Facharbeit von Marietta Schueller

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Snoezelen 

mit freundlicher Genehmigung von M. Schüller staatl. anerk. Heilpädagogin

 

Vorwort 3

Zur Entstehung des Snoezelens 5

Erste  Snoezelversuche 6

Der Begriff Snoezelen 7

Die Zielgruppe 8

Der Mensch erobert sich seine Umwelt. 9

Wahrnehmung 9

Bewegung 9

Erleben 9

Handeln 10

Die frühkindliche Entwicklung des geistig behinderten Menschen 10

Die Sinne des Menschen 11

Tastsinn 11

Gleichgewichtssinn (Vestibuläres System) 11

Tiefensensibilität oder kinästhetische Wahrnehmung 12

Gehörsinn 12

Gesichtssinn oder visuelle Wahrnehmung 13

Geruch- und Geschmacksinn 13

Die gustatorische Wahrnehmung, der Geschmackssinn 14

Grundprinzipien des Snoezelens und ihre Bedeutung 15

Richtige (Grund-)Einstellung 15

Richtige Atmosphäre 15

Richtige Betreuung 16

Ausgewählte Reizangebote 17

Wiederholung 17

Gruppengröße, Zeitpunkt und Dauer 17

Musik 18

Ziele des Snoezelens 19

Vorstellung von T. 19

Lebensumfeld 19

Anamnese 21

Beschreibung der Person 22

Diagnose: 22

Äußeres Erscheinungsbild 22

Lebenspraktische Fertigkeiten 23

Kommunikation 24

Kontaktverhalten 24

Emotionen 24

Sexualität 24

Sensorischer Bereich 25

Geruchsinn 25

Geschmacksinn 25

Gehörsinn 25

Gesichtsinn 25

Ziele 26

Beschreibung des Snoezelraumes in unserer Einrichtung 27

Angebote 28

Angebote zu Körper- und Materialerfahrungen 28

Entspannung auf dem Musikwasserbett 30

Bällchenbad 31

Whirlpool 31

Auditive Erfahrungen 32

Geruchserfahrungen 33

Reflexion 35

Äußere Gegebenheiten 35

Durchführung 35

Verwendete Literatur 37

 

 

Verwendete Literatur............................................................................................. 35

 

 

Vorwort

 

Für die Zeit meiner Weiterbildung zur Heilpädagogin bin ich in der Tagesstätte der Heilpädagogischen Einrichtung W. als Praktikantin tätig und absolviere dort  die erforderlichen Stunden für die Ausbildung.

Die Tagesstätte bietet ein strukturierendes Angebot für die erwachsenen Behinderten, die weder eine WfB noch den Arbeitsbereich der Tagesstätte besuchen. Damit soll ihr soziales Umfeld erweitert werden und sie sollen Erfahrungen außerhalb der Wohngruppe machen.

Die Bewohner werden morgens gegen 8.3o Uhr mit Bussen von den Wohngruppen gebracht und bleiben bis nachmittags gegen 15.3o Uhr. Hier erhalten sie ein Mittagessen und sollen anschließend eine Mittagsruhe einhalten. Manche Bewohner bleiben auch nur einen halben Tag oder nehmen nur einzelne Angebote wahr.

Zur Zeit gibt es vier Gruppen in denen vier bis sechs Bewohner betreut werden, die Behinderungen mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen haben.  Manche sind mobil und eigenständig, andere brauchen viel Unterstützung, z.B. beim Essen, Gang auf die Toilette, anziehen usw. Das pädagogische Konzept sieht vor, dass in jede Gruppe ein Rollstuhlfahrer integriert werden kann

Die einzelnen Gruppen verfügen über je zwei Räume, einen Beschäftigungs- und einen Ruheraum.

In der gesamten Tagesstätte ist die Raumverteilung folgendermaßen:

Im Erdgeschoss befinden sich je zwei Beschäftigungs- und Ruheräume mit Toilettenräumen und Dusche, sowie  ein Kommunikationsraum, in dem Mitarbeiterbesprechungen und z.B. auch gemeinsame Feiern stattfinden. Auf dieser Ebene befinden sich auch der Snoezel-Raum und ein großer Bewegungsraum. In der Küche können kleine Mahlzeiten zubereitet werden. Ebenfalls auf dieser Etage gibt es den Raum mit dem Bällchenbad, Abstellräume und ein größeres Bad mit einem Whirlpool.

Im Untergeschoss, das Gebäude liegt an einem Hang, öffnen sich die Gruppenräume zum angrenzenden Waldstück. Hier gibt es ebenfalls zwei Gruppen, sowie weitere Räume: Küche, Sanitärräume, einen Werkraum, ein schwarzes Theater, einen Matschraum und das Büro der Leiterin. Falls erforderlich, können hier noch zwei weitere Gruppen eingerichtet werden.

Die Bewohner sollen in der Tagesstätte in einer festen Struktur ihnen angemessene Angebote zur Weiterentwicklung erhalten. Diese  sind entweder für die Gesamteinrichtung, die einzelne Gruppe oder für einzelne Bewohner vorgesehen. Im Sinne der ganzheitlichen Förderung sollen die Angebote alle Lebensbereiche abdecken. Förderangebote sind:

       im lebenspraktischen Bereich:

-          Kochen und Backen, Umgang mit Alltagsmaterialien,

      Körperbeherrschung und Sinnesschulung

-          Heilpädagogisches Reiten, Bewegung und Tanz, Snoezelen, Schwimmen, 

      Wandern

       Musisch- kreativer Bereich

-          gemeinsames Singen, Tanz, Werken, Seidenmalerei, Malen,

       emotional- sozialer Bereich

-          gemeinsames Spiel, gemeinsame Feiern.

 

Unter dem Aspekt des Normalisierungsgedankens finden von Zeit zu Zeit Ausflüge statt, die von den Bewohnern gerne angenommen werden.

In der Gruppe, in der ich tätig bin, ist auch der Bewohner T. Viele der oben genannten Angebote kommen für ihn nicht in Frage. Bei einigen kann er nur zusehen oder wird zu wenig eingebunden. So besteht das Problem, dass es für ihn als Schwerstmehrfachbehinderten, der an den Rollstuhl gefesselt ist, zu wenig angemessene Angebote gibt oder dass nicht alle Mitarbeiter entsprechende Angebote und Fördermöglichkeiten kennen. Ich weis aber, dass T. sehr viel von dem aufnimmt, was in der Gruppe passiert und an seinem Umfeld sehr interessiert ist

Deshalb wollte ich gerne mit T. arbeiten und ihm Förderangebote machen. Bei meiner Suche nach adäquaten Angeboten, stieß ich auf das Snoezelen. Ich hatte mir zum einen in der kleinen Buchsammlung der Einrichtung das Standardwerk “Snoezelen- eine Andere Welt”  ausgeliehen und zum anderen erhielt ich in der Einrichtung die Möglichkeit, an einem Tagesseminar über Snoezelen teilzunehmen. Das war sehr interessant und mich sprachen die beruhigende Atmosphäre des Snoezel-Raumes und die Musik an. War ich vorher skeptisch gewesen, so konnte ich mich doch ansprechen lassen und beim Snoezelen entspannen.  Auch das Wasserbett war eine tolle Erfahrung.

 Zusammen mit T. wollte ich die Einrichtung des Snoezel-Raumes  nutzen,  um ihn so die Vielfalt sinnlicher Anregungen erfahren zu lassen. Dazu musste ich mich auf T. einlassen, gleichzeitig war ich neugierig auf das, was passieren würde.  


Zur Entstehung des Snoezelens

 

Das Snoezelen ist in den Siebziger Jahren in den Niederlanden entstanden. In verschiedenen Einrichtungen für geistig Behinderte wurde nach Konzepten für die Beschäftigung gerade der schwer geistig behinderten Menschen gesucht. Größere Einrichtungen sind in den letzten Jahrzehnten dazu übergegangen differenziertere Wohnformen anzubieten. Behinderte, die geistig und körperlich dazu in der Lage sind, sollen außerhalb des Heimes in der Gesellschaft leben, wohnen und arbeiten.  Auch leichter behinderte Menschen leben oft zuhause in ihrer Familie und besuchen tagsüber Schulen und Tagesstätten. In den großen Einrichtungen verblieben die Menschen, die eine schwere Behinderung hatten, bzw. wurden diese dort verstärkt aufgenommen. Sie wurden nicht beschult und es  gab für sie  nur ein geringes Maß an  Angeboten  und angemessenen Aktivitäten in den einzelnen Wohngruppen.

Diese Situation stellte die engagierten Betreuer vor die Frage, welche Aktivitäten sie diesen Menschen anbieten sollten oder ob ihnen einfach die gute Versorgung im medizinischen Sinne reichen würde.

Mit dem Aufkommen der pädagogischen und psychologischen Berufe wuchs jedoch das Bewusstsein, dass Behinderung keine Krankheit ist und das bei diesen Menschen mehr als pure Pflege und etwas Training möglich sind. Die Psychologie zeigte mit der Verhaltenstherapie Möglichkeiten für eine gewisse Erziehungsfähigkeit schwer geistig Behinderter auf. Beim Personal waren nun neben pflegerischen auch erzieherische Fähigkeiten gefordert. Es wurde nach  Aktivitäten gesucht, die einen sinnvollen Beitrag zur Lebensgestaltung der Behinderten liefern konnten. Dies stand alles sehr stark unter dem Aspekt die Lernens und der Annahme, dass auch geistig Behinderte sich in jedem Fall im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Eingliederung entwickeln müßten.  Bezogen auf ihre Möglichkeiten wurde ihnen zu viel aufgezwungen.  Betreuer näherten sich den Behinderten mit ihren eigenen Normen, die sie an ihnen umsetzen wollten, statt zu sehen, welche individuellen Möglichkeiten der einzelne Behinderte hat. Als sinnvoller herausgestellt hat es sich von den “positiven Möglichkeiten” der behinderten Menschen auszugehen und  ihnen Bedingungen zu schaffen, innerhalb deren Veränderungen, Wachsen und Entwicklung geschehen kann.

Pädagogischer Hintergrund war das sogenannte “acceptatie-modell”, das als pädagogische Sichtweise geistiger Behinderung vor allem die Akzeptanz des Behinderten als Mitmensch mit spezifischen Möglichkeiten und Bedürfnissen in den Vordergrund stellt und demzufolge stärker die angemessene Gestaltung seiner Lebenssituation und den einfühlenden Umgang mit ihm in den Blick pädagogischer Bemühungen rückt. (vgl. Stronks/Hekkers-Walder, in C.Kauschus-Nazarius, Snoezelen- mit allen Sinnen leben lernen, Artikel in Geistige Behinderung 3/1989)

Dies war eine neue Sichtweise der Arbeit mit geistig behinderten Menschen. Aus ihr heraus ist das Snoezelen entstanden, ein Angebot, das  speziell für die Schwerst­behinderten geschaffen wurde.

”Beim Snoezelen handelt es sich weder um eine neue ”Therapie”, noch um ein auf bisher unbekannten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhendes ”Förderprogramm”. Es ist entstanden aus der praktischen Arbeit holländischer Vollzeiteinrichtungen mit dem Personenkreis schwer geistig behinderter Erwachsener.” (Hulsegge/Verheul, Snoezelen - eine andere Welt, Marburg 1998  S.1)

Das Snoezelen ist eine adäquate Freizeit- und Beschäftigungsmöglichkeit für Schwerst­geistigbehinderte. “In speziell dazu eingerichteten Räumen versucht man durch das Zusammenwirken von Atmosphäre, sensomotorischen Angeboten und personaler Zuwendung, eine Situation zu schaffen, die dem Behinderten Ruhe und Entspannung bietet und ihm Zugänge zur Auseinandersetzung mit seiner Umwelt über elementare Sinneserfahrung erschließt.” (C.Kauschus-Nazario, Snoezelen ...)  

 

Erste  Snoezelversuche

Drei Einrichtungen machten unabhängig voneinander ihre ersten Snoezelen-Versuche. Schrittmacher war dabei die Einrichtung “Haarendael” in Haaren. Dort wurde auch der Begriff geprägt. Grundgedanke war es, in der Anregung der fünf Sinne neue Zugangswege zu Menschen zu finden, die sich auf Grund ihrer schweren geistigen Beeinträchtigung meist nicht selbständig  artikulieren können. (Jan Hulsegge/ Ad Verheul, Snoezelen...) Den Schwerstgeistigbehinderten sollte die Möglichkeit zur Entspannung und Passivität und/oder Aktivität angeboten werden, wodurch angenehme Gefühle und ein wohltuendes Empfinden hervorgerufen werden sollten. Stimuli hierzu waren


         taktiler Art (Bällchenbad, Hängematte)

         auditiver Art (sanfte Musik)

         visueller Art (Verdunklung der Räume, Einsatz von Licht)

         Geruch (Weihrauch, 4711)

         Geschmack (Lebensmittel mit unterschiedlichen Geschmacksnuancen)


 

(vgl. Andrea Gerling, unveröffentlichte Diplomarbeit: Snoezelen als Ansatz zur Förderung Schwerstgeistigbehinderter. Marburg 1989)

 

Die Einrichtung “Piusoord” in Tilburg griff den Snoezelgedanken auf und arbeitete ihn aus. Die Einrichtung stellte auch zum ersten Mal einen Snoezelraum, anlässlich eines Symposiums zum Thema “Spiel”, vor.

Auch in der Einrichtung “de Hartenberg” hatte man Überlegungen über verbesserte Angebote für die Schwerstbehinderten angestellt. Im Rahmen eines Sommerfestes wurde ein “Aktivitäten-Zelt” aufgebaut, in dem es viele Anregungen gab, welche die Sinne möglichst einzeln, z.B. durch Licht, Geräusche, Wasser, Sand, Kies usw. ansprachen.

 

Diese drei Vorreiter-Einrichtungen kamen miteinander in Kontakt und tauschten ihre Erfahrungen aus. Gemeinsam einigte man sich auf die Bezeichnung Snoezelen. Im Laufe der Zeit setzte  sich das Konzept von Jan Hulsegge und Ad Verheul durch.

In den Niederlanden gab es nach und nach immer mehr Institutionen in denen das Snoezelen in den Wohngruppen Einzug hielt. In manchen Einrichtungen wurden zentrale Snoezelräume mit hoher Sachausstattung und personeller Besetzung eingerichtet (de Hardenberg eröffnete 1984 ein aufwendiges Snoezelzentrum), andere lehnten dies ab.

 

 

 

 

Der Begriff Snoezelen

Das Wort Snoezelen (sprich snuselen) stammt aus dem Niederländischen. Es wurde von zwei jungen Männern geprägt, die in der Anstalt “Haarendael” ihren Zivildienst ableisteten. Snoezelen ist eine Kombination der Wörter “snuffelen”, d.h. schnüffeln, schnuppern, und “doezelen”, d.h. dösen, schlummern und erinnert außerdem an das englische Wort ”to snooze” für dösen. (vgl. Hulsegge/Verheul, Snoezelen...S.6).  Das Dösen verdeutlicht die beruhigenden Aktivitäten, während das Schnüffeln eine gewisse Dynamik hineinbringt. Hulsegge und Verheul stellen sich unter dem Snoezelen “ein vorsichtiges Erkunden der Umgebung” vor. (Hulsegge/Verheul, Snoezelen...S.36) Sie beschreiben den Begriff “Snoezelen” folgendermaßen:

• Unter Snoezelen verstehen wir das bewusst ausgewählte Anbieten primärer Reize  in einer angenehmen Atmosphäre.

• Snoezelen ist eine primäre Aktivierung schwer geistig behinderter Menschen, vor allem auf sinnliche Wahrnehmung und sinnliche Erfahrung gerichtet, mit Hilfe von Licht, Geräuschen, Gefühlen, Gerüchen um dem Geschmacksinn.

• Snoezelen ist das Schaffen authentischer Erlebnismöglichkeiten von Umwelt für die, die anders sind”. (Hulsegge/Verheul, Snoezelen...S.36)

 

In der ersten Definition finden sich einige Charakteristika des Snoezelens wieder: primäre Reize, bezogen auf die Sinneswahrnehmung werden so weit wie möglich einzeln angeboten, dass bedeutet, die Sinne werden nicht in der Breite, sondern in der Tiefe angesprochen. Unnötige Reize werden reduziert und störende Einflüsse soweit wie möglich ausgeschaltet. Wichtig ist die besondere Atmosphäre.

Die zweite Erklärung besagt, dass durch die Snoezelumgebung und die Snoezelelemente die Schwerstbehinderten zum Handeln aktiviert werden. Das Handeln ist jedoch auf die Möglichkeiten des behinderten Menschen beschränkt und kann z.B. sein: sich Drehen  auf dem Wasserbett und damit Schaukelbewegungen auslösen, nach etwas greifen, was über ihm hängt usw..

In der zuletzt genannten Erklärung, wird ausgedrückt, dass beim Snoezelen Situationen für den Behinderten geschaffen werden, die ihm angepasst sind. Schwerstgeistigbehinderte Menschen werden als Individuen angesehen, die auf ihre eigene Art ihrer Umwelt, den Dingen, Menschen und Stimmungen ihre persönlich gültige Bedeutung beimessen, die sich von unseren “normativen” Bedeutungen unterscheiden können.  Der behinderte Mensch wird so akzeptiert, wie er ist, sein Wille und seine Äußerungen werden respektiert und seine einfachsten Beschäftigungsmöglichkeiten werden als wertvoll betrachtet. Das Wort “authentisch” ist hier wohl so zu verstehen, dass der  behinderte Mensch beim Snoezelen echte Erlebnismomente, d,h. entsprechend seinem Bestreben, seinen Bedürfnissen und Möglichkeiten erfahren kann. (vgl. A. Gerling, Diplomarbeit, Snoezelen.....S.19)

 

 

 

 


Die Zielgruppe

Es wurde gesagt, dass das Snoezelen besonders für die schwerstgeistig Behinderten entwickelt wurde.

Eine allgemein gültige und gebräuchliche Bezeichnung für diesen Personenkreis gibt es nicht. Aufgrund der Erfahrung im Umgang mit diesen Menschen lassen sich verschiedene Merkmale aufzeigen: der schwerstgeistig behinderte Mensch kann sich verbal nicht mitteilen, so dass wir keine Einblicke in seine Erfahrungswelt erhalten. Dies trifft auch für seine Gefühle und Stimmungen zu. Seine Sprache ist die des Körpers. In subtilen Körperreaktionen wie Gesichtsmimik oder Berühren versucht er etwas mitzuteilen. Die Welt besteht für diese Menschen aus konkret erfahrbaren Dingen, die man sieht, hört, riecht, kostet und bewegt. Sie sind nicht in der Lage die Umwelt und ihre Gegenstände zu strukturieren und abstrahieren.

Hulsegge/Verheul schreiben, dass man geistig behinderte Menschen als Individuen sehen muss: “als einen Menschen, der auf seine ihm eigene Art seiner Umwelt, den Dingen, Menschen und Stimmungen die für ihn persönlich gültigen Bedeutungen beimisst, die sich von unseren “normativen” Bedeutungen weit unterscheiden können.” (Hulsegge/Verheul Snoezelen....S.9) 

Theunissen beschreibt die Gruppe der Schwer(st)-geistig- und Mehrfachbehinderten als behinderte Menschen, bei denen verschiedene Beeinträchtigungen dominieren können, zum Beispiel:

• eine stark reduzierte Lernbasis und fehlende sprachliche Verständigung (ein Teil dieser Personen hat erhebliche Schwierigkeiten, elementare Funktionen zu erwerben bzw. “ihre Umwelt durch die Sinnesorgane zu registrieren (...). Sie können aus eigener Kraft selbst allereinfachste Spieldinge nicht verändern, Begehrtes nicht herbeiholen, Situationen nicht verändern, oft nicht einmal mittelbar durch einen anderen. Ihre Wahrnehmung bezieht sich auf die unmittelbare Körpersphäre, die weitere personale und materiale Umwelt bleibt unerschlossen.” ( Fröhlich A. Probleme der Förderung von Schwerst- und Mehrfachgehinderten. In:Hartmann N. (Hrsg.): Beiträge zur Pädagogik der Schwerstbehinderten. Heidelberg 1983)

 

• eine schwere intellektuelle und körperliche Beeinträchtigung. Viele dieser Behinderten können sich in der Regel nicht fortbewegen, ihre Hände kaum zum Greifen oder Spielen benutzen, oft sind sie bettlägerig oder scheinen nicht in der Lage zu sein, zu einfachen Fortbewegungen zu gelangen.

 

• autistische Verhaltensweisen oder Formen eines frühkindlichen Autismus bei (schwerer) geistiger Behinderung. Diese Behinderten zeigen eine ganz spezielle Symptomatik, die Ausdruck von Störungen in der Aufnahme, Verarbeitung, Differenzierung, Speicherung oder Entspeicherung von Reizen bzw. Informationen in einem oder mehreren Sinnesbereichen sein kann.

 

• massive Verhaltensauffälligkeiten oder Hospitalisierungssymptome (Auto- oder Fremdaggressionen, Apathie. völlige Passivität, Einnässen, Einkoten, Selbststimulation, Tics, Schlafstörungen, Eßstörungen etc.);

 

• chronische Krankheiten bei (schwerer) geistiger Behinderung (beispielsweise Epilepsie, Herzinsuffizienz, psychotische Störungen)

(Theunissen, G. Heilpädagogik im Umbruch, Freiburg, Lambertus, 1993)

Der Mensch erobert sich seine Umwelt.

- Die Sinne - der Ansatzpunkt des Snoezelen. -

 

Der Mensch lebt in einer komplexen  Umwelt, die er, bevor er sie aktiv mitgestaltet, sich schrittweise erobern muß. Diese Eroberung ist ein Prozeß, der beim Neugeborenen beginnt, indem das Kind Fähigkeiten erwirbt, die Umwelt zu begreifen, zu verstehen, mit ihr umzugehen, zu lernen und zu denken. Bevor ein Kind sich denkend und planend mit sich und seiner Umwelt auseinandersetzt, geht es einen langen Entwicklungsweg. Dieser führt durch eine Reihe von Lebensweisen und bildet die Voraussetzung für komplexere kognitive Leistungen. (vgl. Winfried Mall, Kommunikation mit schwer geistig behinderten Menschen, Schindele, Heidelberg 1998)

Piaget, der sich ausgiebig mit der frühkindlichen Entwicklung beschäftigte, bezeichnete die ersten 24 Monate im Leben des Kindes als die sensomotorische Phase. Diese Phase, die verschiedene Stufen beinhaltet, wird von ihm als Lebensweise der  “sensomotorischen Intelligenz” definiert, weil die Sinneswahrnehmung und die Motorik dabei eine zentrale Rolle spielen.

 

Folgende Elemente sind Bestandteile der Entwicklung:

 

Wahrnehmung

Der Mensch ist ein Lebewesen, das mit Hilfe seiner Sinne wahrnehmen kann. Er kann fühlen, sehen, hören, riechen und schmecken. Spezielle Wahrnehmungsorgane  als Kontaktstelle zur Außenwelt sind z.B. Augen, Ohren und Haut. Über die Sinnesorgane nimmt der Mensch Reize aus der Umwelt auf.  Diese Impulse werden über Nervenbahnen zu den entsprechenden Gehirnzentren weitergeleitet, dort verarbeitet und mit Reaktionen beantwortet. Die Reaktion kann sich in motorischen Handlungen ausdrücken, z.B. Bewegungen des Körpers, der Hand, der Sprechmuskulatur oder als Erfahrung im Gedächtnis gespeichert werden.

Die Entwicklung und Entfaltung der “sinngebenden Verarbeitung der Reize  unter Einbeziehung von Erfahrung,  Lernen und Empfindung”  bezeichnet man als Wahrnehmung. ( A. Fröhlich, (Hrsg.) Wahrnehmungsstörungen und Wahrnehmungsförderung, Heidelberg 1996, S.12)

 

Bewegung

Der Mensch kann gehen, laufen, sprechen, sich bewegen usw.

Der Ursprung dazu liegt wieder in der sensomotorischen Phase, in der das Kind sich selbst in der Bewegung erlebt und die Möglichkeiten übt.  Es verbindet die Sinneseindrücke mit eigenen Bewegungen, z.B. führt es die Hand zum Mund, ergreift den Finger der Mutter, den es sieht, wendet den Kopf nach einem Geräusch.  Anregungen aus der unmittelbaren Erlebniswelt verhelfen dem Kind zu vielen lustvollen Aktivitäten und zu immer größerer Sicherheit in seinen Handlungen .

 

Erleben

Der Mensch kann Gefühle wie Glück, Traurigkeit, Zufriedenheit oder Wut zum Ausdruck bringen. Gefühle bestimmen oft sein Tun.


Die Gefühle des Menschen entwickeln sich durch die ersten intensiven personellen Beziehungen mit seiner nächsten Umgebung. Zwischen diesen  Empfindungen, auch Emotionen oder Affekte genannt, und der Wahrnehmung besteht eine wechselseitige Beziehung. Das Erleben ist wesentlich für die Motivation, die Intention, die Vorstellung und Wünsche des Menschen.

 

Handeln

Der Mensch kann seine Umwelt durch Handeln gestalten. Wahrnehmen, Bewegung und Erleben sind wesentliche Voraussetzungen, damit kompetentes Handeln erfolgen kann.  Es stellt eine zielgerichtete Auseinandersetzung mit der Umwelt dar und geschieht in Interaktionen innerhalb des sozialen Systems.

 

 

Die frühkindliche Entwicklung des geistig behinderten Menschen

Für Menschen mit einer schweren geistigen Behinderung ist die Umwelt oft undurchschaubar und chaotisch. Sie scheint voller Reize zu sein, die ständig auf sie einstürmen, die schwer voneinander  zu unterscheiden sind, kaum eingeordnet und oft nicht bewusst wahrgenommen werden können. Der Grund dafür liegt bei den Schwerstbehinderten in der gestörten Prä-, Peri- und Postnatalen Entwicklung, hervorgerufen z.B. durch genetische, chromosomale, metabolische, neurologische und traumatische Ursachen.

Die frühkindliche Entwicklung, die für die Sinneserfahrung von großer Bedeutung ist, verläuft anders als beim nichtbehinderten Kind. So ist die Sinneserfahrung des schwer geistig behinderten Menschen in gewisser Hinsicht mit den perzeptiven Erfahrungen eines Säuglings vergleichbar. Diese Menschen  befinden sich auf einem frühen kindlichen Entwicklungsniveau. Trotzdem wäre es falsch anzunehmen, ihre Entwicklung sei deswegen ausnahmslos mit der Handlungskompetenz, dem Verhalten und Erleben nichtbehinderter Kleinkinder vergleichbar. (vgl. Theunissen, Heilpädagogik...)  Die Phase des “sensomotorischen Lebens” kann man als Fundament betrachten, auf dem sich das Gebäude der Lebensgestaltung, des Denkens und Handelns erhebt. Dieses Gebäude ist bei einigen Menschen höher, bei anderen niedriger. Gemeinsam mit der Entwicklung dieser Lebensweisen entwickelt sich die Entfaltung der Persönlichkeit, des psychischen und sozialen Lebens. Insofern entwickelt auch der geistig behinderte Mensch seine Persönlichkeit, mit seinen ganz persönlichen “Lücken” im Fundament (vgl. Mall, Kommunikation....)

 

 

An dieser Stelle möchte ich noch einmal genauer auf die Entwicklung und Bedeutung der einzelnen Sinne eingehen.


Die Sinne des Menschen

 

Tastsinn

oder auch taktile Wahrnehmung

Unsere Haut ist das uns umgebende Sinnesorgan und unser größtes Wahrnehmungsorgan. In ihren Schichten befinden sich Rezeptoren, das sind berührungsempfindliche Tastzellen für Druck, Berührung, Temperatur und Schmerz. Die meisten Tastkörperchen befinden sich an den Handtellern, den Fingerspitzen und den Fußsohlen. Mit der Möglichkeit unterschiedliche Druck-  und Reizqualitäten aufzunehmen, stellt die Haut wohl  die wichtigste Kontaktstelle zur Außenwelt dar. Doch wir nehmen nicht nur passiv Reize wahr. Durch unsere Bewegungsfähigkeit setzen wir die Haut in unterschiedlichster Form ein, um aktive Wahrnehmungskontakte herzustellen. Am deutlichsten wird dies beim Betasten, wenn wir etwas erkunden - aber auch beim Anschmiegen an einen anderen Körper. (A. Fröhlich, Basale Stimulation, Düsseldorf 1991) Der Tastsinn, der “Ursprung aller Empfindungen” (Montagu 1971,7 in R. Zimmer, Handbuch der Sinneswahrnehmung) entwickelt sich vor allen anderen Sinnesorganen. Bereits in der 8. pränatalen Lebenswoche ist die Haut hochentwickelt und der Fötus reagiert auf Reizungen der Nase, der Lippen und des Kinns. Auch für den Säugling bleibt die Haut ein wichtiges Kommunikationsorgan, über das er Kontakt mit der Umwelt hält. Taktile Berührung ist eine Grundlage der sozialen Existenz. Über den Tastsinn lernt das Kind, den Berührungen die entsprechende Bedeutung zu geben: die Bedeutung von Zärtlichkeit und Wärme, aber auch unangenehme und schmerzhafte Berührungen werden empfunden. An der Art wie er gehalten, gestreichelt, gedrückt wird, kann der Säugling merken  ob die Person die ihn hält ihm gegenüber liebevoll oder gleichgültig eingestellt ist.

(vgl. R. Zimmer, Handbuch der Sinneswahrnehmung)

 

 

Gleichgewichtssinn (Vestibuläres System)

Das Innenohr ist der Sitz unseres Gleichgewichtsorgans. In den Bogengängen und zwei dazugehörigen Kammern, alle mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllt, befinden sich die Rezeptoren für den Lage- und Bewegungssinn, bzw. den Drehbewegungssinn. Der Gleichgewichtssinn ist für die Aufrechterhaltung des Körpers und für die Orientierung im Raum verantwortlich. Darüber hinaus befähigt er den Organismus Beschleunigungen und Drehbewegungen wahrzunehmen und sich darauf einzustellen.

Auf und ab, hin und her gehen, haltmachen, hinlegen, aufstehen, sich umdrehen, im Kreis drehen, alle diese Bewegungen macht uns unser vestibuläres System bewusst. Gleichzeitig haben diese Bewegungen, schon vom Mutterleib an, unser Gleichgewichtssystem stimuliert. Zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche beginnt sich das Gleichgewichtsorgan auszubilden und gleichzeitig zu funktionieren. Das Gleichgewichtssystem beeinflusst zahlreiche wichtige Funktionen, da es zahlreiche Verbindungen zu nahezu allen anderen Abschnitten des Großhirns hat. (Jean Ayres, Bausteine der kindlichen Entwicklung, Springer, Berlin 1998) Es besteht eine enge Verbindung mit dem visuellen und dem auditiven System. Ayres schreibt: “ Das Sehzentrum in der Hirnrinde erhält so viele Impulse von seiten des vestibulären Systems, dass eine richtige Entwicklung des Sehvermögens ohne entsprechende vestibuläre Stimulation während der Jahre der Kindheit nicht zustande käme......Es ist auch bekannt, dass vestibuläre Impulse von Bedeutung für die Verarbeitung akustischer Sinneswahrnehmungen im Hirnstamm sind.” Die nervlichen Informationen beider System ziehen in einem einzigen Nerv, dem Vestibularnerv, zum Hirnstamm (Ayres S. 131)

 

 

Tiefensensibilität oder kinästhetische Wahrnehmung

Unter kinästhetischer Wahrnehmung versteht man die Lage- und Bewegungsempfindungen, die nicht durch das Sehen vermittelt werden. Meist sind sie uns nicht bewusst, denn wir tragen ein inneres Bild über den Ablauf alltäglicher Bewegungen in uns. Da wir sie so oft geübt haben, können wir automatisch auf sie zurückgreifen. Tiefensensibilität oder “Kinästhesie” ist die Wahrnehmung der Raum-, Zeit-, Kraft- und Spannungsverhältnisse der eigenen Bewegungen. Rezeptoren in den Gelenken, Sehnen und Muskeln geben Auskunft über die Lage und Stellung der einzelnen Körperteile zueinander und in bezug zur Umwelt  Die Empfindungen des eigenen Körpers erfolgen hauptsächlich während der Bewegung, jedoch auch beim Stillstehen.

Neben dem Tast- und dem Gleichgewichtssinn ist das kinästhetische Sinnessystem das erste funktionierende System des Fötus im Mutterleib. Bereits im dritten Schwan­gerschaftsmonat erlebt der Fötus durch die mütterlichen Bewegungen das eigene Bewegtwerden. Während er im Fruchtwasser schwimmt, bewegt er Muskeln und Gelenke. (vgl. R. Zimmer, Handbuch der Sinneswahrnehmung S. 122)

 

Tastsinn, Tiefensensibilität und Gleichgewichtssinn sind in ihren Funktionen so eng miteinander verknüpft, dass man sie in ihrer Bedeutung kaum isoliert beschreiben kann. Wenn diese drei sensorischen Systeme nicht in angepasster Weise funktionieren, wird der Mensch wahrscheinlich nur ungenügend auf seine Umwelt reagieren können.

 

 

Gehörsinn

Über das auditive System können wir Töne, Klänge und Geräusche aus der Umwelt wahrnehmen und unterscheiden. Zudem ist es wichtig für die menschliche Kommunikation. Die akustische Wahrnehmung, verknüpft mit visuellen und motorischen Aktivitäten,  ist die Basis für die Sprachentwicklung.

Die Schallwellen wandern über das Trommelfell und die Gehörknöchelchen in das Innenohr. Dort werden die Reize durch die Schnecke weitergeleitet, die verschiedenen Tonhöhen werden durch die dort befindlichen Sinneszellen aufgenommen und in Nervenimpulse umgewandelt. Über den Hörnerv werden die Nervenimpulse zu den entsprechenden Zentren im Gehirn geleitet. Die auditive Wahrnehmung umfasst folgende Bereiche: auditive Aufmerksamkeit, Figur-Grund-Wahrnehmung, auditive Lokalisation (Richtungshören), auditive Diskrimination, auditive Merkfähigkeit und das Verstehen des Sinnbezuges.

Bereits im  Mutterleib erfährt das Ungeborene das “intrauterine Hören”, darunter versteht man eine besondere Form von Schallwellen -vibratorische Schwingungen-, die dem Körper des Kindes zugeführt werden. Dies sind der Herzschlag und die Atmung der Mutter, ihre Magen- und Darmgeräusche, aber auch der Blutfluss. Sie bilden eine dauernde und immer wieder wechselnde vibratorisch-auditive Umwelt. Die Stimme der Mutter und auch die anderer Menschen dringen als Schwingungen zum Kind. Geräusche, Musik und alles was hörbar ist, wird transformiert auch dem Kind mitgeteilt. Diese Vibrationsempfindungen sind bedeutend intensiver als das spätere “Hören” und stärker verknüpft mit emotionalen Empfindungen.(vgl. Andreas Frölich) Ab dem 5. Schwangerschaftsmonat nimmt der Embryo differenziert wahr. Bei der Geburt ist das Gehör gut entwickelt. Die akusto- vibratorische Wahrnehmung ist von Bedeutung für die emotional-soziale Entwicklung des Kindes. Z.B. wirkt rhythmisches Vibrieren entspannend.

 

 

Gesichtssinn oder visuelle Wahrnehmung

Das Auge ist das Organ für die visuelle Wahrnehmung. Es vermittelt uns optische Sinneseindrücke aus unserer Umwelt. Sehen ist etwas Subjektives. Wir wählen aus der Fülle von Informationen das aus, was für uns von Bedeutung ist. In das Sehen gehen Interessen, Einstellungen, persönliche Sichtweisen ein, aber auch Stimmungen

Physikalisch geht das Sehen folgendermaßen vor sich: Das Auge projiziert das einfallende Licht durch die Pupille und die Linse auf die Netzhaut. Dort setzen verschiedene lichtempfindliche Sinneszellen das wahrgenommene Bild in Nervenimpulse um.

Beim Sehen spielt Bewegung eine wichtige Rolle. Die Linse muß durch feine Muskeln so reguliert werden, dass ein scharfes Bild entsteht. Um das räumliche Sehen zu ermöglichen, müssen beide Augen entsprechend zusammenarbeiten. (vgl. Winfried Mall, Sensomotorische Lebensweisen, Heidelberg  1997)

Eine Aufgabe des visuellen Systems ist das fokale Sehen, das Erkennen von Farben und Formen und die Unterscheidung von Mustern. Eine zweite Aufgaben ist uns weniger bewusst: es ist die Vermittlung von Informationen über den Aufbau des Raumes um uns herum, z.B. seine Strukturierung, Wände, Untergrund usw. und über bewegliche Objekte. Alle diese Informationen benötigen wir zur Orientierung im Raum, zur Kontrolle unserer Haltung, zur Steuerung unserer Fortbewegung und zur Lokalisation von Reizquellen. (vgl. R. Zimmer)  Dabei fließen Informationen aus den anderen Wahrnehmungsbereichen mit ein.

Das visuelle Wahrnehmungssystem ist bei der Geburt zwar noch unreif, aber bereits einige Wochen vor der Geburt funktionsfähig. Objekte die sich langsam bewegen, können von Säuglingen bereits kurz nach der Geburt mit den Augen verfolgt werden.

 

 

Geruch- und Geschmacksinn

Unser tägliches Leben ist von vielen Gerüchen umgeben, vom Duft des Kaffees am Morgen über den Geruch der Autoabgase auf den Straßen und die typischen Gerüche, die an den Arbeitsplätzen herrschen, bis hin zu angenehmen Düften von Parfüms. Die Nase ist das Organ, das für unsere geruchliche Wahrnehmung zuständig ist. In der Nasenhöhle befindet sich die Riechschleimhaut, deren Sinneszellen auf chemische Substanzen als Reiz reagieren. Unsere Sinneszellen können eine Unzahl von verschiedenen Gerüchen unterscheiden. Die verschiedenen Gerüche wirken unterschiedlich auf Menschen  und rufen unterschiedliche Emotionen hervor. Häufig sind Erinnerungen aus der Kindheit damit verbunden. In der jüngeren Zeit ist die Bedeutung des Geruchsinnes und die Wirkung von Duftstoffen wieder mehr ins Bewusstsein gerückt worden. Die Duftstoffe vieler Kräuter,  Heilpflanzen und Gewürze sollen sich belebend auf Körper und Geist auswirken  Es gibt Düfte, die antiseptisch wirken, andere die beruhigend oder auch anregend wirken.

Bei der Geburt ist der Geruchssinn bereits gut entwickelt. Neugeborene können ihre Mutter am Geruch erkennen und schon zwischen verschiedenen Gerüchen unterscheiden.

 

 

Die gustatorische Wahrnehmung, der Geschmackssinn

Durch den Geschmackssinn können wir die Nahrung genießen und ähnlich aussehende Nahrungsmittel voneinander unterscheiden.  Die unterschiedlichen Geschmackrichtungen nehmen wir über die Rezeptoren des Geschmackssinnes, die sogenannten Geschmacksknospen wahr. Sie befinden sich weit zerstreut auf der Zunge und in der gesamten Mundhöhle und sprechen nur auf Stoffe an die wasserlöslich sind. Reize für den Geschmackssinn sind chemische Lösungen. Geruch und Geschmackssinn sind eng miteinander verbunden. Dies wird besonders bei einem Schnupfen deutlich. Die Nahrung schmeckt nicht, weil die Nase nicht ausreichend belüftet wird.

Das ungeborene Kind kann bereits im Mutterleib schmecken, denn die Ge­schmacksknospen sind ab dem 3. Schwangerschaftsmonat ausgebildet.  Bei der Geburt sind die Geschmacksempfindungen bereits gut entwickelt.

 

 

 

Wie die Ausführungen über die Wahrnehmung und ihre Entwicklung der Sinne beim Menschen erkennen lassen, ist der Prozeß der Informationsaufnahme aus der Umwelt und die anschließende sinnstiftende Verarbeitung ein hochkomplexer Vorgang. “Die Herstellung von bedeutungs- und sinnvollen Zusammenhängen, die unmittelbare Verknüpfung mit Erinnertem stellt eine ganz spezifische Leistung dar, die den Kern der Wahrnehmung erst ausmacht.” (A. Fröhlich S. 39)

Bei schwerer Schädigung des zentralen Nervensystems, die ja in der Regel bei schwerer Behinderung immer vorhanden ist, kann dies zu einer Einschränkung der Wahrnehmungsfähigkeit führen. Diese Schädigung, als die organische Seite schwer­ster Behinderung, setzt deutlich Grenzen für eine Entwicklung von Wahrnehmung, Kognition und anderer höherer cerebraler Funktionen.

Doch lassen sich auch bei Erwachsenen und älteren Menschen mit geistiger Behinderung immer wieder Veränderungen beobachten, die auf Anpassungs- und Austauschpr­ozesse  mit neuen Situationen zurückgeführt werden können.

Solche Situationen so herbeizuführen, dass der Behinderte seine Umwelt schrittweise besser erfahren kann, ist die Aufgabe der Erzieher und Betreuer.

 

Grundprinzipien des Snoezelens und ihre Bedeutung

Soll das Snoezelen seine positiven Wirkungen optimal entfalten, so müssen einige Prinzipien und Voraussetzungen beachtet werden, die im Folgenden hier dargestellt werden.

 

 

Richtige (Grund-)Einstellung

Die Arbeit mit Schwerstgeistigbehinderten ist nicht einfach, sie muß dem Betreuenden liegen. Er braucht nicht nur eine fachliche Qualifikation, entscheidend ist seine Einstellung zum behinderten Menschen und ein Gespür für seine Bedürfnisse. Das  persönliche Menschenbild des Betreuers fließt stark in seine Arbeit mit den Behinderten ein und drückt sich im Umgang mit diesen Menschen aus.

Wie im Fall des Bewohners T., der seit seiner Kindheit in der Psychiatrie lebte, war das Menschenbild viele Jahre ein medizinisch nihilistisches, das verstärkt die Defizite wahrnahm und  an deren Beseitigung orientiert war.

Ich bin der Meinung, dass die Heilpädagogik mit ihrer ganzheitlichen Betrachtung des Menschen, die den Mensch als lernfähig, kommunikationsfähig und entwicklungsfähig betrachtet, dem behinderten Menschen die richtigen Grundhaltungen entgegen bringt.

Diese Grundhaltungen fließen  in die Arbeit mit ein. Hulsegge und Verheul meinen, kritisch mit sich selbst zu sein, sollte eine Grundhaltung sein. “Wir müssen unsere eigenen Reaktionen, mit denen wir einem Bewohner begegnen, sehr genau kennen. Die eigenen Gefühle wie Freude, Wärme und Zuneigung sind entscheidend für die Geduld,  die man im Umgang mit schwer geistig Behinderten aufbringt. Aber auch Gefühle wie Ärger, Gereiztheit und Ungeduld sind für den Umgang mitbestimmend.” (Hulsegge/Verheul,  Snoezelen...S-44)

Auch Schwerstbehinderte spüren unsere Stimmungslage und reagieren darauf, wenn auch jeder auf seine ganz persönliche Art. Beim Snoezelen drückt sich die Einstellung zum Behinderten darin aus, dass ich ihm die Möglichkeit eines positiven Kontaktes und die eigenen Entscheidungsmöglichkeiten lasse.

 

 

Richtige Atmosphäre

Mit Atmosphäre bezeichnen wir die unsere Erde umgebende Lufthülle und in Anlehnung daran  die Eigenart einer bestimmten Umgebung. Wir sprechen zum Beispiel von freundlicher, angenehmer, warmer aber auch von kalter, unangenehmer oder nicht vorhandener Atmosphäre. Abhängig ist die Atmosphäre zum einen von den räumlichen und materiellen Bedingungen, zum anderen von den zwischenmenschlichen Beziehungen.

In den letzten Jahren hat man bei der Arbeit mit den Behinderten festgestellt, dass sie auf die sie umgebende Atmosphäre sensibel reagieren. In den Einrichtungen ist der nüchterne Krankenhaus-  und Anstaltscharakter so weitgehend verschwunden und man hat sich um eine wohnlichere Gestaltung bemüht. Die Einrichtung der Zimmer ist nicht mehr sterilweiß, sondern wurde im Mobiliar und der farblichen Gestaltung den Bedürfnissen der Bewohner angepasst.

Ebenso wichtig wie die durch Materialien geschaffene Atmosphäre ist die menschliche Atmosphäre. Die Betreuer haben es in der Hand durch ihre Art des Umganges mit den behinderten Menschen zu einer freundlichen, warmen Atmosphäre beizutragen. Ein freundliches Wort, eine liebevolle Geste und die Bereitschaft auf die Signale der Behinderten zu achten sind gute Voraussetzungen um den Bedürfnissen Schwerstgeistigbehinderter gerecht zu werden.

Beim Snoezelen sind es besonders die  angenehme farbige Beleuchtung und die ruhige, entspannende Musik  die eine besondere Atmosphäre erzeugen. Kommen dazu noch gemütliche Sitz- und Liegegelegenheiten, evtl ein Wasserbett, so ist mit Hilfe von Licht, Farben, Bewegung und Musik eine besondere und stimulierende Umgebung für die Schwerstgeistigbehinderten geschaffen. Diese Atmosphäre kann den behinderten Menschen ein angenehmes Lebensgefühl und  Geborgenheit vermitteln und außerdem Entspannung und Beruhigung oder Aktivität bewirken.

 

 

Richtige Betreuung

Snoezelen soll der Behinderte nicht allein, sondern mit einem Betreuer, denn ein Aspekt des Snoezelens ist ja der nahe und persönliche Kontakt zwischen beiden. Der Körperkontakt ist von großer Bedeutung, denn er ist unter Umständen die einzige Möglichkeit mit den schwerstbehinderten Menschen zu kommunizieren. Da die Sprache als Verständigungsform wegfällt, ist der Einsatz von Armen, Händen und des Körpers wichtig, um auf dem Niveau des Behinderten zu kommunizieren. Das bedeutet,  den Schwerstbehinderten in den Arm zu nehmen und sich auf Emotionalität einzulassen.  Ein enger Kontakt kann entstehen, der Betreuer kann zum Partner des Behinderten werden. Auch Beziehungen zu anderen Behinderten können über den Körperkontakt entstehen. Darüber hinaus soll der  Betreuer alle die Dinge garantieren, die schon genannt wurden: angenehme Atmosphäre, ihm Zeit lassen und  ihn die Aktivität wählen lassen. Dabei muß er Abstand nehmen von seinen alltäglichen Betreuungsgewohnheiten und -normen in denen der Behinderte so oft dominiert wird. Im Snoezelraum  soll dem Behinderten die Sicherheit gegeben werden, dass er alles tun darf, was er möchte, und dass ihm keine Leistung abverlangt wird.

 

 

Eigene Entscheidung

Dieses Grundprinzip besagt, dass die Wahl der Aktivität nicht beim Betreuer liegt, sondern beim Behinderten selbst. In der alltäglichen Praxis wird der behinderte Mensch rundum versorgt. Dabei wird für ihn gedacht und für ihn getan. Platz für eigene Entscheidungen gibt es so gut wie nicht. Beim Snoezelen soll dies nicht so sein. Der Snoezelnde darf die Snoezelobjekte  so benutzen wie er es will. Das verlangt vom Betreuer einerseits von den eigenen Normen und Vorstellungen Abstand zu nehmen und andererseits eine gute Beobachtungsgabe, denn er muss herausfinden was der Schwerstgeistigbehinderte gerne mag und ihm diese Dinge zur Verfügung stellen. Der Betreuende muss auf die Signale (Körpersprache bei fehlender aktiver Sprache) achten, die der geistig Behinderte aussendet und lernen, sich einfühlsam auf seine Wellenlänge einzupendeln.

Beim Behinderten liegt die Entscheidung, ob er mehr entspannen will oder lieber aktiv sein will, denn ein Prinzip des Snoezelens ist ja: “Nichts muß gemacht werden, alles ist erlaubt.”

Das Prinzip der eigenen Entscheidung sollte auch in den lebenspraktischen Bereich im Alltag übertragen werden. Der Behinderte soll ermutigt werden, eigene Bedürfnisse und Interessen zu äußern.

 

 

Ausgewählte Reizangebote

Für geistig Behinderte ist die Welt oft reizüberflutet und chaotisch oder droht es zu werden. In den Wohngruppen oder sonstigen Einrichtungen geht es laut zu und dies wird von den Nichtbehinderten meist nicht wahrgenommen. Es wird laut gesprochen, Türen schlagen zu, das Telefon läutet, ein Radio läuft usw.. Ein Gewirr von Geräuschen dringt täglich auf die behinderten Menschen ein.

Beim Snoezelen sollen deshalb die Betreuenden die Situation so gestalten, dass sie reizärmer ist, weniger chaotisch und weniger bedrohlich. In einer  Welt voller Reizüberflutung wirkt es beruhigend und entspannend, wenn nur einzelne Sinnesorgane angesprochen werden. Beim Snoezelen-Geschehen wird ein bestimmtes  Reizangebot, wie Tasterfahrungen, auditive Erfahrungen usw. ausgewählt, bzw. werden bestimmte Aktivitäten zu bestimmten Zeiten angeboten.

Aber auch im Alltag können und sollen die Betreuenden sensibel werden für die Reize, die ständig auf die Schwerstgeistigbehinderten einstürmen und versuchen die Flut von Eindrücken, soweit es in ihrer Macht liegt,  wenigstens etwas einzudämmen.

 

 

Wiederholung

Da Geistigbehinderte länger brauchen um die Reizangebote zu entdecken und zu verarbeiten, brauchen sie außer der verlängerten Zeitspanne auch die Wiederholung der Reizangebote.

Im allgemeinen läßt sich nicht festlegen, wie oft und auf welche Weise gesnoezelt werden muß. Hier sind wieder die Reaktionen des einzelnen geistig behinderten Menschen maßgebend.

 

 

Gruppengröße, Zeitpunkt und Dauer

Beim Snoezelen ist es wünschenswert, dass die Gruppe nicht zu groß ist. Damit besteht auch nicht die Gefahr, dass die Behinderten sich gegenseitig belästigen. Die Gruppengröße ist auch davon abhängig, wie die Heimbewohner sich verhalten und wie groß der Raum ist. Hulsegge und Verheul schlagen vor, mit nicht mehr als vier Personen zu snoezelen. Am besten wären nur ein bis zwei Personen, da Snoezelen immer in einem vertrauten kleinen Rahmen geschehen soll.(vgl.Hulsegge/Verheul, S.56)

Der Zeitpunkt des Snoezelens ist von mehreren Gegebenheiten abhängig. Eigentlich sollte der Entschluss zum Snoezelen spontan sein. Doch gibt es eine Reihe von Faktoren, die diese spontane Aktivität beschränken. Es sind Bestimmungen wie Dienstpläne, Essenszeiten, Therapien zu geregelten Terminen usw. Auch steht der Snoezelraum, wenn er von mehreren Gruppen genutzt wird, nicht jederzeit zur Verfügung. Vielmehr hat jede Gruppe ihre festen Zeiten. Das schränkt natürlich die Spontanität stark ein.

Beim Snoezelen soll keine Hetze entstehen. Der geistig Behinderte braucht Zeit die Reize aufzunehmen, Wahrnehmungen zu machen und sich neue Erfahrungen zu erschließen. Diese Zeit müssen ihm die Betreuenden lassen - sein eigenes Tempo.

Als nicht Geistigbehinderte fällt es uns leicht, Reize aufzunehmen, zu ordnen und zu verarbeiten. Von daher kann es uns Probleme machen, uns auf das Tempo des Geistigbehinderten einzustellen.

In der Routine des Alltages in den Einrichtungen muß meist alles schnell gehen und es wird  oft vergessen, dass Geistigbehinderte anders Wahrnehmen und mehr Zeit brauchen.

Der Übergang zum Snoezelen und umgekehrt vom Snoezelen in den Alltag sollte ruhig und nicht abrupt geschehen. Zu Beginn des Snoezelens sollen die leise Hintergrundmusik ein- und die große Beleuchtung ausgeschaltet werden. Beim Beenden der Aktivität soll deutlich gemacht werden, dass wieder auf Alltag umgeschaltet wird. Die Lampen werden nach und nach wieder angeschaltet, usw. Wie lange die Snoezelaktivität andauert hängt von den Reaktionen des behinderten Menschen ab. Läßt sein Interesse nach, so ist dies ein Signal zum Beenden. Hier ist wieder die Beobachtung gefragt, um die Signale des Geistigbehinderten zu erkennen und zu interpretieren.

 

 

Musik

Die Musik beim Snoezelen kann einerseits als Hintergrundmusik und andererseits als ein Element zur auditiven Wahrnehmung eingesetzt werden.

Hintergrundmusik soll im Wesentlichen zur Gestaltung der angenehmen Atmosphäre beitragen. Da das Snoezelen durch Reizauswahl, Reizreduktion und Reizdosierung die Welt des geistig Behinderten weniger chaotisch und bedrückend gestalten will, soll auch die Musik dazu beitragen, Spannungen zu lösen.

Wie soll die Musik sein, die zur Entspannung beiträgt?

Das Tempo als ein grundlegendes Element der Musik darf nicht zu schnell sein, denn ein schnelles Tempo kann Spannungen hervorrufen. Auch ein Musikstück mit vielen Tempowechseln wirkt kaum beruhigend. Für das Snoezelen sollte Musik mit einem durchgehenden, nicht zu schnellen Tempo ausgesucht werden.

Als weiteres Element der Musik bestimmt der Takt die Bewegung des Menschen. Er kann bei einer bestimmten Anzahl von Schlägen den Menschen regelrecht zur Bewegung drängen. Beim Dreivierteltakt schwingen wir, während der Marsch zu zackigen Bewegungen auffordert.

Der Rhythmus hat einen starken Einfluß auf die Emotionalität.

Die Melodie prägt den Charakter des Musikstückes. Zum Beispiel vermitteln fallende Tonfolgen im allgemeinen Ruhe. Durch die passende Wahl der Intervalle wirkt die Musik harmonisch. Mit der geeigneten Wahl der Instrumente kann die entspannende Wirkung verstärkt werden.

Besonders geeignet sind Musikstücke von Mozart, Brahms, Bach, u.a.. Mittlerweile ist im Musikhandel ein breites Angebot von Entspannungsmusik zu finden.

 

Ziele des Snoezelens

Das Snoezelen an sich beinhaltet keine genauen festgelegten Ziele.

  Snoezelen soll der Entspannung dienen und durch die angenehme, ruhige Umgebung den Abbau von im Alltag entstandenen Spannungen, bewirken.

“Denn das Erleben der direkten Umgebung, das Einfach- auf- sich- wirken- lassen   und das angenehme passive Genießen sind schon Ziele an sich”.(Hulsegge/­Verheul Snoezelen..S. 10)

  Snoezelen soll die Möglichkeit bieten, den geistig Behinderten viele elementare und emotionale Grunderfahrungen bzgl. des Bewusstseins über den eigenen Körper, Körperkontakt usw. machen zu lassen. Diese sind bei Behinderten oft vernachlässigt.


 

     Snoezelen versucht Situationen zu schaffen, die den Behinderten angepasst sind, im Gegensatz zu vielen anderen Situationen in denen sich der Behinderte anpassen muß. Snoezelen ist bedürfnisorientiert und ermöglicht dem Behinderten einen eigenen Entscheidungsspielraum.

       Snoezelen bietet Sinneswahrnehmungen und Sinnesreize selektiert und soweit als möglich isoliert an, da die komplexen Sinnesreize aus der Umwelt geistig behinderte Menschen oft überfordern.

• Beim Snoezelen wird dem Geistigbehinderten der nötige Freiraum und die Zeit gelassen, selbst auszuwählen bzw. anzuzeigen, womit er sich beschäftigen möchte und was er als angenehm empfindet. Alles ist freiwillig beim Snoezelen, es muß nichts gemacht werden.

 

 

 

Vorstellung von T.

 

Lebensumfeld

T. lebt in einer Heilpädagogischen Einrichtung in W..

Bereits seit 90 Jahren werden in W. geistig behinderte Menschen betreut. Bis 1989 waren sie im psychiatrischen Krankenhaus auf großen Stationen untergebracht. Im Januar 1989 wurde das Krankenhaus umstrukturiert und die Heilpädagogische Einrichtung gegründet. Teilweise wohnen die Behinderten in Außenwohngruppen, teils wurden ehemalige Stationen zu Wohnungen umgebaut. Insgesamt werden ca. 140 Behinderte in 18 Wohngruppen betreut, die in Ein- und Zweibettzimmern  Platz für jeweils sieben bis zwölf Personen bieten. Einige Bewohner haben einen Arbeitsplatz im Arbeitsbereich der Tagesstätte gefunden, einige besuchen die Werkstatt der Lebenshilfe, andere bekommen ein tagesstrukturierendes Angebot in der Tagesstätte. Manche Bewohner müssen in der Wohngruppe beschäftigt werden.

T. lebt in einer Wohngruppe, in der noch andere Schwerstmehrfachbehinderte leben. Er besucht  morgens die Tagesstätte und wird nach dem Mittagessen in die Wohngruppe gebracht.


Anamnese

 

Die Anamnese habe ich aus der “Krankenakte” von T. übernommen, als er noch “Patient” des psychiatrischen Krankenhauses war und der medizinische Aspekt im Vordergrund stand.

T. wurde am 6. 4. 1964 geboren, er ist also 34 Jahre alt. Er wurde zu Hause entbunden und mußte am 4. Lebenstag in die Neurochirurgie Gießen eingewiesen werden. Dort wurde er operiert (laut Bericht Bluterguss) . Welche Komplikationen zu Hause während oder nach der Geburt auftraten und in welchem Ausmaß, ist nicht näher bekannt. Er blieb 14 Tage in der Klinik und kam dann wieder nach Hause.

Mit Fünf Monaten bekam er die Gelbsucht und wurde acht Wochen lang in der Kinderklinik Gießen behandelt. Später traten Krämpfe auf. T. wurde dann in der Kinderklinik Marburg (Kinder- und Jugendpsychiatrie) vorgestellt und dort eingewiesen.  Er blieb ein Jahr. Es wurde eine erhebliche Entwicklungsverzögerung festgestellt. T. nahm kaum Blickkontakt auf, warf Spielzeug weg, machte stereotype Bewegungen mit Armen und Beinen und produzierte unartikulierte Laute. Allerdings konnte er selbständig und schnell laufen.

1967 fiel er eine Treppe hinunter. (Aus den Akten ist leider nicht ersichtlich, in wieweit eine Verletzung oder Schädigung eingetreten ist).

Danach bat der Bürgermeister des Ortes, in dem T. lebte, dringend um Aufnahme von T. in das Psychiatrische Krankenhaus Weilmünster. Er schilderte “missliche Familienverhältnisse”. 

Am 19.06.1969 erfolgte die Aufnahme im PKH W. Es wurden bei T. Debilität und Epilepsie mit Blitzkrämpfen diagnostiziert. Aufgrund seines bisherigen Lebenslaufes wurde auch ein psychischer Hospitalismus vermutet. Bei der Aufnahme wurden Bissnarben festgestellt, so dass sich die Frage nach selbstverletzendem Verhaltensweisen stellte.

Im PKH lebte er sich gut ein, er sprach nach einiger Zeit schon etliche Worte und spielte gerne Ball. Von den Eltern wurde er besucht und auch manchmal nach Hause geholt.

1970 fiel seine große Unruhe auf, so dass er zeitweise fixiert werden mußte. (er­ hüpfte stark im  Bett herum). Er war zeitweise aggressiv. ( An dieser Stelle ist aus den Akten leider nicht ersichtlich, wie sich die Aggressivität äußerte.) Mit seinen sechs Jahren mußte er noch gefüttert und gewindelt werden.

1973 traten fast täglich Blitzkrämpfe auf. T. fiel um, stand nur noch unsicher auf seinen Beinen.

1980/81 traten lebensbedrohliche Anfälle auf (Status Epileptikus).

1982 T. lernte mit dem Löffel selbständig zu essen.

1985/86 wurde T. wegen Schwellungen im Knie und der beinbetonten Tetraspastik mit Spitzfüßen in der Orthopädie vorgestellt. Das Knie wurde punktiert und für die Spastik eine Mobilisation auf krankengymnastischer Grundlage empfohlen.

Im Februar 1988 kam es zu einer Imobilitätsfraktur des rechten Oberschenkels mit blutigem Erguss im Kniegelenk. Wieder wurde eine krankengymnastische Behandlung zur Förderung der Mobilität  als notwendige Maßnahme gefordert.

Zu diesem Zeitpunkt (10/88) verbrachte T. den ganzen Tag im Bett und war auch sonst auf  Fremdhilfe angewiesen. Er war inkontinent. Seine Bewegungs- und Hand­lungsabläufe waren insgesamt stark verlangsamt und bei den kleinsten Bewegungen gab er Schmerzlaute von sich.  (Auswirkungen der Oberschenkelfraktur?)  Erschwerend dabei war, dass T. über keine aktive Sprache verfügte und daher seine Beschwerden und Befindlichkeiten nicht klar zum Ausdruck bringen konnte. Allerdings reagierte er zu diesem Zeitpunkt schon positiv auf Zuwendung und nahm auch schon Blickkontakt auf.

 

 

1989 wurde das PKH in drei Bereiche aufgeteilt. Für die Behinderten wurde  die Heilpädagogische Einrichtung geschaffen. In kleinen Wohngruppen sollte eine mehr familienähnliche Atmosphäre entstehen. Der Krankenhauscharakter der großen Stationen war den Menschen nicht gerecht geworden und hatte zusätzlich zu der Behinderung noch viele Hospitalisierungserscheinungen hervorgebracht.  Jetzt stand nicht mehr nur noch Versorgung  im Vordergrund, sondern individuelle Betreuung und Förderung.

 

Juni 1996 wurde T. beim Chirurgen vorgestellt. Es wurde eine Fraktur der beiden Knochen des linken Unterarmes diagnostiziert, so dass T. bis Anfang 1997 täglich eine Schiene tragen mußte. Anschließend erhielt er zweimal wöchentlich Bewegungstherapie.

 

 

Beschreibung der Person

 

Diagnose:

Nach ärztlicher Diagnose besteht bei T. eine geistige Behinderung schweren Grades aufgrund frühkindlicher Hirnschädigung unbekannter Genese. Zudem hat er häufig epileptische Anfälle, vorwiegend Grand mal Anfälle, zeitweise mit Häufungen bis hin zum Status Epilepticus. Aufgrund der frühkindlichen Hirnschädigung besteht bei ihm eine Spastik aller vier Extremitäten mit entsprechenden Folgeschäden.

 

Äußeres Erscheinungsbild

T. ist 1,53m groß und wiegt um die 50 kg. Er sitzt im Rollstuhl, die Schultern sind meist nach  vorne gebeugt, die Hände liegen auf den Oberschenkeln und sind zu Fäusten geballt. Oft bewegt er seinen Oberkörper in kleinen rhythmischen Bewegungen vor und zurück. Manchmal schiebt sich der Oberkörper aber auch weit nach vorne bis auf die Oberschenkel, dass man die Befürchtung hat T.  kippt mit dem Rollstuhl um.

In seinem Gesicht fallen breite buschige Augenbrauen, eine breite, eher platte Nase und eine wulstige Unterlippe auf. Beim  linken  Ohr ist die Ohrmuschel deformiert. Sie weist nicht die üblichen Windungen auf. Die kleinen Augen verschwinden in tiefen Augenhöhlen. Die Falte zwischen  Wangen und Mund ist tief und zeigt sich besonders, wenn T. lacht oder verärgert ist.  Den Kopf bewegt er in feinen Mikrobewegungen von links nach rechts und umgekehrt.

 

Da die Behinderung eine Tetraspastik beinhaltet, ist T. in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. So kann er seine Füße nicht richtig auf den Fußsohlen aufsetzen, da  sie durch die Spastik deformiert sind. T.  ist darauf angewiesen aus dem Bett in den Rollstuhl und auf die Bodenmatte und umgekehrt gehoben zu werden. Im Bett kann er sich allerdings alleine aufsetzen oder sich auf die Seite drehen. Er schafft es sich in den Fersensitz zu bringen und kann auch lange Zeit in diesem Sitz verharren. Will er vorwärts  kommen, so rutscht er aus dem Fersensitz heraus auf den Knien, unter Zuhilfenahme des Oberkörpers, immer ein Stückchen weiter nach vorne. In der Rückenlage kann er seine Beine so an den Körper heranziehen, wie es nur einem Säugling möglich ist. Er nimmt besonders in entspannten Situationen eine regelrechte embryonale Haltung ein.

 

Es ist T. nicht möglich beide Hände und Arme zu nutzen, um mit Gegenständen zu hantieren. Die rechte Hand und den Arm benutzt er so gut wie nie. Meist ist die Hand zu einer Faust geballt. Mit der linken Hand kann er mit dem Faustgriff  Gegenstände, die nicht zu klein sind, ergreifen.  Er bewegt den Arm nie höher als in Schulterhöhe. Hat er einen Gegenstand z.B. Ball ergriffen, so kann er ihn nur nach unten und hinten werfen. Eine andere Bewegungsrichtung ist nicht möglich. Eine Bewegungsstereotype ist die ständige Auf-  und Abbewegung der geballten  linken Hand. 

Ist T. gut gelaunt, so ist er bereit und auch in der Lage beim Anziehen etwas mitzuhelfen.

 

Die Lippen hält T. geschlossen. Bei schlechter Laune schiebt er die wulstige Unterlippe vor. Getränke nimmt er aus einem Schnabelbecher, seine Nahrung wird im Mixer zerkleinert, bzw. weichere Nahrung wird zerdrückt.

 

Lebenspraktische Fertigkeiten

T. benötigt vollständige Hilfe und Betreuung.

Bei den Mahlzeiten muß er gefüttert werden. Er kann normale Kost zu sich nehmen.

Ein Problem ist das immer wieder auftretende Erbrechen. Im Entwicklungsbericht ist von psychogenem Erbrechen die Rede, einem Problem, das schon seit Jahren bekannt ist. So wurde bereits 1993 über einen Zeitraum von elf Wochen ein Protokoll angefertigt, um festzustellen wann dieses Erbrechen, wo und wie oft es auftritt. Damals erbrach er im Durchschnitt viermal in der Woche, meist abends und meist war kein Auslöser erkennbar. Die Betreuer  versuchten unterschiedlich zu reagieren, von Schimpfen bis hin zum Wegwischen ohne verbale Äußerungen.

In den letzten Wochen hat er nicht mehr so oft erbrochen, aber das Problem besteht nach wie vor.

Zu seiner eigenen  Sicherheit braucht T. ein Schutzgitter vor seinem Bett.

T. ist vollständig inkontinent und muß gewindelt werden. Dabei hilft er je nach psychischer Verfassung mit. Er ist in der Lage die Beine auszustrecken und den Po etwas anzuheben. T. schläft in der Regel ab ca. 23.oo Uhr bis morgens um 7.3o Uhr. Manchmal kommt es vor, dass  er nachts schreit, z.B. wurde dies kurz vor einem Anfall beobachtet. Es gab aber auch schon Schreiphasen ohne ersichtlichen Grund. Auch mittags, wenn er gegen 12.3o Uhr aus der Tagesstätte kommt, hält er in seinem Zimmer einen Mittagsschlaf.

Die gesamte Körperpflege einschließlich Zähneputzen und Rasieren wird von den Betreuern übernommen.

 

Kommunikation

Mit T. ist keine verbale Kommunikation möglich, da er nicht über eine aktive Sprache verfügt.  Aber er zeigt durch Mimik und Gestik deutlich was ihm gefällt und was nicht. Mag er z.B. ein Getränk nicht mehr, so dreht er heftig den Kopf hin und her und macht seinen Mund nicht auf.  Ich habe den Eindruck, dass er sehr viel versteht. Er gibt keine Lautäußerungen von sich, allerdings kann er hörbar lachen. Es ist erkennbar, dass Ereignisse in der Umgebung das Interesse wecken, z.B. schaut er genau hin, was Betreuer und Betreute in der Gruppe tun. Passiert einem anderen ein Missgeschick, fällt z.B. etwas hin, so erregt dies seine Aufmerksamkeit. Meist amüsiert er sich darüber. Ist T. schlecht gelaunt, so zeigt sich dies deutlich an seinem finsteren Gesichtsausdruck, denn auf seiner Stirn bilden sich, besonders zwischen den Augenbrauen, tiefe Falten.

 

Kontaktverhalten

T. reagiert positiv auf Ansprache. Innerhalb der Wohngruppe und auch der Tagesstättengruppe ist er gut integriert und nimmt auch gerne die Angebote an. Da er auf der Wohngruppe über ein eigenes Zimmer verfügt, kann er sich bei Bedarf zurückziehen. Ansonsten kann er sich im Flur und in den Gemeinschaftsräumen aufhalten, um Anteil an seinem Umfeld zu nehmen. Sehr gerne  nimmt er aber auch an Aktivitäten teil,  die gruppenübergreifend angeboten werden, z.B. Weihnachtsfeier, Faschingsfeier, Sommerfest usw.. T. genießt besonders die jährliche Fahrt in die Freizeit mit den intensiven Kontakt zu den Betreuern, dem Aufenthalt in der frischen Luft und den gemeinsamen Unternehmungen.

 

Emotionen

Gute und schlechte Laune zeigt T. durch seine Mimik und seine Körperhaltung. Bei schlechter Gemütsverfassung zeigt sein Gesicht tiefe Falten. Will er etwas nicht, so dreht er ruckartig den Kopf zur Seite.

Passiert einem anderen Bewohner oder einem Betreuer ein Missgeschick, so ruft dies bei T. Schadenfreude hervor. Er grinst über das ganze Gesicht.

Weitere Gefühlsnuancen sind für mich schwer erkennbar. So mag er wohl  keine Puppen und Stofftiere in seinem Bett, denn er wirft sie hinaus.

 

Sexualität

T. zeigt unterschiedliche Reaktionen bei Männern und Frauen, bevorzugt männliche Betreuung und hat zur Zeit auf der Wohngruppe eine  intensivere Beziehung zu einem Zivildienstleistenden.  Inwieweit er sich als Mann bewusst erlebt, ist für mich nicht erkennbar.  Auch zeigt er in der Zeit seines Aufenthaltes in der Tagesstätte keine Anzeichen von Selbststimulation im Genitalbereich. Lediglich beim Duschen in der Wohngruppe spielt er öfter an den Genitalien.

 

Sensorischer Bereich

Im Bereich der taktil-kinästhetischen Wahrnehmung ist er aufgrund der Behinderung eingeschränkt. Es liegt eine zentrale Bewegungsstörung vor, mit einer beinbetonten Tetraspastik. So kann es zu plötzlichen ausfahrenden Bewegungen eines Beines kommen. Der rechte Arm und die Hand sind schlaff und werden meist in einer stereotypen Haltung gehalten. Versucht man diese zu ändern, so ruft dies Widerstand hervor. Seine Reaktion auf Berührung schwankt je nach Stimmungslage und Bezugsperson.  Die Bereitschaft sich mit taktilen Eigenschaften von Gegenständen auseinanderzusetzen ist gering (ist vielleicht nicht genügend angeregt worden). Ich glaube, dass T. über ein gewisses Körperbewusstsein und ein Bewusstsein der Körperhaltung  verfügt, denn er ist durchaus in der Lage beim Anziehen etwas mitzuhelfen, z.B. Arme in den Pulli stecken, Bein anheben und in die Hose schlüpfen. So  kann er sich ohne Hilfe im Bett alleine aufrichten und sich auf die Seite drehen.

Probleme hat T. mit dem Temperaturempfinden. Bis vor einiger Zeit hat er sich jede Nacht freigestrampelt und die Bettdecke aus dem Bett geschmissen.

 

Geruchsinn

Mir ist nicht bekannt, dass T. spezielle Gerüche bevorzugt, bzw. auf extreme Gerüche reagiert.

 

Geschmacksinn

T. genießt das Essen in der Tagesstätte. Dort wird ihm das Essen frisch zerkleinert und es wirkt appetitlicher und ist geschmacklich wahrscheinlich besser als das gemahlene Menü aus der Großküche. Er isst gerne Yoghurt und Fruchtmus.

 

Gehörsinn

T. reagiert auf seinen Namen und auf Ansprache. Geräusche die hinter seinem Rücken auftreten , veranlassen ihn sich so weit es geht, umzudrehen.  Er hört gerne Musik und freut sich daran. Dies zeigt sich in seiner Mimik und seiner Körperhaltung

 

Gesichtsinn

 T. ist in der Lage Blickkontakt herzustellen, den er jedoch meist nicht länger aufrechterhält. 

Aufgrund seiner persönlichen Biographie, mit mangelnder Frühförderung und langjährigem Aufenthalt in einem großen psychiatrischen Krankenhaus, sowie den eingeschränkten Möglichkeiten aufgrund der Behinderung, hat T. nur geringe Materialerfahrungen und zeigt  nur ein begrenztes Spielverhalten.

In der Regel benutzt er nur die linke Hand und ist dadurch schon im Ergreifen von Gegenständen eingeschränkt.  Er  kann größere Gegenstände, die auf dem Tisch liegen, mit dem Faustgriff ergreifen und auf den Boden werfen. Gibt man ihm Dinge in die Hand, z.B. Sandsäckchen, so läßt er sie gerne fallen. Dieses Spiel setzt er so lange fort, bis die Betreuer keine Lust mehr haben. Auch im Bällchenbad macht es ihm Spaß die Bälle nach draußen zu werfen.

 

 

T. genießt es auf dem Wasserbett zu liegen und mag besonders wenn man ihn in Schaukelbewegungen versetzt.

Er nimmt sehr gerne am wöchentlichen Singkreis in der Tagesstätte teil und manch­mal ist er bereit ein um das Handgelenk gebundenes Schellenband zu bewegen.

T. liegt gerne in der Badewanne, besonders wenn das Sprudelbad angeschaltet wird.

Er  zeigt Interesse an anderen Menschen und an seiner Umwelt. Trotz des fehlenden aktiven Sprachvermögens, versteht er sehr viel. Auf Ansprache reagiert er positiv und es hat sich gezeigt, dass sich seine psychische Befindlichkeit durch vermehrte Ansprache gebessert hat.

Das Snoezelen ist für ihn eine gute Möglichkeit der Entspannung. Er kann neue Dinge kennenlernen und es bieten sich Möglichkeiten der Aktivierung.

 

 

 

Ziele

T. soll die  Fähigkeit zum Erfahren der eigenen Person erweitern und zur Weiterentwicklung eines positiven Lebensgefühls gelangen

! T. soll die bisherigen Körpererfahrungen erweitern.

      • taktile Erfahrungen durch Berührung und neue Materialien,  

                   taktil-kinästhetische Erfahrungen durch Bewegung, Bällchenbad und Wasserbett, Whirlpool

      • vibratorische, vestibuläre Erfahrungen durch das Musikwasserbett und

        Schaukel

!     T. soll die Fähigkeit zu eigenen Aktivitäten entwickeln und diese erleben.

      • Hilfe zur Aktivierung an sich geschehen lassen und sie unterstützen

          • Umweltreize und Anregungen beantworten z.B. Temperatur, Geräusche und Gerü­che empfinden

      • durch eigene Bewegung etwas bewirken

!     T. soll emotionale Spannung und Entspannung erfahren

      • sich in verschiedenen Situationen wohl-/ nicht wohl fühlen

      • Stimmungen und Gefühlsregungen erleben

!  T. soll lernen, seine eigenen Bedürfnisse,  Wünsche und Vorlieben noch besser

      wahrzunehmen und diese besser mitzuteilen (mit seinen Möglichkeiten)

 

Perspektivisch gesehen, soll er diese Fähigkeiten in seinem gesamten Lebensumfeld (Wohngruppe und Tagesstätte) anwenden lernen.

 

 

 

 

 

 

Beschreibung des Snoezelraumes in unserer Einrichtung

 

Betritt man den Raum vom Flur aus, so ist der Boden in der linken Ecke bis zur Säule mit unterschiedlichen Belägen ausgelegt. Diese dienen als Tastmaterialien. Es sind ca. 40 x 40 cm große Platten aus Kork, Filz, weichem Teppichboden und verschiedenen PVC-Belägen. Von der Säule ausgehend bis zur Wand hängen Girlanden von der Decke. Sie wurden aus Materialien wie CD’s, bunten Yoghurtbechern, leeren Obstnetzen, Wattekugeln und bunten Topfkratzern selbst angefertigt. Die hintere Hälfte der linken Seite ist bis zur Fensterfront mit einer weißen abwaschbaren Polsterlandschaft ausgestattet. Vor dem Mauervorsprung befinden sich zwei Blubbersäulen, die in die Landschaft eingebaut sind. Diese Blubbersäulen werden von unten beleuchtet und sind mit drehbaren Farbscheiben versehen, so dass sich die Farbe der in den Säulen enthaltenen Flüssigkeit verändert. Hinter den Blubbersäulen, an der Wand, sind  mehrere Spiegel angebracht. Um das Liegen auf den Polstern angenehmer zu machen, liegen viele farbige Decken und Kissen bereit.

Die breite Fensterfront läßt sich außen mit Jalousien und innen mit einem weißen Rollo verdunkeln.

Von der Eingangstür aus gesehen auf der rechten Seite befindet sich ein Gestell mit einer Hängematte. Zwischen den beiden nach rechts in die Sanitärräume führenden Türen (sie sind abgeschlossen) steht ein Schrankelement mit den technischen Geräten wie Tuner, Cd- Player, CD’s sowie weiteren Utensilien zur Pflege, Bettwäsche, Duftöle für die Geruchswahrnehmung usw. In einer Kiste werden Spieluhren, Kuscheltiere, verschiedene kleine Bälle, Federn, Massagestab und Vibrationskissen aufbewahrt.

In der hinteren rechten Ecke steht das große Musikwasserbett. Gegen den Raum ist das Bett mit weißen Vorhängen abgeschirmt.

An der Decke ist eine Schienenkonstruktion angebracht, an der Strahler zur allgemeinen Ausleuchtung des Raumes montiert sind. In der Mitte des Raumes ist ein Schaukelsitz aus Metallrohren mit Polsterauflage aufgehängt.

Über der Polsterlandschaft ist in der Mitte eine Discokugel befestigt. Sie wird von einem Strahler angeleuchtet, der neben dem Wasserbett in etwa 2 Meter Höhe angebracht ist. Vor diesem Strahler bewegt sich eine runde Farbscheibe, die in vier Farbfelder (rot, blau, gelb, grün) aufgeteilt ist. Durch das Anstrahlen der Discokugel entstehen an den weißen Wänden unterschiedlich große Kreise die ihre Farbe wechseln. Zusätzlich kann die Discokugel zum Drehen gebracht werden, so dass die Kreise im Raum umherwandern.  Die wandernden Farbflecken bringen allerdings viel Unruhe und können nicht von jedem vertragen werden.

Auf dem Schrank an der rechten Seite des Raumes steht ein Projektionsgerät. Bei diesem können Scheiben mit unterschiedlichen Motiven eingelegt werden. So können auf die Wände  z.B. Wolken projiziert werden.

Im Raum befinden sich noch Bretter mit unterschiedlichen Tastmaterialen, eine Tastkiste und ein Gestell mit Klangmaterialen. Diese Dinge wurden in Eigenarbeit von Mitarbeitern erstellt.

 

 

 

Angebote

 

Seit November machte ich T. ein wöchentliches Angebot im Snoezelraum.

Unterbrochen wurde dies durch die Weihnachtsferien von Ende Dezember bis Mitte Januar. Im Februar bot ich nach Möglichkeit zweimal wöchentlich eine Aktivität an.

Bei den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten in unserem Snoezelraum, habe ich diejenigen herausgesucht, die ich für T. für besonders förderlich hielt. Dabei wird der Schwerpunkt auf jeweils einen Sinn gelegt, in dem Bewusstsein, das dieser nie isoliert betrachtet werden kann.

Bei der folgenden Beschreibung der Angebote wird auch das Ganzheitliche der Förderung deutlich, denn bei den Angeboten werden Körper- und Materialerfahrungen gemacht,  sowie emotional soziale Beziehungen entwickelt.

Manche Angebote sind an ein besonderes Medium, z.B. Wasserbett, gebunden und werden deshalb separat beschrieben.

 

Vor dem Angebot wird der Snoezelraum gelüftet. Da er nicht ständig benutzt wird, ist die Luft nicht immer so gut. Zum Snoezelen werden die Jalousien und die Rollos geschlossen. Nach Bedarf werden die Beleuchtung, die Blubbersäulen und die  Farbscheibe eingeschaltet.  Die Musik wird ausgesucht und die CD eingelegt. Zum Liegen auf dem Wasserbett wird noch eine zusätzliche Unterlage ausgebreitet. Zum  Liegen oder Sitzen auf der Polsterlandschaft werden eine Decke untergelegt und Kissen  bereitgelegt.

Nach der Benutzung des Snoezelraumes wird er wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. Alle technischen Geräte und das Licht werden ausgeschaltet. Jeder Mitarbeiter ist angehalten, den Raum in ordentlichem Zustand zu hinterlassen.

 

 

Angebote zu Körper- und Materialerfahrungen

Im November hatte ich Blätter gesammelt, zum Trocknen ausgelegt und dann in einer Plastikwanne aufbewahrt. Durch das Trocknen wurden die Blätter wellig und zerbröselten beim Anfassen. T. saß im Fersensitz auf den Polstern im Snoezelraum. Ich stellte die Wanne mit den trockenen Blättern vor T. hin und wartete auf eine Reaktion von ihm. T. blickte umher, sah mich an, blickte auf die Blätter in der Plastikwanne und tat nichts. Ich beobachtete ihn und tat gar nichts. Nach längerer Zeit (vielleicht zehn Minuten) kippte ich die Wanne auf die Seite, so dass eine Teil der  Blätter herausfiel und auf den Polstern lag. Doch T. griff auch jetzt nicht nach den Blättern. Er saß einfach da und guckte umher, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Nachdem von T. keine Aktivität ausging, wollte ich ihn dazu animieren. Ich griff in die Blätter, raschelte darin, nahm einige in die Hand und zerbröselte sie auf den Polstern. T. sah mir zu, zeigte aber von sich aus keine Bewegung. Da dies eines der ersten Angebote war, wollte ich zunächst einmal beobachten wie T. sich verhält. Vielleicht hätte ich ihm die Dinge aktiver näher bringen müssen, vielleicht war dieses “Material” ihm zu fremd und es machte ihn ängstlich.

 

Zur taktilen Wahrnehmung habe ich einige Materialien besorgt, um T. zu stimulieren. Es waren einige Schwämme: Spülschwamm, dünne und dicke Putzschwämme,  Topfkratzer aus Plastik, Kratzer aus Metall. Verschieden Bürsten: Nagelbürste, Scheuerbürste, verschiedene Pinsel. Es sollten harte und weiche, rauhe und glatte Materialien erfahren werden.

T. wurde auf die Polsterlandschaft gesetzt. Ich legte die Sachen vor ihn. Sofort griff er danach und fing an die Dinge zu ergreifen und sie aus seiner Umgebung zu entfernen. Er wollte sie von den Polstern herunterwerfen. Da er nicht gezielt werfen kann, gelang dies nicht so, wie er es gerne wollte. Er ließ jedoch nicht davon ab, bis alles aus seiner Reichweite verschwunden war. Ich hatte den Eindruck, dass ihn diese Situation in Aufregung versetzte.

So ließ ich ihm zunächst einmal etwas Zeit, sich zu beruhigen. Dann nahm ich einen der Schwämme, gab ihm diesen in die Hand und drückte gleichzeitig mit meiner Hand seine geschlossene Hand mit sanftem Druck. Ich wollte, dass er einmal in Ruhe das Material wahrnimmt und erspürt. Genauso machte ich es mit der anderen Hand.  Er ließ es geschehen, doch sobald ich seine Hand losließ, warf er den Schwamm zur Seite. Diese taktilen Erfahrungen wollte ich bei ihm spielerisch erweitern. Nach einem weichen Schwamm nahm ich jetzt einen mit einer rauen Oberfläche. Ich ließ ihn wieder greifen und spüren, indem ich mit meinen Händen seine Hand zusammendrückte.

Ich strich mit dem Schwamm über die Hände und die Unterarme.

Dann zog ich ihm die Socken aus und streifte die Jogginghose bis zum Knie hoch. Seine Beine und Füße berührte ich mit unterschiedlichen Materialien, strich sanft von den Unterschenkeln bis zu den Zehen und umgekehrt oder drückte das Material punktuell an verschiedenen Stellen auf. Nach den unterschiedlichen Schwämmen konfrontierte ich ihn noch mit den rauen Borsten einer  Scheuerbürste und den weichen Haaren eines  kleinen Besens. Damit wollte ich es für den Anfang mit den neuen Materialien bewenden lassen, denn ich merkte, dass er nicht alle Materialien  bereitwillig zuließ. Sein Gesicht wirkte angespannt, zwischen den Augenbrauen bildete sich eine Furche und die Mundwinkel waren nach unten gezogen. So begrenzte ich das Angebot auf etwa fünf bis zehn Minuten. Da T. die ganze Zeit gesessen hatte, ermutigte ich ihn, sich entspannt hinzulegen und die Musik zu hören. Auf die Berührung meiner Hände hatte er schon öfters positiv reagiert. So fing ich an ihn mit meinen  Händen zu berühren, übte an einer Stelle einen sanften Druck aus, verharrte einige Zeit dabei und wiederholte dies an einer anderen Stelle. Dabei ging ich wie in der basalen Stimulation vor, von den (rumpfnahen) Oberarmen bis zu den Händen. Ich berührte die einzelnen Finger, bewegte die Fingerglieder, drehte sie im Gelenk und ließ ihm Zeit zum Nachspüren. T. lag entspannt auf seinem Kissen und schien die Situation zu genießen. Sein Gesicht wirkte entspannt, er sah mich immer wieder an und lachte. Sein Lachen ist nicht eigentlich hörbar, sondern erinnert an eine vertiefte Ausatmung und äußert sich in einer veränderten Muskelspannung um den Mund.

Nach den Armen berührte ich auch die Unterschenkel und Füße mit Druck. Besonders intensiv massierte ich seine Fußsohlen. Er ließ dies geschehen und es tat ihm offensichtlich gut, denn einige Male atmete er hörbar tief aus. Ich hatte das Gefühl einer stimmigen Kommunikation. 

 

Entspannung auf dem Musikwasserbett

Das Musikwasserbett ist ein 2,5m x 2,5m großes Bett, dass mit einer Wassermatratze ausgestattet ist. Das Wasser wird auf einer konstanten Temperatur gehalten, so dass man immer eine angenehm warme Unterlage hat. Über der Matratze befindet sich eine Abdeckplane, die alle Bewegungen mitmacht. Zusätzlich wird das Bett mit einem großen Spannbetttuch bezogen, damit man auf einer angenehmen Unterlage liegt.  Die Matratze hat einen stabilen Unterbau aus Holz, in den auch die Lautsprecher der Musikanlage eingebaut sind, um die vibratorischen Schwingungen zu übertragen.

T. liegt gerne auf dem Wasserbett. Es ist ihm nicht unbekannt, denn auch in der Wohngruppe gibt es einen kleinen Snoezelraum. Von dort hatte ich auch die Mitteilung, dass er das Musikwasserbett liebt. Also gab ich ihm am Anfang oft die  Gelegenheit dieser Entspannung.

Wenn T. auf das Wasserbett gelegt wird, bringt er sich sofort in eine embryonale Haltung. Das rechte Bein beugt er im Kniegelenk und schiebt den Fuß bis unter den Po. Das linke Bein kann er bis fast an den Brustkorb hochziehen und über den Bauch legen. Die Arme legt er vor die Brust und die linke Hand umschließt die rechte. Der Kopf  liegt auf kleinen Kissen. So kann T. eine ganze Zeit lang liegen. Ich lege mich neben T. auf das Wasserbett und bewege mich etwas hin und her, damit kleine Wellenbewegungen entstehen und T. sanft geschaukelt wird. Das gefällt ihm sehr gut und er lacht, denn auf seinem Gesicht zeigen sich kleine Lachfalten. So kann er längere Zeit liegen und genießen, denn das Wasserbett ist angenehm warm. Eine Decke lehnt er meist ab und tritt sie weg. Auch ein Schmusetier schmeißt er  von sich. Wiederholt wendet er mir den Kopf zu, schaut mich an und lacht.

Angenehm auf dem Musikwasserbett ist auch die Vibration, die durch die Lautsprecher unter dem Bett hervorgerufen wird. Diese Schwingungen, die besonders bei tiefen Tönen entstehen, erinnern wohl an die ersten vibratorischen Erfahrungen des ungeborenen Kindes. Ich habe sie als angenehm empfunden und denke, dass auch T. sie ebenso wahrnimmt.

Auf dem Wasserbett gelingt es, einen näheren Körperkontakt herzustellen. Brauchte ich am Anfang der Snoezelangebote selbst noch etwas Distanz, so konnte ich nach und nach mehr Nähe zulassen und anbieten, da ich merkte, dass T. die Situation positiv aufnahm. Er lächelte, sah mich immer wieder an. Ich konnte seine Hände streicheln und drücken. Dies tat ich spielerisch, indem ich zunächst meine Arme vor seinem Blickfeld in der Luft ausstreckte und beobachtete, ob er diesen “Objekten” mit seinem Blick folgte. Abwechselnd ballte ich meine Hände zu Fäusten und spreizte dann wieder die Finger. Ich ließ meine Arme und Hände in der Luft tanzen, um seine Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Dann kamen meine Hände immer näher und berührten schließlich seine Hände auf dem Handrücken. Zunächst sanft, dann ein bisschen intensiver. Ich hielt meine Hand hin, um zu sehen, was er machen würde. Zu meiner Überraschung griff er mit seiner aktiven linken Hand nach meiner Hand und drückte sie.  Dies war eine Aktivität, die von ihm ausging, Ich hatte ihn zwar animiert, aber letztendlich war es seine Entscheidung diesen Kontakt zu erwidern.

Diese Situationen sind schwer zu beschreiben, denn man geht nicht nach Lehrbuch oder Plan vor, sondern intuitiv.

Bei einem weiteren Aufenthalt auf dem Wasserbett, legte T. sich wieder in seine embryonale Haltung. Ich legte mich neben ihn. Er drehte den Kopf in meine Richtung und legte sein Gesicht an meinen Oberarm und meine Schulter. So blieb er die ganze Zeit (45 - 60 min) liegen und döste vor sich hin.

 

 

Bällchenbad

Das Bällchenbad trägt zu taktilen Erfahrungen am ganzen Körpers bei. Je nach Bewegung werden die Körperteile unterschiedlich stimuliert. Die kleinen Bälle wirken als Druckpunkte und lassen die Körperteile erspüren. Je nach Bewegung sinkt man unterschiedlich tief in die Masse der Bälle ein und ist gezwungen sich zu bewegen.  Die bunten Farben der Bälle bieten einen visuellen Anreiz und laden zum Spielen ein.

Das Bällchenbad in unserer Einrichtung befindet sich in einem eigenen ca. 14 qm großen Raum.  Ein etwa 2 mal 2 Meter großer und ca. 50cm hoher Holzrahmen (Mit abgerundeten Kanten) ist mit vielen bunten Bällen gefüllt.

Ich erkläre T., dass ich ihm gerne das Liegen im Bällchenbad anbieten möchte. Mit dem Rollstuhl fahre ich ihn in den Raum und setze ihn mit Hilfe eines Mitarbeiters in die Bälle. Ich steige ebenfalls in das Bällchenbad und setze mich neben T, aber so, dass ich ihn anschauen kann. T. ist ziemlich in den Bällen eingesunken. Einige Bälle liegen zu dicht an seinem Hals und vor seinem Gesicht und behindern ihn. Er versucht sie wegzuwerfen oder zumindest zur Seite zu schieben. Er will Bälle über den Rand des Bällchenbades nach außen werfen, doch gelingt ihm dies nicht, da er den Arm zum Werfen nicht genügend anheben kann.

T. liegt ziemlich still und guckt vor sich hin. Die Unterlippe ist vorgeschoben. Sein Blick ist schwer zu deuten. Einige Zeit liegen wir so nebeneinander. Doch dann möchte ich ihm noch einige Anreize geben und fange an, meine Beine zu bewegen, so dass die Bälle in Bewegung kommen. Das scheint T. zu gefallen, denn er lacht. Insgesamt verhält sich T. eher zurückhaltend, wobei ich den Eindruck habe, dass er nicht so genau weiß, ob es ihm gefällt oder nicht.

 

Whirlpool

Der Whirlpool bietet durch das Liegen im warmen Wasser die Möglichkeit zur Entspannung. Bewegungen fallen leichter und der ganze Körper fühlt sich leichter. Der angenehm massierende Wasserstrahl fördert,  zusammen mit dem warmen Wasser, die Hautdurchblutung. Gleichzeitig erzeugen die Wasserstrudel am Körper feine vibratorische Schwingungen die angenehm stimulieren. 

 

Der Whirlpool befindet sich in dem ca. 20qm großen Bad im Erdgeschoss der Tagesstätte. Die Ecke, in der die große Wanne steht, ist in dem sonst nüchternen Bad etwas gemütlicher ausgestattet. Die Decke ist mit einem Fischernetz, in  dem Fische und sonstige Strandutensilien liegen, abgehängt. An der Decke sind Strahler angebracht, die für eine angenehme Ausleuchtung des Badebereiches sorgen. Die weiß gekachelten Wände sind mit bunten Fischen und sonstigen Schwimmtieren beklebt. Der Badebereich kann mit zwei spanischen Wänden vom übrigen Raum abgeschirmt werden.

Vorbereitung:

Der Raum wird gelüftet und anschließend die Heizung höhergestellt. Die Wanne wird mit körperwarmem Wasser gefüllt. Das Wasser muß die Düsen, die rundum in der Wanne angebracht sind, bedecken. Badelaken, frische Wäsche und Windeln für T. werden bereitlegt. Es wird eine CD mit entspannender Musik in den CD-Player eingelegt und die Musikanlage auf eine angenehme Lautstärke eingestellt. Die Fenster werden etwas abgedunkelt und die Strahler eingeschaltet.

T. wird mit Hilfe eines Mitarbeiters aus dem Rollstuhl auf das im Raum befindliche Krankenbett gelegt und entkleidet. Von dort wird er in die Wanne gehoben. Vorher habe ich die Wassertemperatur mit einem Thermometer kontrolliert. Der Mitarbeiter bleibt aus Sicherheitsgründen mit im Raum. Außerdem muß T. gehalten werden, da die Wanne recht groß ist und keine Vorrichtungen für Behinderte enthält.

Zunächst wirkte T. etwas mürrisch auf mich, denn er schob die Unterlippe vor und hatte eine tiefe Furche zwischen den Augenbrauen. Doch als er dann ins Wasser gesetzt wurde, hellte sich sein Gesicht auf und er lachte. Er saß da , ließ den Kopf nach unten fallen und es sah aus, als wäre er in Meditation versunken. Dabei bewegte sich seine Mundpartie zu einem Lächeln. Ich versuchte ihn etwas vor den Strahlen der Wasserdüse hin und her zu bewegen. Das schien ihm zu gefallen. Er rutschte tiefer ins Wasser und ich stützte ihn unter dem Kopf und einem Arm. So lag T. die meiste Zeit ganz entspannt. Schwimmtiere oder kleine Bälle, die wir ins Wasser warfen, ergriff er und warf sie wieder hinaus. Eine zeitlang lag er ausgestreckt im Wasser, und ich bewegte Füße und Beine ganz sanft vor dem Wasserstrahl. Dann hob er das linke Bein und legte es an den Körper, er brachte sich  in seine embryonale Haltung. Gemeinsam hoben wir T. aus dem Wasser auf das Bett und wickelten ihn in Badelaken. Beim Abtrocknen half er mit, indem er Arme und Beine ausstreckte. Ich cremte ihn mit Körperlotion ein, wickelte ihn und zog ihn wieder an. Gemeinsam setzten wir ihn in seinen Rollstuhl und ich brachte ihn wieder in den Gruppenraum. Ich erledigte alle Aufräumarbeiten und rief in der Wohngruppe an, um von der Aktivität mit T. zu berichten. Gleichzeitig bat ich die Betreuerin mir am anderen Tag zu berichten wie T. das Bad vertragen hatte und wie der  restliche Tag verlaufen war. Die Rückmeldung war positiv, denn T. war den ganzen Tag guter Dinge und hatte in der Nacht gut geschlafen.

 

Auditive Erfahrungen

Dazu hatte ich verschiedene Instrumente zur Klangerzeugung bereitgelegt. Triangel, Tamburin, Rasselei, Becken und eine selbstgebastelte Rasseldose (Cappuccinodose  gefüllt mit Bohnen, beklebt mit buntem Isolierband)  T. wurde auf eine Decke auf die Polsterlandschaft gesetzt. Er war an diesem Tag guter Laune, denn schon bei seiner Ankunft in der Tagesstätte strahlte er über das ganze Gesicht. Ich gab T. das Tamburin in die Hand. Er griff danach, so gut es ging und warf es dann wieder weg. Da das Tamburin rundherum mit Schellen besetzt ist, gab es ein schepperndes Geräusch. Dieses Geräusch schien T. zu motivieren. Er bewegte sich auf seiner Decke soweit, dass er das Instrument erreichen konnte um es wieder zu ergreifen. Ich half ihm dabei. Dann hielt ich T. einen Schläger hin, um das Tamburin anzuschlagen. Doch diesen warf er sofort weg, nach seinem üblichen Schemata alles weg oder hinunter zu werfen. Nachdem er einige Male das Tamburin ergriffen hatte, schaffte er es, es von den Polstern hinunter zu werfen. Das Geräusch des scheppernden Tamburins schien ihm zu gefallen, denn T. lachte schallend. So vergnügt hatte ich ihn bisher noch nicht erlebt. Ich gab ihm die Rasseldose in die Hand, half ihm die Dose mit der Hand richtig zu umfassen und machte leichte Schüttelbewegungen, so dass ein rasselndes Geräusch zu hören war. T. nahm die Dose, die leider einen etwas zu großen Durchmesser hat, und warf sie wieder von sich. Die Dose fiel rasselnd auf die Polster hinter ihm, denn T. kann nicht zielgerichtet werfen. T. war an diesem Tag sehr aktiv und bewegte sich so auf seiner Decke, dass er die Rasseldose erreichte und nach ihr griff. Das war für ihn etwas beschwerlich, aber er gab nicht auf. Die Dose fiel wieder rasselnd hin und drehte sich dabei. Ich ergriff die Dose und rollte sie quer über die Polster. Sie rollte über den Rand und fiel rasselnd und scheppernd auf den Boden des Snoezelraumens. T.  war begeistert, denn er lachte laut und vergnügt. Ich rollte die Dose wieder zurück, damit er sie wieder ergreifen konnte. Dieses Spiel setzten wir noch eine Weile fort.

 

 

Geruchserfahrungen

Ich wollte T. auch verschiedene Geruchserfahrungen machen lassen. Dazu hatte ich ein Repertoire zusammengestellt: Essigessenz, Spiritus, Nagellackentferner, Instantgemüsebrühe, Duschbad “Limette”, Nelken (Gewürz) verschiedene ätherische Öle: Lavendel, Thymian, Rosmarin, Melisse und Pfefferminzöl.

Als ich ihm zum ersten Mal die verschiedenen Gerüche anbot, drehte T. immer ruckartig seinen Kopf zur Seite. Daraus schloss ich, dass T. diese Dinge  ablehnte. Bei diesem Angebot stand ich selbst durch andere Aktivitäten unter Zeitdruck. Ich konnte T. nicht genügend Zeit einräumen sich in Ruhe auf das Angebot einzustimmen.

Beim nächsten Mal ließ ich ihm Zeit, erst die Atmosphäre im Raum und die Ruhe zu genießen. T. lag auf den Polstern im Snoezel-Raum, den Kopf auf ein Kissen gebettet. Ich legte mich ruhig neben ihn und versuchte mich zu entspannen. So lagen wir eine ganze Zeit nebeneinander.

Ich bot T. die Möglichkeit zu Körperkontakt an, indem ich meine Hand auf seine Schulter legte. T. lächelte und ich nahm dies als Zeichen, dass er diese Berührung als angenehm empfand. Ich strich mit meinen Händen über seine Arme und Hände. T. lag ruhig da und wirkte recht zufrieden auf mich.

Doch plötzlich schlug seine Stimmung um, denn er holte mit der beweglicheren linken Hand aus und traf meinen Kopf. Dies war ein beabsichtigter Schlag, denn er machte es ein zweites Mal. Er wurde auch unruhig, drehte Oberkörper und Kopf hin und her,  rotierte mit dem Arm in der Luft und fuhr sich mit der Hand hektisch durch das Gesicht. Ich rückte etwas von ihm ab, ging auf Distanz  und sprach beruhigend auf ihn ein. So saß ich eine ganze Zeit da. T. beruhigte sich wieder und lag mit geschlossenen Augen da.

Ich fragte mich, wieso T. plötzlich so reagierte. Der Stimmungswechsel kam für mich plötzlich, oder hatte ich Anzeichen nicht wahrgenommen? War ihm diese Nähe zu viel? Auf jeden Fall ist T. in der Lage zu zeigen, wenn er etwas nicht möchte.

T. schlug die Augen wieder auf und nahm auch Blickkontakt auf. So wollte ich trotz seines vorherigen Widerstandes die Beziehung wieder aufnehmen und ihm einige wenige Gerüche anbieten. Ich probierte das Duschmittel, Lavendelöl, Melissenöl, Nelken, Instantgemüsebrühe und Spiritus aus. Ich hielt ihm die Gerüche vorsichtig unter die Nase und beobachtete ihn. Er reagierte eher negativ und wandte den Kopf zur Seite. Lediglich Spiritus schien ihm zu gefallen, denn er verweilte länger bei diesem Geruch.

Ob T.s Verhalten an der Art der Gerüche lag (zu extreme Gerüche) oder an der mangelnden oder neuen Erfahrung im Umgang mit Gerüchen kann ich nicht beurteilen. Sicher wäre es sinnvoll diese Erfahrungen in seine Lebenswelt einfließen zu lassen.


Reflexion

 

Äußere Gegebenheiten

Der Snoezelraum wird von allen Gruppen der Tagesstätte und auch von anderen Bewohnern der Heilpädagogischen Einrichtung genutzt. Dadurch war es schwierig, den Raum im erforderlichen Zeitumfang nutzen zu können.

Wegen meiner wöchentlichen Schulbesuche und der Praktikumstätigkeit im Umfang einer Halbtagsstelle, stand mir nur wenig Zeit zum Disponieren zur Verfügung.

Durch widrige Umstände in der Wohngruppe, z.B. Rollstuhl defekt, war T. nicht immer regelmäßig in der Tagesstätte und ich konnte die Arbeit mit ihm nicht so kontinuierlich durchführen wie ich es mir gewünscht hätte..

 

Durchführung

Am Anfang fiel es mir nicht leicht, mich auf T. einzulassen. So war mir der intensive Kontakt zunächst ungewohnt. Außerdem machte mir der Druck, diese Facharbeit anzufertigen, es schwer die notwendige Gelassenheit aufzubringen.

T. hat von den Angeboten am stärksten auf die taktil und taktilkinästhetischen Reize  durch Berührung, Bewegung  und  Druck positiv reagiert. Beim Berühren und Bewegen der Arme, Hände, Beine und Füße konnte er sich entspannt hinlegen und die Situation genießen. Ich merkte ihm das Wohlbefinden an seinem zufriedenen Gesichtsausdruck an.

 Ein “Begreifen” der Materialien mit den Händen stellt für T.eine Schwierigkeit dar, weil er das, was er fasst, zu schnell wegwirft oder fallenlässt. Doch macht ihm dieses Schemata des Fallenlassen Spaß und es kann sich ein Spiel entwickeln z.B.T. wirft einen Gegenstand zu Boden, Betreuer hebt auf usw. Der erste Schritt, das Aufmerken (Modalitatsstufe nach Affolter) ist ein Entwicklungsschritt auf den aufgebaut werden kann. So zeigte sich T. beim Umgang mit den Klanginstrumenten besonders aktiv. Er griff  immer wieder nach den Instrumenten, ließ sie fallen, bewegte sich dann soweit, dass er sie wieder ergreifen konnte. Die Geräusche scheinen ihn dabei besonders anzuregen.

Einen durch den Betreuer spielerisch vermittelten passiven Kontakt mit Materialien lässt T. zu.

T. hat gelernt, sich auf Dinge zuzubewegen, in dem er auf den Knien und Unterschenkeln rutscht, um sie zu ergreifen. Auch weiterhin sollte er angeregt werden, eigene Aktivitäten zu entwickeln und erleben, dass er durch Bewegung etwas bewirken kann.

Das Liegen auf dem Wasserbett war für T. eine bekannte positive Erfahrung und er konnte sich dabei meist gut entspannen.  Diese Form der vestibulären Stimulation gefällt ihm gut, während er in der Schaukel ziemlich unruhig wurde, sich ständig mit dem Oberkörper hin und her bewegte und den Kopf von rechts nach links und umgekehrt warf. Er reagierte nicht positiv, so dass wir ihn wieder aufs Wasserbett legten. Vielleicht hat die starke Schaukelbewegung bei T. Schwindelgefühle hervorgerufen.

Das Bad im Whirlpool bietet mit Wasser, Wärme und dem angenehmen Sprudeln auf der Haut eine gute Möglichkeit der Entspannung und Stimulation. Darauf hat T. gut angesprochen.

Auf Geruchsreize reagierte T. weitgehend abwehrend. Das könnte entweder an der  Intensität der Gerüche oder auch an seinem persönlichen Befinden an diesem Tag gelegen haben. Trotzdem sollte man T. weiterhin vorsichtig mit neuen Gerüchen konfrontieren. Jedenfalls hat T. es schon gelernt, seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen.

Seine Zustimmung, Gefühle und Bedürfnisse kann er nonverbal äußern und über Blickkontakt mit mir kommunizieren. Spaß und Freude haben sich gezeigt im lauten Lachen, Schmunzeln, im Zuwenden des Gesichtes und im erwidern einer Berührung der Hände. Seinen Unwillen zeigte er mit Mimik und Gestik, z.B. schlug er nach mir.

Um T. bei der Erfahrung seiner eigenen Person zu unterstützen sollte auch in Zukunft regelmäßig versucht werden ihn über Körperkontakt anzusprechen und sein Wohlbefinden durch Whirlpool  und Musikwasserbett  zu fördern.

Meine Erfahrungen mit T. werde ich auch den Betreuern in der Wohngruppe im Rahmen einer Gruppenbesprechung mitteilen, damit sie aufgegriffen und erweitert werden. So soll eine Kontinuität erreicht werden und eine Übertragung in den Alltag erfolgen.

 

Ganz persönlich möchte ich noch anfügen, dass mir die Arbeit mit T. viel Spaß gemacht hat und dass eine tiefere Beziehung zwischen uns entstanden ist. Ich habe viel dazugelernt.  


Verwendete Literatur

 

Jean Ayres,

Bausteine der kindlichen Entwicklung,

Springer, Berlin 1998

 

A. Fröhlich, (Hrsg.)

Wahrnehmungsstörungen und Wahrnehmungsförderung,

Edition Schindele, Heidelberg 1996

 

A. Fröhlich,

Basale Stimulation,

Selbstbestimmtes Leben, Düsseldorf 1991

 

Andrea Gerling,

Snoezelen als Ansatz zur Förderung Schwerstgeistigbehinderter.

unveröffentlichte Diplomarbeit, Marburg 1989

 

Hulsegge/Verheul,

Snoezelen - eine andere Welt,

Bundesvereinigung Lebenshilfe, Marburg 1998

 

C.Kauschus-Nazarius,

Snoezelen- mit allen Sinnen leben lernen,

Artikel in Geistige Behinderung 3/1989

 

Winfried Mall,

Kommunikation mit schwer geistig behinderten Menschen,

Schindele, Heidelberg 1998

 

Winfried Mall,

Sensomotorische Lebensweisen,

Schindele, Heidelberg  1997

 

 

G. Theunissen,

Heilpädagogik im Umbruch,

Lambertus, Freiburg 1993

 

R. Zimmer,

Handbuch der Sinneswahrnehmung

Herder, Freiburg 1995