das nicht - direktive Verhalten sehr dicht beisammen. Der wichtigste Unterschied zwischen beiden ist jedoch, dass die Nicht - Direktivität bewusst eingesetzt wird. Ein weiteres wichtiges Merkmal bei dem nicht - direktiven Verhalten ist die hohe Wertschätzung und das Entgegenbringen von viel emotionaler Wärme und Zuneigung.