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Facharbeit

Das

Hyperkinetische Syndrom

 

 

Ein Fallbeispiel mit Möglichkeiten eines therapeutischen Ansatzes

 

   

 

 

Tobias Emmel

Ringstraße 11

65623 Hahnstätten

 

Marienschule Fachschule für Heilpädagogik

5. Semester  März 1999

 

 

Inhaltsangabe

I.     Einleitung.. 3

II.  Das Hyperkinetische Syndrom... 4

1. Klassifikation. 4

2. Merkmale und Erscheinungsformen von Hyper-  aktivität 6

1.     Säuglingsalter 6

2.     Kleinkindalter 6

2. Schulalter 7

3.     Adoleszentalter 8

4.     Erwachsenenalter 9

5.     Zusammenfassung. 9

3. Wahrnehmungsstörungen wichtige Merkmale des   Hyperkinetischen Syndroms. 10

1.     Die Wichtigsten Wahrnehmungsstörungen 10

5. Ursachen (Hypothese) des Krankheitsbildes. 12

1.   Erziehung / Umwelt 13

2.     Vererbung (genetisch) 13

3.     Hirnorganisch. 13

4.     Neurochemisch. 13

5.     Ernärung. 14

IV.     Therapieformen bei Hyperkinetischem  Syndrom... 14

1.    Erziehung. 14

2.    Programme zur Verbesserung der psychomotorischen Koordination, der sensomotorischen Integration und zum Abbau der verschiedenen Wahrnehmungsstörungen (Psychomotorik, Ergotherapie, Frostig-Programme) 15

3.    Festhaltetherapie - Jirina Prekop 16

4.    Psychologische und pädagogische Beratung. 17

5.    Diät 17

6.    Spieltherapie. 18

7.    Medikamentöse Thearpie. 18

1.     Welche Medikamente gibt es , bzw.  welche werden verschrieben?. 19

8.    Interventionsmodelle nach Krowatschek. 21

1.     Das Marburger Konzentrationstrainig. 21

2.     Das Marburger Verhaltenstraining für überaktive kinder 24

III. Diagnostik / ist-zustand.. 26

1. Persönliche Daten. 26

2. Anlaß bzw. Grund der Förderung. 26

3. Familiensituation. 27

4. Anamnese. 28

5. Diagnose. 29

6. Beschreibung des Kindes, wie es von den Eltern bzw. von anderen   Bezugspersonen gesehen wird. 29

7. Medizinische und Psychologische Diagnostik. 29

8. Beobachtetes Verhalten vor den Interventionen. 31

9.    Mögliche Ursachen (zielanalyse) 33

1.     Zielformulierung. 35

10.      Pädagogische Umsetzung der Angestrebten Ziele. 35

11.      Beobachtetes Verhalten nach den Interventionen. 36

12.      Mögliche Ursachen (zielanalyse) 38

V.    Reflexion. 38

VI.       Literaturangabe. 40

 

 

Eigentlich wollte ich mich in meiner Facharbeit einem für mich neuem Thema widmen, der Sprachentwicklungsstörungen. Bei Sandro hat man Dysgrammatismus und Lautwortstammeln diagnostiziert. Doch im Laufe meiner täglichen Arbeit mit dem Jungen stellte sich eine andere derzeit weitaus schwierigere Beeinträchtigung heraus. Es bestand der Verdacht eines Hyperkinetischnen Syndroms.

Ist Hyperaktivität zu einer Modekrankheit geworden?

Hyperaktivität scheint in der Pädagogik, Psychologie und in manchen Teilen der Pädiatrie zum Hauptproblem des ausgehenden 20. Jahrhunderts zu werden. Überall wird davon geredet, heftige Richtungs- und Fachkämpfe ausgefochten und auch die Medien tun das Ihre dazu, um durch Mischung von gut recherchierten Sendungen und Sensationsshows ohne sachlichen Hintergrund noch mehr Verwirrung zu stiften.

Aber auch unter den niedergelassenen allgemein Ärzten gibt es die unterschiedlichsten Meinungsbilder. So ist es für Eltern, Pädagogen sehr schwer sich objektiv zu informieren und ein mögliches Hilfekonzept für das Kind zu erstellen.

Sekten machen sich breit und bieten ihr Heil an, um problembeladenen Eltern auch noch das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Im 19. Jahrhundert gab es die „Hysterie“, die bei Frauen als die vermeintlich häufigste Krankheit diagnostiziert wurde, sie wurde fast  zur Volksseuche. Wenn wir heute etwas über dieses Krankheitsbild lesen, können wir meist nur noch den Kopf schütteln,  wieviel Zeit und Arbeit in eine „eingebildete Krankheit“ gesteckt wurde.

Sollte es sich bei dem Hyperkinetischen  Syndrom um ein ähnliches Phänomen handeln?

 

In meiner Tätigkeit als Erzieher  in einer Familienwohngruppe wurde ich vor ca. drei Jahren das erste mal mit diesem Syndrom konfrontiert. Begriffe wie MCD, POS, MBD und andere begegneten mir in meiner pädagogischen Arbeit immer wieder, ohne dass ich so richtig wußte, was es mit diesen Bezeichnungen so richtig auf sich hat. Mit der Aufnahme eines vierjährigen Jungen 1993 begann ich Erfahrungen zu sammeln mit einem Verhalten welches ich unter der Bezeichnung „hyperaktiv“ einzuordnen versuchte. Hyperaktiv bedeutete für mich in dieser Zeit ein Verhaltensmuster, welches sich durch ein besonderes Bedürfnis nach Bewegung auszeichnet. Über die Entstehung eines solchen Verhaltens, hatte ich mir bis zu diesem Moment, noch sehr wenig Gedanken gemacht. Eine Mögliche Ursache sah ich im Zusammenhang mit einer milieubedingten Deprivatisierung.

Doch mit der Zeit mußte ich erkennen, dass diese Kinder unter einem enormen Druck standen und es ihre Beeinträchtigung, mit zunehmendem Alter und mit zunehmenden Anforderungen, immer stärkere Auswirkungen auf die Alltagsbewältigung der Kinder hatte. Zum Beispiel im Kindergarten fiel das Kind besonders durch seine, in bestimmten Situationen sehr eigenwillige, Konfliktlösungsstrategie auf. Andere würden dieses Verhalten als unangepaßtes aggressives Verhalten einstufen.

In der Schule zeichnete sich ein ähnliches Verhalten ab, er konnte dem Unterricht nur sehr eingeschränkt folgen, fiel immer mehr durch sein unruhiges Wesen auf. Zum Schluß war es ihm nur noch sehr schwer möglich sich auf seinem Stuhl ruhig mit den an ihn gestellten Aufgaben auseinander zu setzen. Er stand immer öfters auf, ging in der Klasse herum, störte andere Kinder und bekam vom eigentlichen Unterricht nur sehr wenig mit.

Verschiedene Untersuchungen in den unterschiedlichsten Einrichtungen, z.B. Kinderneurologisches Zentrum in M. brachten die unterschiedlichsten Ergebnisse. Eines davon war „partielle Epilepsie“. Ich tat mich mit dem Akzeptieren dieser Diagnose sehr schwer, da es  noch keinerlei Anzeichen eines epileptischen Anfalls gab.

Aus diesem Grund suchten wir uns eine zweite Meinung.

Das Ergebnis dieser zweiten Untersuchung war in meinen Augen und nach meinen Beobachtungen schlüssiger.

Es wurde eine Wahrnehmungsstörung diagnostiziert, die unter der Bezeichnung „Aufmerksamkeits – Defizit – Syndrom“ è ADS bekannt ist.

Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewußt, wie verbreitet diese Wahrnehmungsstörung ist.

Als wir im Sommer 1998 ein neues Kind aufnahmen, welches als Diagnose eine Sprachentwicklungsstörung mitbrachte, war ich noch nicht sicher, wo bei diesem Kind der Förderbedarf bestand. Berichte von anderen Institutionen (Sprachheilzentrum Meisenheim) gaben an, dass die Verhaltensauffälligkeiten, die sich bei Sandro zeigten, wesentlich mehr Raum einnahmen als seine Sprachstörungen.

In Zusammenarbeit mit der Schule gab es Verhaltensbeobachtungen, regelmäßige Lehrergespräche und reflektierende Gespräche mit Sandro sowie eine Sonderschulärztliche Untersuchung zur Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs. Das hierfür erstellte Gutachten zeigte Symptome auf, die sehr viel Ähnlichkeit hatte mit denen eines Hyperkinetischen Syndroms.

 

 

 

1. Klassifikation

Es gibt inzwischen international anerkannte und eindeutige diagnostische Kriterien, die sich als hilfreich und zuverlässig erwiesen haben. Hier ist vor allem die ICD 10 und der DSM III-R bzw. DSM IV zu erwähnen.

 

Ich möchte an dieser Stelle die diagnostischen Leitlinien für das hyperkinetische Syndrom weitergeben, wie sie im ICD 10 (WHO 1990), dem in Deutschland verbindlichen Klassifikationssystem, aufgeführt sind.

 

 

F90.0

F90.1

F90.8

Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung

Hyperkinetische Störung mit Störung des Sozialverhaltens

Nicht anderweitig spezifizierte hyperkinetische Störung

                                                                                                                                          Tabelle 1

 

ICD 10

 

Diagnostische Leitlinien für die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung:

 

„Die Kardinalsymptome sind beeinträchtigte Aufmerksamkeit und Überaktivität. Für die Diagnose sind beide notwendig und beides sollte in mehr als einer Situation (z.B. zu Hause, im Klassenzimmer, in der Klinik) vorkommen.... Diese Defizite in Ausdauer und Aufmerksamkeit sollten nur dann diagnostiziert werden, wenn sie im Verhältnis zum Alter und Intelligenzniveau des Kindes sehr stark ausgeprägt sind.... Dieses  Verhaltensmerkmal zeigt sich am deutlichsten in strukturierten und organisierten Situationen, die ein hohes Maß an eigener Verhaltenskontrolle fordern.

... Symptome einer Störung des Sozialverhaltens sind weder Ein- noch Ausschlußkriterien für die Hauptdiagnose. Diese Störungen bilden jedoch die Basis für die Hauptunterteilung der hyperkinetischen Störungen.

Die charakteristischen  Verhaltensprobleme sollen früh (vor dem 6. Lebensjahr) begonnen haben und von längerer Dauer sein. Wegen der breiten Variationen der Norm ist Hyperaktivität vor dem Schulalter schwierig zu erkennen. Bei Vorschulkindern soll nur ein extremes Ausmaß zu dieser Diagnose führen.

 

Hyperkinetische Störungen lassen sich im Hinblick auf drei Kernsymptome klassifizieren, nämlich hinsichtlich der Aufmerksamkeitsstörung, der Impulsivität sowie der Hyperaktivität, die wie folgend definiert werden:

Bei einer gestörten Aufmerksamkeit fällt ein Kind dadurch auf, dass es Spiele oder Aufgaben abbricht, bevor sie beendet sind. Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen springen häufig von einer Tätigkeit zu anderen. Sie wirken dabei interesselos. Häufig geschieht dies bei fremdbestimmten und bei, mit kognitiven Anstrengungen verbundenen, Aufgaben und Spielen. Bei der Beobachtung einer Aufmerksamkeitsstörung muß darauf geachtet werden, ob ein Kind eher mit der selektiven Aufmerksamkeit oder mit der Daueraufmerksamkeit Probleme hat. Ist die selektive Aufmerksamkeit gestört, dann kann ein Kind sich nicht auf Reize konzentrieren, die für eine Aufgabenbewältigung von Bedeutung ist. Es gelingt ihm nicht, irrelevante Reize zu ignorieren, es ist also leicht ablenkbar. Verfügt ein Kind über mangelnde Daueraufmerksamkeit, dann ist es nicht in der Lage, sich über längere Zeit hinweg mit einer Aufgabe konzentriert zu befassen.

 

Impulsive Kinder sind meist daran zu erkennen, dass sie plötzlich handeln oder reagieren, ohne vorher genau zu überlegen. Diesen Kindern fällt es schwer abzuwarten oder Bedürfnisse aufzuschieben. Die Impulsivität wird in eine kognitive und in eine motivationale eingeteilt. Die kognitive Impulsivität besagt, dass eine Person ihrem ersten Handlungsimpuls nachgibt ( sie kann nicht zuhören, nicht hinschauen, nicht überlegen, bevor sie etwas unternimmt). Bei der motivationalen Impulsivität können Kinder nicht abwarten, bis sie beispielsweise an der Reihe sind; sie können momentane Bedürfnisse nicht verschieben oder sogar verzichten.

 

Das Kernsymptom Hyperaktivität kann am deutlichsten in Situationen beobachtet werden, die strukturiert sind, die vom Kind Verhaltenskontrolle oder Ruhe verlangen. So können Überaktive nicht sitzen bleiben, sie können ihre Unruhe und ihre übermäßige Aktivität nicht adäquat regulieren.

 

In besonderen Situationen der ärztlichen Untersuchung (individuelle Zuwendung zum Kind, ungewohnte Situation, wenig Ablenkungsquellen, kaum Anforderungen  an die Dauerkonzentration) ist die Verdachtsdiagnose jedoch nicht immer leicht zu objektiveren, deshalb sind Verhaltensbeschreibungen der Eltern, der Lehrer von großer Wichtigkeit.

Insofern sollte die Diagnosenstellung erfahrenen Fachkräften vorbehalten bleiben, da ähnliche Symptome auch durch eine Vielzahl anderer psychischer körperlichen Erkrankungen hervorgerufen werden können. Beispiele hierfür möchte ich auf der Tabelle aufzeigen.

Differentialdiagnose der hyperkinetischen Störung


·        altersangemessenes Aktivitätsniveau

·        schlecht organisiertes, inadäquates oder emotional belastendes häusliches Milieu

·        Teilleistungsschwächen (Dyslexie, Dyskalkulie, Seh- und Hörstörungen

·        Schulische Überforderung

·        Erschöpfungszustände im Rahmen somatischer Erkrankungen

·        Stoffwechselstörungen (v.a. Schild-drüsenerkrankung)  

·         Neurologische Erkrankungen (z.B. epileptische Psychodrome oder sog. Tic - Erkrankungen)

·         affektive Störungen, Angststörungen

·         Schizophrenie, tiefgreifende Entwicklungsstörungen


 

2. Merkmale und Erscheinungsformen von Hyper-  aktivität

Das Erscheinungsbild dieser Kinder soll in den verschieden Altersgruppen beschrieben werden, wobei anzumerken ist, dass stets nur ein Teil der beschriebenen Symptome auf ein Kind zutrifft und das Erscheinungsbild sehr variabel ist.

 

1.                                                      Säuglingsalter

Diese Kinder schreien oft ungewöhnlich viel, ausdauernd und besonders schrill und sind in ununterbrochener Bewegung, quengelig, reizbar, werden schnell wütend und schätzen körperlichen Kontakt wenig. Nie wirken sie entspannt, meist mißmutig und unzufrieden und sorgen für erhebliche Schlafstörungen bei den Eltern. Wenn die Eltern mit ihnen schmusen wollen, schmiegen sie sich nicht an. Die Mutter wird durch diese Verhaltensweise verunsichert und fragt sich: "Mache ich etwas falsch? Ich muß mich wohl mehr um das Kind kümmern!"  Aber auch vermehrte mütterliche Zuwendung und Zärtlichkeit wird wenig erwidert und für manche Eltern ergeben sich daraus Probleme, und das Kind wird als schwierig bezeichnet. In der Familie herrscht Gespanntheit, nervöse Gereiztheit und eine gewisse Frustriertheit vor.

2.                                                      Kleinkindalter

Meist besteht eine ausgeprägte Trotzphase. Typisch ist eine Erprobungsphase, die für die Umwelt besonders strapaziös ist. Eltern berichten, dass das Kind die Fähigkeit besitzt, aus jeder Situation ein "Happening" zu machen. Dies bedeutet, dass sie alles was sie in die Hände bekommen zerlegen und im Vorbeigehen meist Dinge um- oder ausschütten, oder in einer Weise damit verfahren, daß es speziell sinnwidrig ist und für die Eltern in Arbeit ausartet. Sinnvolles konstruktives Spiel entwickelt sich kaum, die Spiele sind vor allem destruktiv und chaotisch. Das Kind läuft häufig weg, klettert über Zäune und geht auf die Straße, gefährdet sich selbst. Wenn Besuch kommt oder anderswo ein Besuch gemacht wird, muß das Kind ständig beobachtet und alles verschlossen werden. Alle diese Dinge treten bei anderen Kindern ebenfalls auf, aber nicht so im Übermaß. Oft vermeiden die Eltern Besuche und werden zunehmend isoliert. Wenn das Kind in den Kindergarten kommt, baut es z.B. keine Bauklotztürme, setzt kein Puzzle konstruktiv zusammen, sondern es zerstört nur. Bauwerke der anderen werden umgeworfen, es ärgert die anderen Kinder, kann nicht alleine spielen, es spielt nicht ausdauernd. Kein Spielzeug wird mehr als einige Minuten und damit nicht sinnvoll benutzt und oft sagt es ,,mir ist langweilig". Die Erzieherin berichtet, daß es Gruppenspiele nicht mitmacht, oft in der Einzelspielecke sitzt oder daß es ständig zappelt, herumrutscht und nie entspannt ist. Als Folge werden Eltern des öfteren in den Kindergarten bestellt und ermahnt, konsequenter in der Erziehung und aufmerksamer zu sein, da das Kind erhebliche Störungen aufweise. Es wird gesagt: ,,Das Kind ist ungezogen, sie müssen strenger sein". Zum Kinderarzt kommen die Eltern mit auffallendem Eßverhalten:

,,Es frißt bedenkenlos alles in sich hinein", oder ,,es ißt nur ganz wenige spezielle Dinge", mit Schlafstörungen: ,,Es kann keinen Abend einschlafen, jede Nacht kommt es zu uns, und wenn es dann bei uns ist, ist es so unruhig, daß wir selbst nicht schlafen können"; ,,Wenn es in den Raum kommt, verbreitet es Unruhe, wir werden alle ner­vös". ,,Es kann sich nicht selbst anziehen, zieht alles verkehrt herum an, macht nie einen Knopf

zu" und es gibt Probleme mit der Sauberkeitserziehung. Wer die Kinder nur gelegentlich oder kurzzeitig erlebt, sieht keine Probleme: Benjamin, Thomas oder Florian geht mit der Oma oder der Tante weg und ist für einen halben Tag das liebste Kind und die Eltern bekommen zu hören: ,,seht ihr, wenn er will, dann kann er" und ,,man muß nur konsequent und streng sein".

Im Vorschulbereich sind die Probleme für die Eltern meistens noch zu bewältigen: der Kindergarten fordert noch keine so strenge Reglementierung und man erwartet, daß dieses Kind einfach von alleine reifer und vernünftiger wird.

 

2. Schulalter

Wenn das Kind in die Schule kommt, werden die Anforderungen erheblich größer. Es soll sich sozial integrieren in eine Klassengemeinschaft und soll bestimmte Spielre­geln akzeptieren lernen, aber genau da liegt das Problem: In der Zweierbeziehung können einfache Regeln noch akzeptiert und verstanden werden, doch sind mehrere Kinder beteiligt, eine Gruppe, und sollen strengere Regeln  wie sie für die meisten Spiele ja gelten eingehalten werden, so ist es nicht mehr möglich. Das Kind ver­sucht, die Regeln nach seinem Geschmack zu ändern, und wenn die anderen nicht mitmachen, gibt es Spannung und Streit. Bereits nach kurzer Zeit kommt es zur Ablehnung durch die Klassenkameraden, weil sie nicht bereit sind, den "Herrschaftsansprüchen" eines Kindes zu folgen und sie selbst ja die gültigen Spielregeln akzeptieren.

Will das Kind es besonders gut machen und versucht, die Regeln einzuhalten, mißglückt dies. Enttäuscht fängt es an zu weinen und wird dafür von den Kameraden auch noch ausgelacht, weil es nicht gelernt hat, sich zu beherrschen. Diese Affektlabilität Frustrationsintoleranz ist eigentlich typisch für das Kleinkindesalter. Es weint wegen Kleinigkeiten, gerät gleich in Zorn und seine Stimmung schlägt plötzlich um; es kommt zu unverschämten, provokanten und aggressiven Redeweisen. Im Schulalter ist diese Phase bei anderen Kindern meist schon überwunden, nicht jedoch bei unserer Gruppe von Kindern mit Hirnreifungsstörung - sie sind in einem kleinkindhaften Verhalten stehen geblieben. Wenn sie etwas wollen, muß der Wunsch sofort erfüllt werden. Sie können nicht warten, sondern kriegen wieder einen Wutanfall. Genau so schnell sind die Wünsche bei Ablenkung oft wieder vergessen. Andererseits freut sich das Kind wenig und wirkt nach außen hin traurig, mißmutig, und wenn man sich mit ihm unterhält, zeigt es häufig depressive Verstimmung. Ja es ist sogar ein Kennzei­chen, daß eine unglückliche Grundstimmung besteht, oft überspielt durch äußerliche Unbekümmertheit. Eltern berichten, daß sich ihr Kind ,,überfreut" oder ,,überärgert" hat, und es dann meistens völlig unerträglich sei.

Es handelt sich also nicht um lebhafte, vergnügte, bewegungsfreudige Kinder, wie man nach dem Namen hyperaktiv - ,,überaktiv" meinen könnte, sondern um eine Gruppe, die unter ihrem eigenen Anderssein leidet.

Impulsivität und Aggressivität sind bei diesen Kindern weit verbreitet und sie schei­nen manchmal keinerlei Angstgefühl zu haben: ohne schwimmen zu können, sprang Ludwig mit 3 Jahren ins tiefe Wasser; als 4-jähriger vom 3-m-Brett, als 11-jähriger Kopfsprung vom 5-m-Turm. Fahrradunfälle waren häufig, weil er Rennfahrer werden wollte. Sturz vom Baum. Beim Luftanhalten schaffte er es ohnmächtig zu werden. Beim Skifahren konnte die Mutter nicht mehr mitgehen, weil er so wild und gefähr­lich den Hang hinunterraste. Es gibt aber auch die Überängstlichen, oft motorisch ungeschickt, die sich nicht von den Eltern trennen können und mit ihrer Unsicherheit die Überbehütung durch die Eltern herausfordern.

Die Impulsivität geht soweit, daß diese Kinder in der Schule den Finger heben zur Antwort, ehe die Frage fertig gestellt ist und oft ist es ihnen lieber, überhaupt eine Antwort zu geben, als die richtige. Wenn sie nicht drankommen, platzen sie mit ihrer Antwort einfach so heraus. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist außerordentlich kurz. So wie sie früher kein Puzzle fertig machen konnten und keinen Turm mit mehr als 4 oder 5 Klötzen bauten, so wird später keine Zeichnung fertig. Im Basteln und Spiel wird alles angefangen - ,,sie sind sehr unternehmungslustig" - aber nichts zu Ende geführt. Es liegen Dutzende von angefangenen Schiffs-, Flug- und sonstigen Modellen herum und keine Handarbeit kommt soweit, daß sie zum vorgesehenen Zweck ange­wendet werden kann. Das gleiche gilt für die Hausaufgaben: da die Aufmerksamkeits­spanne so sehr kurz ist, fällt dem Kind ständig etwas Neues ein: es muß sich am Bein kratzen, das Lineal aufheben, den Radiergummi anders hinlegen, den Bleistift spitzen, aus dem Fenster gucken: ,,da ist eine Schwalbe", das Eselsohr im Buch herausblättern oder ein Neues auf der anderen Seite hineinknicken, auf der Seite vorher nachgucken, wie die Aufgabe gestern war und den Hamster füttern. Als Folge gehen die Hausauf­gaben nicht voran, sie werden schlecht gemacht und benötigen außerordentlich lange Zeit. Genau das gleiche sehen Sie im Unterricht: da die Aufmerksamkeitsspanne nicht groß genug ist, unternimmt das Kind ständig neue Dinge. Man darf nun nicht glauben, daß alle Kinder dieser Krankheitsgruppe wirklich ein hyperaktives Verhalten zeigen. Es gibt durchaus auch das Gegenteil: die Hypoaktiven, das sind Kinder die überhaupt nicht herumzappeln und nicht unruhig wirken, eher apathisch. Sie fallen auf diese Weise zwar weniger auf, aber sie haben alle anderen Störungen. Störungen der Konzentrationsfähigkeit, abnormes Sozialverhalten, sind ruppig bis explosiv und wirken nach außen hin unbegabt, leistungsschwach und sozial isoliert. Das trifft besonders oft für Mädchen zu. Sie zeigen weniger oft motorische Unruhe als Jungen.

3.                                                      Adoleszentalter

Bei vielen ADS - Kindern tritt die Pubertät später auf als bei Gleichaltrigen. Das paßt zu ihrer psychischen Reifungsverzögerung. Dann aber erscheinen alle Probleme der Vorpubertät und der Pubertät in verstärkten Maße. Durch ihr gestörtes Selbstwertgefühl ist ihre ist die Ablehnung der Umwelt meist noch stärker als in dieser Zeit üblich. Auch die Schwierigkeiten und Streitigkeiten mit den Eltern oder anderen, an der Erziehung beteiligten,  der Widerspruchsgeist im Ablösungsversuch von der Familie nehmen oft unerträglich Formen an. Bei Jugendlichen mit dieser Problematik finden sich häufig folgende Aspekte wieder: - Selbstgefährdung, tiefe Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken, Neigung zu Disozialität, Kriminalität und Drogensucht. Aber auch immer wieder Augenblicke der Regredierung èkleinkindhafte Verhaltensweisen.

Aus der Hyperaktivität wird jetzt häufig eine Nullbock - Mentalität. Dies bedeutet, sie haben keinerlei Interessen, keinen Antrieb etwas anzufangen, geschweige denn eine Arbeit oder Aufgabe zu Ende zu bringen. Die Berufswahl kann zur Katastrophe werden, da sie entweder überhaupt nichts interessiert, oder sie suchen sich Berufe aus, welche sie aufgrund  ihrer Schulbildung nicht erlernen können. In der Berufsausbildung haben sie es besonders schwer, weil sie oft muffig, schlecht gelaunt und faul wirken. Wenn sie dann auch noch frech und vorlaut sind wird das Arbeitsverhältnis oft sehr schnell wieder gelöst. Wenn man frühzeitig Interessen und Hobbys unterstützt, kommen diese manchmal zum Tragen und können von großem Nutzen bei der Berufsfindung sein, da zu den Lieblingsthemen bei diesen Jugendlichen oft ein großes Wissen besteht.

4.                                                      Erwachsenenalter

Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Konzentration bleiben bestehen. Aus Hyperaktivität wird Inaktivität, gepaart mit Nervosität. Weiter bestehen Stimmungsschwankungen, ausgeprägte psychische Labilität und Impulsivität (geschäftlich, finanziell, privat), die oft zu unüberlegten Entscheidungen führt, zu Ungeduld und Jähzorn und leider oft zu Unfähigkeit sich und das Leben zu organisieren.

Die niedrige Streßtoleranz, fehlende Ausdauer, Egoismus z.T. gepaart mit unbegrenzter Großzügigkeit, führen zu Unzuverlässigkeit und zu schnell wechselnden Freundschaften und Bindungen. Suchttendenzen (Spiel-, Kauf-, Drogen-, Alkohol-) können schließlich Beruf und Karriere zerstören.

5.                                                      Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, das folgende Aspekte die Kinder behindern und den Umgang mit ihnen schwierig und reizbar machen:

·        Unaufmerksamkeit und Ablenkbarkeit

·        Impulsivität

·        Unersättlichkeit des Anspruchs

·        Mangelndes Sozialverhalten / Aggressivität

·        Emotionale Schwierigkeiten / Unzufriedenheit

·        Unreife

·        Große Rastlosigkeit und motorische Unruhe

Die Folgen davon sind nahezu immer Schul- und Berufsschwierigkeiten. Wenn zusätzlich noch Teilleistungsstörungen bestehen, wie z.B. Lese-, Rechtschreib-, Rechenschwächen, Koordinations- und Wahrnehmungsstörungen der verschiedensten Art, haben sie trotz normaler Intelligenz allergrößte Schwierigkeiten in der Schullaufbahn. Oft landen sie schließlich in Sonderschulen und in Anlernberufen, und finden ihre "Freunde" nur noch in Drogen- und kriminellen Kreisen. Dann beschränkt sich ihr Vergnügen auf das Suchen von "gefährlichen" Situationen (z.B. U-Bahn - Surfen etc.)

3. Wahrnehmungsstörungen wichtige Merkmale des   Hyperkinetischen Syndroms

1.                              Die Wichtigsten Wahrnehmungsstörungen [1]

 

Bei der medizinischen Untersuchung erkennt man oft einen unharmonischen Bewegungsablauf und damit ein deutlicher Unterschied zu anderen Kindern. Beobachtet man Kinder mit einer "normalen" Entwicklung so läßt sich der Bewegungsablauf als meist rund und wellenförmig beschreiben. Bei Kindern mit dem HKS wirken die Bewegungen ausgesprochen eckig, ruckartig und ungeschickt. Neurologisch findet man zum Teil leichte Störungen der Feinmotorik, der Balancefähigkeit, der allgemeinen Geschicklichkeit. Zusammengefaßt lassen sich leichte Hirnfunktionsstörungen erkennen.

Besondere Auswirkungen hat dies auf die Schrift. Allein der motorische Vorgang des Schreibens ist für sie eine Qual und mit großer Anstrengung verbunden.

" Der Stift wird verkrampft gehalten, die Hand ist schweißnaß und die Buchstaben werden in das Papier eingekerbt. Ihre Schrift gefällt ihnen auch nicht, aber es geht halt nicht besser. Und wenn sie einmal ein paar gute Zeilen zu Papier bringen, ernten sie hierfür kein Lob, sondern nur Tadel mit den Worten:" Siehst du, du könntest ja, wenn du nur wolltest.""(Dr.K. Skrodzki)

Bei einer differenzierten Diagnostik, stellt sich meist heraus, dass zahlreiche Wahrnehmungs- und Programmsteuerungsstörungen zu erkennen sind, des weiteren fast immer erhebliche Verzögerungen in der psychomotorischen Entwicklung und der sensomotorischen Integration. Wie bekannt, ordnet die sensomotorische Integration sinnvoll die Aufgliederung und Zusammenfassung von Sinnesregungen, um diese nutzen zu können. Die Nutzung besteht in der Wahrnehmung und Erfassung des Körpers in Bezug zur Umwelt. Die sensomotorische Integration soll ein Zusammenarbeiten aller Abschnitte des zentralen Nervensystems erreichen, dies ist erforderlich damit ein Mensch sich sinnvoll mit seiner Umgebung auseinandersetzen kann und Befriedigung dabei erfährt.

a)Verminderte Erfassungsspanne

 

Beauftragt man ein Kind aus der Küche mehrere Gegenstände zu holen, hat es meist außer dem Gegenstand, der zuletzt genannt wurde, den Rest vergessen ehe es die Küche betritt. Eine größere Zahl an Informationen kann das Gehirn nur sehr schwer aufnehmen. Bereits am Ende des Grundschulalters erreicht die sog. Erfassungsspanne Erwachsenenniveau und erfaßt 7 +/- 2 Einzelelemente. Je vertrauter eine Information ist, desto mehr Umfang kann das Einzelelement haben. Bei vielen ADS - Kindern ist die Erfassungsspanne nicht alters-entsprechend entwickelt. Diese Verminderung hat in der Schule erhebliche Konsequenzen. Weil vieles nur halb aufgenommen wird, entstehen große Lücken und das Kind muß sein Halbwissen dauernd mit eigenen Überlegungen und Schlußfolgerungen zu kompensieren versuchen.

b)Verminderte Kanalkapazität

 

Alle Sinnesmodalitäten wie hören, sehen, schmecken, tasten und fühlen werden wie in einem Sammelkanal gebündelt, fließen auf uns zu und werden registriert. Dieser Sammelkanal hat aber nur ein bestimmtes Fassungsvermögen, alles was über seine Kapazität hinaus geht ist verloren. „Die Kanalkapazität ist die Summe der Erfassungsspannen aller Sinnesbereiche.“(K. Skrodzki)  

Diese viele Sinnesreize, welche nicht kanalisiert werden können, führen zur bekannten Reizüberflutung. Das Übermaß an nicht verarbeiteten Reizen bewirkt entweder Überaktivität oder völliges abschalten mit darauffolgender Handlungsunfähigkeit. Der fehlende Blickkontakt ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine durchaus vernünftige Reaktion des Körpers, um wenigstens einen Teil der visuellen Reize auszuschalten.

 
c) Verminderte Diskriminationsfähigkeit

Unser Verhalten wird hauptsächlich durch die Fähigkeit gesteuert, Unterschiede wahrzunehmen und diese Unterschiede in ihren verschiedenen Bedeutungen zu erkennen. Ein Kind, dass nicht in der Lage ist diese Eindrücke in seinen Feinheiten zu differenzieren, sieht sich ebenfalls außer Stande Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Das Ergebnis dieses Unvermögens ist ein unangepaßtes und unkontrolliertes Verhalten. Dieses Kind ist meist nicht in der Lage zu erkennen, wo es Prioritäten setzen muß, um zu bemerken, " was es geschlagen hat".

d)     Veränderte Reizschwelle

Unter- Überfunktion von Sinneswahrnehmungen können bei diesen Kindern zu erheblichen Irritationen führen. Eine Überempfindlichkeit der Tiefensensibilität der  taktil - kinästetischen Wahrnehmung kann zur Folge haben, dass körperliche Zärtlichkeiten einen unangenehmen Reiz bedeuten können oder innere Unstimmigkeiten aus dem körperlichen oder seelischen Bereich intensiver empfunden werden. Auch die Möglichkeit einer Unterfunktion beeinträchtigt die Entwicklung sehr. Es können z.B. Schmerzen nur sehr eingeschränkt bzw. überhaupt nicht wahrgenommen werden. Kinder mit einer sog. Unterempfindlichkeit nehmen meist auch nach der Oralen Phase noch oft Spielzeug in den Mund, da dort die empfindlichsten Rezeptoren des Tastsinns sitzen, sie erhalten so zusätzlich Informationen.

Diese Kinder gelten im allgemeinen als sehr sensibel, sie erspüren Stimmungen ihrer Umwelt und leiden deshalb in einer problemgeladenen Atmosphäre mehr als andere.

e)   Verlangsamte Umstellungsfähigkeit

Wenn eine Arbeitstechnik einmal angelernt ist, fällt es Kindern mit dem HKS sehr schwer, eine neue Arbeitstechnik zu erlernen. Ungeeignete Programme werden nicht unterdrückt, sondern laufen immer wieder ab. So lange alles in "normalen" Bahnen verläuft können sie sich mit ihren Arbeitstechniken zurechtfinden. Wird jedoch eine rasche Umstellung von ihnen verlangt, sind sie überfordert und versagen in den meisten Fällen.

 

f)        Intermodale Störungen [2]

 

Auf der intermodalen Stufe vollzieht sich die Verknüpfung der einzelnen Sinnesmodalitäten untereinander, so dass eine koordinierte Zusammenarbeit der Sinne möglich wird. Neurologisch betrachtet verbinden sich die Nervenbahnen im Zentralen Nervensystem (Neuriten und Dentriten), die für den Empfang einer bestimmten Sinnesmodalität zuständig sind, mit den Nervenbahnen aller anderen Sinnesmodalitäten. Die Kontaktstellen bilden sog. Synapsen. Es entsteht ein vielverzweigtes Netzwerk, das die Verbindungen aller Sinnesmodalitäten miteinander gewährleistet. Eine Störung auf der intermodalen Stufe zeigt sich vor allem in Auffälligkeiten in der Verknüpfung zwischen der Motorik bzw. taktil - kinästhetischen Wahrnehmung und der visuellen Wahrnehmung . Das Kleinkind, das Spielzeug in den Händen dreht, aber mit den Augen anderswo ist, verbindet Tasten und Sehen noch nicht miteinander. Hält eine intermodale Störung an, so bekommt das Kind Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.

 

 

 

 

 

g)     Seriale Störung [3]

 

Auf der serialen Stufe verbinden sich die Informationen gewissermaßen zu einer Kette oder Serie. Das Kind ist erstmalig unabhängig von konkret wahrnehmbaren Reizen. Es „denkt" sich etwas aufgrund zuvor gemachter und gespeicherter Erfahrungen, und/oder es handelt in geordneten Abläufen (Sequenzen). Es entwickeln sich erste Handlungsketten, Einordnungen in zeitliche Abläufe, vorausschauendes Denken und planvolles Vorgehen.

Störungen in der serialen Entwicklung äußern sich häufig in folgenden Auffälligkeiten:

§         Die Reihenfolge einer Handlungskette gerät durcheinander

§         Die Handlungskette ist unvollständig, d.h. ein Kind beendet einen Handlungsablauf vorzeitig, weil es nicht weiter weiß oder nicht soweit vorausgeplant hat. Es mangelt ihm an Überlegung und nicht an Willen.

§         Zeitliches Sprachverständnis ist mangelhaft. Das Kind versteht z.B. nicht was „bald" oder  „nachher" bedeuten, reagiert sehr ungeduldig oder aggressiv.

§         Auditive Gedächtnisspannen sind sehr kurz ( Auditive Informationen werden sequentiell geboten und geordnet und als solche auch gespeichert.)

§         Die Sprachentwicklung kann auffällig sein, besonders im Satzbau (Grammatik), der Satzlänge, dem Wortverständnis und dem Verständnis von Satzbedeutung (Semantik)

 

5. Ursachen (Hypothese) des Krankheitsbildes

 

Æ   Erziehung / Umwelt

Æ   Vererbung (genetisch)

Æ   Hirnorganische :

§         Störung der Hirnfunktion, der Wahrnehmung, der sensorischen Integration

§         Unterstimulation

§        Minimale Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel, Alkohol

Æ   Neurochemische :

§         Neurotransmitter- Störung an der Nervenendenplatte

§         Störung der Durchblutung im Nucleus ambiguus

§         Störung der Glucoseutilisation

§        Vergiftung durch Schwermetalle (Blei)

Æ   Allergische :

Æ   Ernährung :

§         Salizylate (B. Feingold)

§         Phosphate / Zucker / Farbstoffe (H. Hafer)

§         Pseudo- Allergene (Prof. Egger, München)

Tabelle: Dr. Klaus Skrodzki

Die Vielschichtigkeit hinsichtlich der Definition und der Merkmale setzt sich mit der Frage nach den Ursachen fort.

Einige Ursachen, die für das Hyperkinetische Syndrom in Frage kommen, sollen hier aufgezeigt werden.

1.   Erziehung / Umwelt

 Es wird vermutet, dass überaktives Verhalten sozialer Genese ist, dass also schwierige familiäre Verhältnisse (zerbrochene Familienstruktur, Scheidung, alleinerziehende Elternteile, Krankheit, Alkoholmißbrauch, überbelegte Wohnungen und andere Faktoren) und deren Auswirkungen auf die Erziehung, Verhaltensprobleme hervorrufen. Auch übergroße Klassen in der Schule ungenügend ausgebildete Lehrer und ein Unterricht mit wenig Strukturen sollen überaktives Verhalten hervorrufen können. (Skrodzki, K. 1996)

2.        Vererbung (genetisch)

Es gibt auch Gründe die für einen genetischen Faktor sprechen, denn aus der Anamnese von Kindern wird deutlich, dass unter Verwanden und Eltern signifikant mehr überaktive Menschen zu finden sind. Insgesamt sind mehr Jungen als Mädchen als überaktiv einzustufen und bei Zwillingsstudien wurde herausgefunden, dass - wenn einer der beiden Zwillinge überaktiv ist die Wahrscheinlichkeit, dass der andere Zwilling ebenfalls überaktiv ist, bei eineiigen Zwillingen größer als bei zweieiigen ist. ( Krowatschek, D. 1996)

3.        Hirnorganisch

Es gibt eine Vielzahl von Studien bei denen bildgebende Untersuchungen (z.B. PET) eingesetzt wurden, mit dem Ziel strukturelle Veränderungen oder Funktionsstörungen in verschiedenen Hirnbereichen festzustellen (Zametkin 1990, Hynd et al. 1991). Viele dieser Untersuchungen ergaben hinweise dafür, dass bei hyperkinetischen Kindern vor allem Funktionsstörungen im Bereich des Frontalhirns im Sinne einer frontalen Dysfunktion anzunehmen sind. Dies erscheint insofern interessant, da auch andere Untersuchungen  über Krankheitsbilder, die mit Störungen der präfrontalen Region einhergehen, eine vermehrte Unaufmerksamkeit, erhöhte Ablenkbarkeit und motorische Unruhe dokumentieren konnten (Mesulam 1986, Wiese1985)

4.        Neurochemisch

Eine genetischer Defekt und/oder eine Störung zur Zeit der Gehirnentwicklung führen zu einer Andersartigkeit, zu einer Funktionsstörung des Neurotransmitter - Systems unseres Gehirns. Neurotransmitter sind Überträgersubstanzen am Nervenende, dort wo ein Spalt am Übergang von einem Nerv zum nächsten Nerv besteht. Kommt ein bestimmter elektrischer Reiz über den Nerv an, muß er durch chemische Substanzen, eben die Neurotransmitter, über diesen Spalt hinweg transportiert werden, um den neuen Nerv zu erregen. Diese Substanzen, die bekanntesten sind das Serotonien, das Dopamin, das Noadrenalin, müssen auf der anderen Seite durch Enzyme abgebaut werden. Eine Störung in Zusammensetzung und Abbau oder ein Mangel an diesen Überträgersubstanzen führt zu gestörten Reizweiterleitung und Reizverarbeitung und damit zu mangelhaften Informationen und letztendlich zu Hirnfunktionsstörungen. In bestimmten Hirnarealen konnte mit aufwendigen Untersuchungen eine Minderdurchblutung, in anderen eine Zuckerverwertungsstörung nachgewiesen werden. Dies ist aber noch weit entfernt vom eigentlichen Wissen um die Abläufe im Hirn, es kann aber gesagt werden, dass es nachweisbare organische Veränderungen gibt.  

5.        Ernärung

Als äußere zusätzlich Ursache für die Stoffwechselstörung werden zahlreiche Nahrungsmittelbestandteile verantwortlich gemacht. Im Amerika der 50er Jahre die Salicylate von B. Feingold, in Deutschland seit den 70er Jahren von H. Hafer insbesondere die Phosphate und Nahrungszusatzmittel, und von Professor Egger sogenannte Pseudoallergene. Einen wissenschaftlichen Beweis hierfür gibt es jedoch nicht.

 

Ein Grundgedanke bei dem Ansatz einer Therapie ist, dort anzusetzen, wo die Probleme auftreten: beim Kind, in der Familie, in der Schule, bei den Aufmerksamkeitsschwächen, der Impulsivität, der Unruhe, der Aggressivität oder bei den Leistungsproblemen. Dieses Prinzip ist deshalb von außerordentlicher Bedeutung, weil eine Übertragung von einem Lebensbereich auf den anderen oder von einem Problem auf das andere häufig nicht gelingt. Aus diesem Grund ist eine Kombination von möglichen Maßnahmen nötig. Nur auf diesem Wege kann eine Maßnahme wirkungsvoll sein.

Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt im Prozeß der Entstehung einer Störung, Auffälligkeit oder Beeinträchtigung eine Intervention einsetzt, kann dies als vorbeugende oder als eine korrigierende, unterstützende oder heilende Intervention bezeichnet werden. Dies bedeutet, bei rechtzeitiger Erkennung der Probleme, könnten alle Maßnahmen auch präventiv ergriffen werden. Da aber die Hyperaktivität meist erst im Schulbereich als störend empfunden und dokumentiert wird, wird auch erst zu diesem Zeitpunkt ein Behandlung eingeleitet.

 

1.                   Erziehung

Aus Berichten und aus den Aussagen betroffener Eltern und Erzieher läßt sich mittlerweile belegen, dass hyperaktive Kinder häufiger bestraft werden. Die an der Erziehung beteiligten fühlen sich  in der Handhabung von Erziehungsproblemen weniger kompetent. Sie erleben sich, angesichts der an sie gestellten Anforderungen, sehr schnell überfordert, verunsichert und hilflos. Eltern und Erzieher benötigen aus präventiven Gesichtspunkten viel Hilfen und ein Verständnis deren Bedürfnisse. 

In den theoretischen Grundlagen des Elterntrainings wird davon ausgegangen, dass Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen auf Defiziten in der Steuerung von Verhalten durch externe Reize, Regeln und Konsequenzen beruhen. Eskalationen werden durch aversive (anlehnende) gegenseitige Steuerung bedingt.

 

Mehr als alle anderen Kinder brauchen diese ein ganz striktes, klar erkennbares Erziehungskonzept. Regeln und Maßnahmen müssen ganz klar strukturiert sein. Der Tagesablauf ist möglichst gleichmäßig zu regeln, Machtkämpfe und Diskussionen sind zu vermeiden. Das, was das Kind nicht kann, nämlich: hinhören, anhalten, hinsehen vor dem eigentlichen Handeln, muß der Erzieher um so mehr. Wurde einmal eine Entscheidung getroffen, soll diese auch durchgesetzt werden - handeln statt reden.. Wichtig ist es mit verbaler Kritik, Ermahnung und Schimpfen möglichst zu sparen, da diese Kinder sehr schnell "elterntaub" werden können. Aus dem Erziehungsalltag ist es bekannt, dass sich alle Kinder bei Lob verbessern und ohne Lob verschlechtern. Die Hyperaktiven Kinder zeigen hier ein besonderes Verhalten. Sie verschlechtern sich besonders bei unregelmäßigem Lob, denn sie können sich auf den Wechsel von Zuwendung nur schwer einstellen.

 

Neben den Techniken, die die Kompetenz der Eltern und Erzieher zur Beeinflussung und Steuerung des Verhaltens erweitern sollen (z.B. der Ansatz der Familienkonferenz nach Gordon), sollen Eltern, Erzieher  und alle die mit dem Kind umgehen, lernen die richtige Einstellung zu den Problemen des Kindes zu finden. Das Problem wird lange Zeit bestehen, wenn nicht sogar für immer. Das Kind muß spüren und erleben, dass man ihm grundsätzlich wohlgesonnen ist, seine Schwierigkeiten kennt und ihm beim Umgang mit ihm helfen will.

 

2.   Programme zur Verbesserung der psychomotorischen Koordination, der sensomotorischen Integration und zum Abbau der verschiedenen Wahrnehmungsstörungen (Psychomotorik, Ergotherapie, Frostig-Programme)

Hier eignet sich besonders die Psychomotorik, bei der die Kinder Freude an und mit der Bewegung haben, spielerisch die Steuerung ihres Körpers und den Umgang mit Raum, anderen Kindern und der Gruppe erlernen.(Kiphard, E.J.,1993)

In der Ergotherapie wird besonders die Körperwahrnehmung in allen ihren verschiedenen Bereichen gefördert.

Ein Bestandteil dieses Ansatzes ist die sensorische Integrationstherapie nach J. Ayres.

Die methodische Vorgehensweise sieht seine freie Spielbeobachtung als Einstig vor. Dadurch sollen die Vorlieben und Fähigkeiten des Kindes herausgefunden werden. Mit weitere Beobachtungen wie die standardisierten sensorischen Integrationsbeobachtung und einem Motoriktest werden die basalen sensorischen Fähigkeiten des Kindes beurteilt. Daraus und aus den fortlaufenden therapiebegleitenden Beobachtungen wird der Förderplan erstellt.

Nach Ayres betrifft die sensorische Integration hauptsächlich die taktilen, proprioceptiven und vestibulären Körpersinne. Die Proprioception (Tiefensensibilität) vermittelt durch Sinneszellen im Muskel, Sehnen und Gelenken Informationen über Stellung und Bewegung der Körperteile. Sherrington, der sie entdeckt und benannt hat, bezeichnet sie als den verborgenen, aber unentbehrlichen, sechsten Sinn.

Eine Therapiemöglichkeit ist, wenn sich ein Kind in einer Hängematte selbst im großen Kreis dreht (z.B. Bauchlage). Dadurch, dass es sich mit den Händen vom Boden abstößt werden durch die Kopfstellung und -bewegung hauptsächlich die vestibulären Schwerkraftrezeptoren angeregt. Diese Rezeptoren erhöhen den Strecktonus gegen die Schwerkraft im ganzen Körper, insbesondere den der Nackenmuskulatur. Durch die starke tiefensensible Rückmeldung von dieser Spannung, zusammen mit dem Druck auf Handflächen und Handgelenken, kommt es zu einer verbesserten motorischen Planung und als Nebenwirkung zu einer Hemmung von taktilen und vestibulären Reizempfindlichkeiten. Kennzeichnend für ein Kind mit vestibulärer Hypersensibilität wäre z.B. überschneller Schwindel bei Drehbewegungen, Ängstlichkeit bei Schleuderspielen oder Übelkeit beim Autofahren.

 

Als Materialien, welche im Behandlungsplan, für jedes Kind individuell, Verwendung finden, können unter anderen sein: SI-Schaukel, Hängematte, Rollbretter, Rolltonnen, sensorische Materialien wie Bohnen, Kastanien aber auch Materialien, die einen Widerstand bieten, wie Holz, Knete oder Ton. Ist eine gute motorische Anpassung erreicht, die Aufmerksamkeit des Kindes erhöht, bieten sich visuelle Materialien wie Steckspiele, Farb- und Formzuordnungsspiele, Holz oder Sandpapierbuchstaben als sinnvolle Ergänzung an. [4]

 

Bei Teilleistungsstörungen können Übungen nach dem Konzept von Marianne Frostig gute Hilfe leisten. Dies können Störungen in der visuellen, auditiven Wahrnehmung und die sogenannte Lese - Rechtschreibstörung LRS [5] sein. Eine Möglichkeit diese Störungen zu diagnostizieren bietet der FWG Frostig Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung (siehe Anhang).

 

3.                   Festhaltetherapie - Jirina Prekop [6]

In der heutigen Zeit und Gesellschaft sind Grenzsetzung und das Geben von Halt zwei Faktoren die zunehmend schwieriger werden. Die Strukturen unserer Gesellschaft sind nur noch sehr bedingt  für die Gewährleistung dieser wichtigen Werte geeignet. Eine schnellebige, kinderfeindliche Umgebung, in der Familien mit mehreren Kindern meist als dissozial eingestuft werden. Diese Gesellschaft verlangt aber eine Integration aller, dies ist aber meist nur möglich, wenn den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder ohne Kontrolle oder Sinnhaftigkeit  entsprochen wird. Dadurch wird den Kindern eine Omnipotenzhaltung anerzogen, die ihnen Macht über andere verleiht. Dieses Gefühl der Stärkste zu sein und alle steuern zu können löst die fatale Haltung aus "meine Eltern kann ich springen lassen, wann und wo ich will".

 

Wenn man aber selbst der oder die Stärkste ist, gibt es niemanden, der einen beschützen und behüten kann. Dies gibt einem das Gefühl der Einsamkeit und der Unzufriedenheit. Als Reaktion wird man versuchen diese Bedürfnisse zu kompensieren. Dies geschieht in den meisten Fällen dadurch, dass auf die Umwelt noch mehr Druck  in Form von drangsalieren, kommandieren und beherrschen wollen ausgeübt wird. Aus dieser Allmacht, aus dieser Grenzenlosigkeit wächst noch mehr Unzufriedenheit. Um dieser Allmacht zu begegnen, brauchen diese Kinder wieder Halt und den können nur die Eltern bzw. die wichtigsten Bezugspersonen geben. Diese müssen Grenzen setzen und Kinder festhalten, wenn sie etwas fordern oder tun, was ihnen nicht zusteht, nicht rechtens ist oder ihnen schadet.

 

Dieses Haltgeben bedeutet z.B. ein dreijähriges Kind, das im Zimmer bei Fremden, wo man zu Besuch ist, wild herum saust, alles anfaßt und herunterreißt, auf den Schoß und in den Arm zu nehmen und festzuhalten. Es nützt nichts immer wieder zu sagen "das darfst du nicht", und das Kind aber weiter gewähren zu lassen. Das Kind kann den verbalen Inhalt dieser Worte, dieser Verbote kennen, wenn darauf keine Handlung erfolgt. Das Festhalten muß auch gegen den Widerstand, so lange erfolgen, bis es ruhig geworden ist und sich an das Gebot hält. Dieses Festhalten hat nichts mit Gewalt, sondern mit Schutz und Liebe zu tun.

 

Aus diesem Gedanken hat sich die Therapie entwickelt. In der Festhaltetherapie sieht es so aus, dass Vater oder Mutter unter Anleitung eines Therapeuten das Kind auf dem Schoß, Körper an Körper, Gesicht zu Gesicht immer wieder im Blickkontakt, eng an sich gepreßt hält, wie in einer Umarmung. Das soll keine Strafe für ein Vergehen sein, sondern liebevoller Schutz und Grenzsetzung: "Ich habe dich lieb, deshalb halte ich dich fest." Dieses Festhalten, verläuft häufig mit erheblichem Kampf und Geschrei, und es muß so lange fortgesetzt werden, bis der Widerstand aufhört und in zufriedene Erschöpfung übergeht.

 

Die deutlichste Kritik an dieser Form von Therapie ist, dass künstliche Situationen, womöglich noch nach einem Zeitplan geschaffen werden. Dann kann und wird dieses Festhalten als Möglichkeit der Manipulation der Kinder durch das gewaltsame Gefügig machen angesehen. Diese Kinder werden dann angepaßt an unsere Erwachsenenwünsche; dies ist nicht nur bedenklich sondern auch gefährlich.

 

4.                   Psychologische und pädagogische Beratung

Als psychologische Intervention wird die Familientherapie vorgeschlagen (in Erziehungs- und Beratungsstellen). Den Eltern soll geholfen werden, mit ihrem eigenen Problem im Umgang mit dem schwierigen Kind fertig zu werden und die Familie nicht an dem Problem zerbrechen zu lassen. Vorzüge dieses Ansatzes, der die Familie mit einbezieht, liegen in der Verminderung einseitiger Pathologisierung des Kindes oder der Erwachsenen. Der Ansatz baut auf vorhandene Ressourcen auf und schafft günstige Entwicklungsbedingungen für alle Familienmitglieder. Es geht dabei konkret um die Aufarbeitung der vielen Sekundärprobleme, den Aufbau neuer Verhaltensstrategien und einen Abbau der angesammelten Aggressivität gegen des Kind und den Partner, der oft als Gegner und Schuldzuweiser in Erziehungsfragen fungiert. Es ist in jeder einzelnen Familie zu untersuchen, wie sich die Störung entwickelt hat, welche Rolle sie für die ganze Familie spielt und wie das problematische Verhalten in den kritischen Situationen direkt beeinflußt werden kann.

 

5.                   Diät

Bei der Behandlung durch Diäten gibt es sehr gegensätzliche Standpunkte. Unter einer bestimmten "Auslaßdiät" (allergenarme Ernährung), welche ganz individuell erprobt werden muß, kommt es bei einem Teil der überaktiven Kinder zu einer Reduzierung der Störungen. Diese Beobachtung wurden von vielen Eltern und praktischen Ärzten gemacht, in großen wissenschaftlichen Studien konnte der Effekt jedoch noch nicht sicher bewiesen werden.

Die Schwierigkeiten der Diät sind:

-         die große individuelle Streuung der Substanzen, welche stören sollen

-         die starke Ausrichtung der gesamten Familie auf die Kost und die Mühe bei Einkauf und Herstellung

-         die Erfahrung, dass manche Kinder ihr Verhalten mit Diätfehlern entschuldigen und sich nicht mehr selbst dafür verantwortlich fühlen.

-         Ab dem 10. Lebensjahr ist die Diät praktisch nicht mehr durchführbar, da sie von den Kindern leicht unterlaufen werden kann. Dabei würden sie durch strenge Diätvorschriften noch mehr zu Außenseitern. [7]

6.                   Spieltherapie

In der Beschäftigungs- und Spieltherapie wird das Spiel als "elementares Bedürfnis" des Kindes zur Umweltverarbeitung und Lebensfüllung diagnostisch, therapeutisch und pädagogisch genutzt. Dadurch können in den Spielsituationen (mit relativ hohen Entlastungscharakter) Konflikte, Probleme und Spannungszustände bewältigt werden. Sie sind nur in sehr seltenen Fällen für überaktive Kinder angezeigt.

Gerade die non - direktive Spieltherapie eignet sich nicht, da das Kind keine Rahmenbedingungen in seiner für ihn wichtigen Form erhält. In den Augen des Kindes ist diese Form der Spieltherapie strukturlos und somit orientierungslos für ihn.

Eine Möglichkeit eines spieltherapeutischen Ansatzes bietet die direktive Spieltherapie wie Theraplay. In diesem Ansatz werden Grenzen, Strukturen als fester Bestandteil gesehen. Diese sind auch für das Kind gleich erkennbar.

 

7.  Medikamentöse Thearpie

Die verwendeten Medikamente sind nicht aus dem Bereich der Tranquilizer und Sedativa (Beruhigungsmittel) die das Kind beruhigen, abstellen sollen "Pillen für den Störenfried". Sondern es sind Medikamente, die den körpereigenen Stoffen (Neurotransmitter) sehr ähnlich sind. Diese Stoffe verhindern zum Teil die Grundstörungen bzw. heben diese ganz auf ( gestörte Reizleitung und Verarbeitung). Die heute wichtige Gruppe sind die sog. Stimulatien (Amphitaminabkömmlinge).

Diese Simulatien können als Suchtmittel eingenommen und gespritzt werden. Die Reaktionen auf diese Mittel sind :

-         Überaktivität

-         Euphorisches Verhalten

-         Selbstüberschätzung

-         Omnipotzenzhaltung

Kamikazeflieger aus dem 2. Weltkrieg nahmen Stimulatien. Der Drogenkonsument wird von diesen Medikamenten psychisch abhängig. Für sie stellt diese Substanz ein erhebliches Suchtpotential dar. Allerdings werden hierfür Dosen in Höhe von 1-2 g benötigt, und sie werden nicht physisch (wie Heroin) sondern psychisch abhängig.

 

Bei hyperaktiven Kindern angewendet, sieht die Situation und Wirkung ganz anders aus. Eine ½ Stunde nach Einnahme (10-20 Milligramm!) werden diese Kinder ruhiger, aufmerksamer, ausgeglichener und die Aggressivität sinkt. Die Wirkung hält ca. 4 Stunden an, eine Abhängigkeit oder Toleranzentwicklung gibt es nicht.

 

Bekannte, kurzfristige Nebenwirkungen sind:

-         Appetitlosigkeit

-         Gelegentlich Kopf- und Bauchschmerzen

-         und bei  falscher zeitlicher Dosierung Schlafstörungen

-         erhöhter Blutdruck

-         Erhöhung der Krampfbereitschaft

-         Wachstumsstörungen bei sehr hoher Dosierung

Langzeitnebenwirkungen sind nach ca. 60 Jahren Anwendung keine bekannt.

1.    Welche Medikamente gibt es , bzw.  welche werden verschrieben?

Die Verabreichung von Medikamenten an Kindern ist sehr wohl stark umstritten. Dennoch ist es für die Kinder oft der einzige Weg  um in ihrer normalen Umgebung, hier speziell der Schule, verbleiben zu können. Bei den Medikamenten handelt es sich nicht um beruhigende oder dämpfende Mittel. Vielmehr sind es Wirkstoffe welche die Aufmerksamkeit schärfen, die Ablenkbarkeit mindern und die Aufmerksamkeitsspanne verlängern.

In verschiedener Fachliteratur werden unter dem Begriff Hyperkinetisches Syndrom verschieden Medikamente genannt.

a)   Medikamente mit erwiesener Wirksamkeit bei hyperkinetischen Störungen:

Stimulatien :

Ø      Methylphenidat (z.B. Ritalinâ)

Ø      D- Amphetamine (in D nicht im Handel)

Ø      Pemolin (z.B. Tradonâ )

Ø      Amphetaminil (z.B. AN1â , Aponeuronâ )

Ø      Fenetyllin  (z.B. Captagonâ)

Andere Medikamente:

Ø      Trizyklische Antidepressiva (z.B. Torfanilâ, Pertofanâ )

Ø      MAO - Hemmer (z.B. Aurorixâ)

In der Medikamentösen Therapie finden sich aber meist nur zwei Mittel die Anwendung finden. Dies ist zum einen das Medikament Ritalinâ und zum anderen der Bestandteil D-Amphetamin hiervon gibt es kein fertiges Medikament, sondern es wird, in flüssiger Form, individuell angemischt.

Die Bestandteile für 115 ml Saft sind:

 

Ø      Amphetaminsulfat                      2mg

Ø      Orangen o. Himbeer Aroma     5mg

Ø      Sorbitum Puriss. PU                  25,0g

Ø      Acidum Bencoic                        1mg

Ø      Aqua Purificata                          89,2g

 

Das Medikament Ritalinâ mit dem Wirkungsbestandteil Meylphenidat hat sich in der Therapie des hyperkinetischen Syndroms recht gut bewährt und wird weltweit am häufigsten eingesetzt. Aufgrund dessen ist es auch die meist erforschte Substanz.

Chemisch zeigt es strukturelle Verwandtschaft zu den Amphetaminen. Hinsichtlich der Pharmakodynamik wirkt Metylphenidat über eine Zunahme der Dopamin - Konzentration im synaptischen Spalt, v.a. in niedrigen Konzentrationen (Porrino und Lucignani 1987). Gleichzeitig wirkt Metylphenidat jedoch auch über eine Hemmung der Wiederaufnahme des Serotonins (dadurch kommt es zu einer Zunahme der Serotonin - Konzentration im synaptischen Spalt und damit zu einer verstärkten serotonergen Neurotransmission Zwangsstörung            

[8] und Hirnfunktion U. Hegerl, P. Mavrogiorgou 3/98) der Katecholamine (werden aus den sympathischen Nerven und aus der Nebenniere freigesetzten  Hormonlaboratorium Prof. Dr. B.A. PESKAR1996) an den Synapsen (Garratini und Mennini 1988), sowie über die Hemmung der Monoaminooxidase (Meffort und Potter 1989).

Wie aus dem vorangegangenen Schaubild zu entnehmen ist, zeigen Amphetamine strukturelle Ähnlichkeiten mit den körpereigenen Neurotransmittern Dopamin und Neuradrenalin. Durch  minimale strukturelle Unterschiede im Molekül des Weckamins liegt sein Wirkungsschwerpunkt im cerebralen Bereich. Nebenwirkungen auf die anderen Organe sind daher nur sehr gering.

Nach oraler Einnahme  gelangen die Substanzen recht schnell in das Zentrale Nervensystem (ZNS)

Metylphenidat und Amphetamine wirken nun über zum Teil unterschiedliche Mechanismen auf der Freisetzung dieser beiden Catecholamine. (Unter der Bezeichnung Catecholamine werden Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin zusammengefaßt. Zusammen mit dem Serotonin werden sie auch als Monoamine bezeichnet.)

 

Unterschiedlich sind die Angriffspunkte an dopaminergen Synapsen:

§         Metylphenidat induziert die Dopaminfreisetzung durch Initizerung der Reserpin-sensitiven Granula

§         Amphetamin setzt neusynthetisiertes zytoplasmatisches Amin frei

 

 

 

Abb.: Schema der Stimulanzwirkung an der dopaminergen Synapse [9]

 

1. Resepin-sensitive Granulals Wirkungsort   der Metylphenidat - induzierten Dopraminfreisetzung.

2. Freisetzung von neu-synthetischem zyto-    plasmatischem Amin durch Amphetamin

3. Wiederaufnahmehemmung des biognen Amins durch Metylphenidat und Amphe- tamin          

4. Hemmung der Monoaminoxidase durch Metylphenidat und Amphetamin 

5. Dopaminagnostische Wirkung der Stimulatien am Postsynaptischen Rezeptor

 

Als Ergebnis der Gebe von Metyphenidat, fluten vermehrt Neurotransmitter im synaptischen Spalt an. Sie interagieren mit postsynaptischen Rezeptoren und präsynaptischen Autorezeptoren.

Dieser Effekt führt zu einer erhöhten Verfügbarkeit der neurotransmitter im sympathischen Spalt.

 

Wichtig ist aber, dass die medikamentöse Therapie nie isoliert von einer der anderen therapeutischen Ansätze wie Ergo - Therapie; Verhaltenstherapie; oder eine der anderen für das Kind zutreffenden und notwendigen Ansätze in Form von Hilfen durch die Eltern, Erzieher und Lehrer. Dies sind einige Punkte die ich an dieser Stelle anführen möchte:

§         Strenge aber liebevolle Führung: Dies bedeutet, Konsequenz in allen wichtigen Dingen, die mit Bestimmtheit und Nachdruck durchgeführt werden müssen, aber auch Nachsicht  bei unwichtigem und Nebensächlichkeiten

§         Ständige Zuwendung und Lob: Durch Experimente weiß man, das Kinder sich durch Lob  verbessern und ohne Lob verschlechtern.

§         Ausschalten unnötiger Reize: Das Kind sollte möglichst weit vorne beim Lehrer sitzen, auf seinem Tisch sollten nur Dinge liegen die er unmittelbar benötigt.

§         Direkter-, körperlicher- und Blickkontakt: Der Lehrer der das Kind während der Arbeitsphasen öfters einmal Blickkontakt zu dem Kind aufnimmt, ihm beim Vorbeigehen die Hand auf die Schulter legt, wird ihm helfen.

§         Kurze Arbeitszeiten mit Strukturierung der Aufgaben in Einzelschritten: Wegen der geistigen Ermüdung bei der Kompensation von Wahrnehmungsstörungen kann das Kind besser zeigen was es wirklich kann.

§         Versagensangst abbauen: indem man dem Kind möglichst oft behilflich ist, Versagen zu umgehen.

§         Legal die Erlaubnis zur Bewegung: z.B. etwas holen lassen etc.

§         Ertragen der Langsamkeit: z.B. Aufgaben in und nach der Schule reduzieren.

§         Geduld: Stärkung des Kindes durch Motivation und Unterstützung, adäquate Möglichkeiten im angepasstem Tempo zu erlernen.  

 

8.  Interventionsmodelle nach Krowatschek [10]

Konzentrations-, Unaufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität sind in den vorangegangenen Kapiteln beschriebene Problem, die den Alltag von hyperaktiven Kindern bestimmen und wegen derer sich Eltern und Lehrer hilfesuchend nach Interventionsmöglichkeiten umsehen.

Krowatschek hat in seiner Tätigkeit als Schulpsychologe im Landkreis Marburg - Biedenkopf zwei kognitive - verhaltenstherapeutische Trainings entwickelt. Dies sind das Marburger Konzentrationstraining und das Marburger Verhaltenstraining für überaktive Kinder.

Das Ziel des Trainings ist es, eine alternative für Kinder, Eltern und Lehrer zu entwickeln um so eine Konkurrenz zu der medikamentösen Behandlung von überaktiven Kindern , welche zur Zeit noch Hauptbehandlungsmethode ist, darzustellen.

1.   Das Marburger Konzentrationstrainig

Das Marburger Konzentrationstraining ist eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Kurzintervention für Gruppen. Die eine Zielgruppe sind unruhige Kinder, bei denen Aufmerksamkeitsstörungen bzw. der impulsive Arbeitsstil in ihrem Problemverhalten im Vordergrund stehen. Wohin die andere Zielgruppe langsam und trödelnd arbeitende Kinder umfaßt.

Impulsive Kinder gehen eine Aufgabe ohne Strategie an, beachten meist die Aufgabenstellung nicht und vermitteln einem ein schnelles und oberflächliches Arbeitsverhalten. Meist sind sie mit einem negativen Selbstkonzept behaftet, so dass die Einstellung auch mißerfolgsorientiert ist.

Kinder welche sich durch ein langsames, trödelndes Arbeitsverhalten darstellen, beenden häufig ihre Arbeiten nicht. Sie kommen mit den Anforderungen der Schule nicht zurecht, fühlen sich schnell überfordert. Sie brauchen extrem viel Zeit für ihre Hausaufgaben.

Ziel dieses Marburger Konzentrationstrainings ist es den Kindern einen Arbeitsstil zu vermitteln, der sich durch systematisches angehen von Aufgaben und ein überlegtes und ohne inneren Zeitdruck Handeln auszeichnet. (Reflexiver Arbeitsstil)

a)   Trainingsziele

Neben dem Einüben eines reflexiven Arbeitsstils werden folgende Trainingsziele angestrebt:

§         Die Selbststeuerung soll erhöht werden und somit auch die Selbständigkeit des Kindes bei der Aufgabenbearbeitung.

§         Durch ein erfolgreiches Bearbeiten von Aufgaben im Training soll sich die Motivation des Kindes steigern, mit dem Ziel Aufgaben auch außerhalb des Trainings anzugehen und in de Schule mitzuarbeiten.

§         Der angemessene Umgang mit Fehlern soll ein Versagen in Leistungssituationen verhindern.

§         Durch die positive Zuwendung und das erfolgreiche Trainieren soll die Selbstakzeptanz / Selbstbild der Kindes erhöht bzw. verbessert werden

Dies und der intensive Kontakt zu Eltern und der Schule soll zu einem positiven von Interaktion geprägtem Miteinander zwischen Kind, Eltern und Lehrern führen.

b) Das Marburger Konzentrationstraining setzt sich aus den folgenden Inhalten zusammen:

§         Der Eigendiagnostik

Zu Beginn der Eigendiagnostik findet zu Erfassung des Problemverhaltens des Kindes in der Schule ein ausführliches Gespräch mit dem Lehrer statt. Weiter wird eine zweistündige Beobachtung durchgeführt. In einem Gespräch mit den Eltern des Kindes werden wichtige Informationen seiner Entwicklungsgeschichte und der momentanen Situation erfaßt. Die Eltern werden dabei nach ihrer Einschätzung der Problems mit dem Kind befragt. Des weiteren erfolgt eine Intelligenzdiagnostik.

§         Das Training für das Kind

Die Voraussetzung für die Teilnahme eines Kindes ist, dass es von seiner Problematik in dieses Training paßt. Dies bedeutet, es muß mindestens durchschnittlich intelligent sein und von seinen physischen und sozialen Fähigkeiten in der Lage sein, am Training teilzunehmen.

§         Dynamische Übungen und Entspannung

Der Aufbau einer Trainingsstunde gliedert sich in verschiedene Phasen. Zu Beginn steht die Dynamische Übung. Dies sind Spiele zum Abbau der Spannungen, Unruhe und Dynamik, Befindlichkeits - Symptome mit denen die Kinder von zu Hause kommen. Im zweiten Schritt kommen die Entspannungsübungen in Form von Phantasiereisen, Entspannungsgeschichten mit Musik. Dieses Sich- darauf- einlassen der Kinder wird mit einem Verstärker belohnt, damit für die Kinder ein Anreiz besteht sich überhaupt auf diese Form einzulassen.

§         Verbale Selbstinstruktion

Die verbalen Selbstinstruktion geht auf die Methode des Selbstinstrukionstrainings zur Intervention bei impulsiven Kindern, von Meichenbaum / Goodmann 1969, zurück. Jeder Mensch hat mit der Entwicklung die Fähigkeit der "zielgerichteten inneren Sprache" [11] erworben. Sozusagen das innere Vorsagen. Bei Kindern mit Konzentrationsstörungen zeigen sich nicht nur Defizite in der kognitiven Steuerung, sondern auch ein Mangel an aufgabenbezogenen Selbstinstruktionen. Diese Kinder führen das Wichtige "innere Sprechen" während der Bearbeitung einer Aufgabe nicht aus [12] . Ein Ziel dieses Konzentrationstrainings ist es, den Kindern das "innere Sprechen" beizubringen.

§         Differenzierte Aufmerksamkeit

Die differenzierte Aufmerksamkeit wird mit Hilfe verschiedener Übungen trainiert. Das genaue Beobachten und Unterscheiden wesentlicher von unwesentlichen Reizen sind Ziel dieser zum Teil sehr spielerischen Übungen. Das Trainieren der verbalen Selbstinstruktion ist ein weiterer Schwerpunkt dieser Übungen.

§         Geschicklichkeits- und Reaktionsspiele

Dies Selbstinstruktionsübungen, welche von den Kindern höchste Konzentration und auch motorische Ruhe verlangen, werden mit den Geschicklichkeits- und Reaktionsspielen abgewechselt. Dies sind Spiele mit hohem Aufforderungscharakter und der Möglichkeit zur motorischen Aktivität. Die Motivation trainieren zu wollen bleibt so gewährleistet. Gleichzeitig sprechen die Spiele die Wahrnehmung an. Es werden neben der Fingerfertigkeit auch die Reaktionsschnelligkeit und das Erlangen einer höheren Frustrationstoleranz geübt.

c)  Verhaltenskonsequenzen

Weitere wichtige Eckpunkte der Therapie, des Trainings sind die Verhaltenskonsequenzen. Diese spielen während des gesamten Trainings eine entscheidende Rolle. Sie sind neben den Übungsmaterialien die Werkzeuge der Trainer. Die Modifikationsmethoden betonen, dem Kind über positive Verhaltensweisen Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Das Arbeiten mit Verstärkerplänen, der gezielte Einsatz von Lob, Beziehung, Wertschätzung  und die  Methode des Ignorierens mit positivem Modell sowie das Time-out  (Strafreiz - Problemhaftes Verhalten wird nicht mehr verstärkt), sind die verhaltenstherapeutischen Säulen des Trainings.

d) Elternarbeit

Die begleitende Elternarbeit - Kontakt zu den Eltern bekommen -, besteht aus fünf thematisch strukturierten Elternabenden in denen den Eltern die Methode nahe gebracht wird. Auch wird ein "Hausaufgaben-Video" erstellt, welches die Interaktion der Hauptsächlich an der Erziehung beteiligten, wiedergeben soll. Ausgewertet wird das Video nach dem Prinzip des Video-Feedback (nur positives Feedback). Die Elternabende, von denen fünf gemacht werden, stehen jeweils unter einem Hauptthema. Diese sind:

1.      Vorstellen des Trainings

2.      Hemmende und fördernde Faktoren von Konzentration

3.      Besprechung des Hausaufgaben-Videos

4.      Funktion von Lob und Strafe

5.      Abschlußbesprechung mit Vorstellung des Fördermaterials

Wichtig sind weiter der Kontakt zu den Lehrern und die Nachbetreuung. Diese Nachbetreuung beinhaltet die Möglichkeit jederzeit wieder in ein Training aufgenommen zu werden ohne Wartezeit.

2.   Das Marburger Verhaltenstraining für überaktive kinder

Auch das Marburger Verhaltenstraining ist eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Gruppenintervention, die speziell für überaktive Kinder entwickelt wurde. Es werden Fertigkeiten trainiert, die dem Kind eine Hilfe im Alltag sein sollen. Es soll lernen, sein Verhalten besser zu steuern. Ein Veränderung des Temperaments und der Persönlichkeit des Kindes wird nicht beabsichtigt und ist auch nicht erwünscht.

a)        Die folgenden Ziele werden in dem Verhaltenstraining angestrebt:

 

§         Die emotionale und soziale Situation des Kindes soll entlastet werden.

§         Es soll die Selbstakzeptanz durch entsprechende Übungen, erfolgreiches Trainieren und die positive Wertschätzung von Seiten der Trainer erhöht werden ( und dadurch die emotionale Verfassung des Kindes, sowie sein Selbstbild verbessert werden).

§         Die Selbstwahrnehmung trainieren und somit dem Kind eine bessere Impulskontrolle ermöglichen. Dies soll ihm den Umgang mit anderen erleichtern, bevor es zur Entwicklung massiver Verhaltensstörungen und zu Schulversagen kommt.

§         Erfahren spezieller Übungen, die das Sensibilisieren auf die eigenen Gefühle und die der andern zum Inhalt haben. Reduzierung der Störmanöver und Verbesserung der Aufmerksamkeitsleistung eröffnen dem Kind in der Schule Leistungsmöglichkeiten

§         Die Wahrnehmung und Akzeptanz anderer Menschen und ihre Bedürfnisse soll geschult und Kompetenzen im Umgang mit anderen sollen trainiert werden. Durch eine höhere Konfliktfähigkeit, und durch das Wissen um Strategien, sollen Probleme im Sozialbereich für das Kind alternativ lösbar machen.

§         Für jüngere Kinder (6-8 Jahre) stehen das Einüben von Strukturen und das Akzeptieren von Regeln als Trainingsziel im Vordergrund.

§         Durch den Kontakt zu den Eltern und die Aufklärung über die Probleme ihrer Kinder wird versucht, die Situation für die Eltern und das Kind zu verbessern.

§         Ein guter Kontakt zu den Lehrern soll für mehr Verständnis sorgen und dem Kind in der Schule dadurch wieder Möglichkeiten eröffnen.

§         Die Nachbetreuung soll Eskalationen der Probleme in der Zukunft vermeidbar machen.

b)        Die Bausteine des Verhaltenstrainings sind:

 

·        Die Elternarbeit mit drei Einzelgesprächen

·        Das Training für das Kind mit Eingangsdiagnostik, 15 Trainingsstunden, dem Trainingsheft, dem Abschlußbrief und der Nachbetreuung.

·        Der Kontakt zu den Lehrern mit Gesprächen und Trainingsinhalte in der Schule.

Die verschiedenen Ansatzpunkte erklären sich aus der Auffassung, das Kind nicht isoliert als Problemverursacher zu sehen, sondern im Sinne der Ganzheitlichkeit auch das Umfeld mit einzubeziehen und zu untersuchen in wieweit das Umfeld mitarbeiten oder sich verändern kann, um Schwierigkeiten zu reduzieren. Die Einstellung zum Kind und seiner Problematik sollen im Vordergrund stehen.

Da sich die beiden Konzepte Konzentrationstraining und Verhaltenstraining in vielen Punkten ähneln sollen hier die Unterschiede dieses Trainings aufgezeigt werden.

 Die Eingangsdiagnostik

Die Eingangsdiagnostik besteht aus einem Gespräch mit zwei Lehrern und einer Unterrichtsbeobachtung zur Erfassung des Problemverhaltens in der Schule (Arbeits- und Sozialverhalten und Motorik), dem Anamnesegespräch mit den Eltern unter  Verwendung der Marburger Verhaltensliste welche von den Eltern ausgefüllt werden soll und einer Erfassung des Problemverhaltens zu Hause. Einweitere Teil ist die Intelligenzdiagnostik mit dem K - ABC (Kaufman Assessment Battery of Children). Weiter werden verschiedene Untertests des K - ABC gemacht aus den Bereichen Aufmerksamkeitssteuerung und motorische Unruhe.

§         Das Training für das Kind

Auch hier ist die Voraussetzung zur Teilnahme am Training, dass das Kind von seiner Problematik in dieses Training passt, es muß kognitiv, physisch und sozial in der Lage sein am Training teilzunehmen. Mangelnde Aufmerksamkeitssteuerung können Ursache sein für ein schlechteres Abschneiden bei Intelligenztests.

Eine besondere Voraussetzung ist, dass das Kind keine Psychopharmaka bekommt. Die Eltern werden gebeten, zumindest für die Zeit des Trainings, mit allen anderen Maßnahmen zur Regulierung des überaktiven Verhaltens auszusetzen.(Diäten, Spieltherapie o.ä.)

Es finden wöchentlich mindestens 15 Trainingssitzungen a' 75 Minuten in der Schulzeit statt. Die Kinder werden in Gruppen von 3 bis 6 Kindern zusammengefaßt. Die Gruppen setzen sich fast ausschließlich aus Jungen zusammen, in den seltensten Fällen nimmt ein Mädchen an der Sitzung teil. Dies spiegelt das Geschlechterverhältnis bei dem Phänomen der Überaktivität wider.

Inhalt der Verhaltenstherapie sind die Elemente der Rational- Emotiven Therapie RET und der Rational- Emotiven Erziehung REE nach dem Konzept von Ellis, Bernard und Joyce. Diese setzen, entgegen den anderen kognitiven Therapien, an den Veränderungen der Gefühle an. Wobei "unangemessene und krankmachende Gefühle" durch "nützliche Gefühle" ersetzt werden sollen.

c)        Eine Trainingsstunde ist aufgegliedert in :

§         Entspannung

Übungen wie bei dem Konzentrationstraining. Den Kindern fällt es aber schwerer sitzen zu bleiben.

§         Übungen zur Selbstwahrnehmung oder

Die Wahrnehmung wird auf wichtige Aspekte der eigenen Person und der Person anderer Kinder gelenkt. Hierzu gehören Gefühle und Gedanken, sowie Bedürfnisse, Ängste und Wünsche, aber auch Eigenarten.

§         Übungen zur Selbstakzeptanz und zur Akzeptanz anderer oder

Die Übungen der Selbstakzeptanz und zur Akzeptanz anderer, soll die Kinder auf ihre eigenen Stärken und die anderer hinweisen und diese akzeptieren lernen. Diese Übungen nehmen einen wichtigen Stellenwert ein, da diese Kinder meist ein negatives Selbstbild von sich haben.

§         Übungen zur Sensibilisierung auf eigene Gefühle und auf die anderer oder

Bei den Gefühlsübungen setzten sich die Kinder auf verschiedenen Ebenen und mit verschiedenen Materialien mit ihren Gefühlen auseinander.

§         Übungen zur differenzierten Aufmerksamkeit

Die Übungen umfassen für das Verhaltenstraining nur spielerische Elemente, nämlich KIM - Spiele und die Walter - Bücher.

§         Geschicklichkeits- und Reaktionsspiele

In dieser Teil des Trainings ist es wichtig im Gegensatz zum Konzentrationstraining, dass sich die Kinder bei den Spielen ausagieren können. 

§         Spielphasen 

Dieses Training wird auch mit einer Spielphase beendet

d)        Die begleitende Elternarbeit

Die Elternarbeit ist für beide Elternteile Pflicht und eine Voraussetzung für die Teilnahme des Kindes am Training. Außerdem wird von den Eltern verlangt, wie bereits angeführt, dass die Kinder während des Trainings keine Psychopharmaka bekommen. Hier führt Kowatschek verschieden Gründe an:

-         Situatives anpassen der  Medikamente durch die Eltern (bei einer Feier etwas mehr)

-         Nebenwirkungen

-         Aufgrund der Medikamente nicht mehr homogenes Verhalten in Bezug auf andere Kinder der Gruppe (anderes Temperament)

 

1. Persönliche Daten

Sandro A. G. wurde am 25. Februar 1991 in M. geboren.

Sandro besuchte mit drei Jahren den Kindergarten.

Der Vater ist deutscher- die Mutter ist italienische Staatsbürgerin, aber in Deutschland geboren, Sandro wohnte bis Juli bei seiner Mutter.

Die Mutter hat 1998 im Rahmen der "Hilfe zur Erziehung", für Sandro Unterstützung in Form einer Fremdplazierung durch das Amt gewünscht. Seit Juli 1998 wohnt Sandro in einer Familienwohngruppe in Hahnstätten mit fünf weiteren Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 1 ½ - 17 Jahren. Er ist im Gegensatz zu seiner Herkunftsfamilie in der Gruppe der zweit Jüngste.

 

2. Anlaß bzw. Grund der Förderung

Aufgefallen ist mir bei Sandro, sein eigenwilliges Spielverhalten. Die Eigenmotivation zum Spielen, bzw. die Fähigkeit, die aus dem Illusionsspiel/ Symbolspiel bekannten Elemente, wie die Realität nach seinen Vorstellungen umzudeuten, sind bei ihm sehr beeinträchtigt bzw. gar nicht wahrzunehmen.

Da uns aus der Kindergartenzeit nichts bekannt ist und uns so der Einblick in sein früheres
Verhalten fehlt, ist es notwendig ihn zu beobachten, um eine Einschätzung davon zu bekommen, in welchem Entwicklungsalter er sich befindet.

Für Sandro ist eine Förderung eine Möglichkeit zur Unterstützung in den unterschiedlichsten Einflußbereichen, dies sind unter anderem die Kommunikation, Widerstand überwinden, Beherrschung und Abreaktion.

 

Bei Sandro ist derzeit ein Punkte die Kommunikation. Die Möglichkeit des sprachbegleitenden Spiels könnte ein Förderansatz bei ihm werden. Sandros Sprachproblematik kann auf diesem Weg positiv unterstützt werden.

Sandros Regelverständnis ist sehr unstrukturiert, er tut sich mit Regelverhalten sehr schwer. Er versucht die Regeln nach seinem Geschmack zu ändern.

Ein weiterer wichtiger Ansatz für eine Förderung ist seine motorische Feinsteuerung. Ein Versuch sein motorisches Verhalten näher zu charakterisieren sieht folgendermaßen aus: Sandro bewegt sich, im Vergleich zu Kindern ohne Hyperkinetisches Syndrom, viel zu schnell, zu hastig. Er verwendet sehr viel Kraft für seine Bewegungen. Das Ergebnis ist,  er ist nach kurzer Zeit schweißgebadet. Sein Bewegungshaushalt ist zu aufwendig, alles verläuft hyperdynamisch, maßlos und ungestüm. Auch seine Sprache ist überlaut.

Sandros Verhalten beim Spiel außerhalb seines Zimmers oder der Gruppe ist geprägt von sehr viel Bewegung. Er rennt herum und tobt bis er körperlich nicht mehr kann, er ist dann schweißgebadet.

Ein weiterer und eigentlich der wichtigste Grund warum mir eine Förderung bei Sandro als sehr elementar erscheint, ist sein Verhalten in der Schule (siehe Beobachtetes Verhalten). Trotz seiner durchschnittlichen Intelligenz fällt es Sandro schwer seine Ressourcen zu nutzen. Er erweckt den Anschein, als stehe er sich aufgrund seines Verhaltens selbst im Wege. Ein weiterer für die Förderung wichtiger Aspekt ist seine Kraftdosierung im Umgang mit Schreibmaterial. Er zeigt einen sehr hohen Muskeltonus, die Hand wirkt verkrampft. Es fällt ihm sichtlich schwer, genaue, flüssige Bewegungen auszuführen. 

 

3. Familiensituation

Sandro ist das älteste Kind von vier Kindern. Seine jüngeren Geschwister sind fünf Jahre, zwei Jahre und neun Monate. Die zwei älteren Kinder sind seine leiblichen Geschwister, das jüngste Kind ist sein Stiefbruder.

 

Die Familie wohnt im sozialen Brennpunkt in M.. Der leibliche Vater ist von der Mutter geschieden, sie wohnt mit dem Kindesvater des jüngsten Kindes und den zwei anderen Kindern zusammen.

Die Familie wird seit ca. drei Jahren im Rahmen der sonderpädagogischen Intensivbetreuung durch eine Familienhelferin betreut.

Seine Mutter hat nach eigenen Angaben keinen Einblick darüber, was ihr Kind momentan gerne spielt, da sie sehr selten mit ihm gespielt hat.

Seit ca. 1½ Jahren betreut die jüngere Schwester des neuen Lebensgefährten die Kinder.

Seit der Ehemann aus der Familie heraus ist, wohnt der neue Lebensgefährte der Mutter mit in der Wohnung. Einen großen Einfluß auf die Kindesfamilie hat die achtköpfige Familie des Lebensgefährten der Mutter. Die Familie unterstützt die Mutter in den unterschiedlichsten Bereichen - Kinderbetreuung, Haushalt etc.

 

4. Anamnese

Die Mutter berichtet, dass die  Schwangerschaft und die Geburt insgesamt unauffällig gewesen sei. Er habe mit 12 Monaten begonnen zu sprechen. Die weitere Sprachentwicklung sei dann stark verzögert verlaufen.

 

Aus Erzählungen der Mutter wurde bekannt, dass Sandro in ihrer Abwesenheit, seit seinem 1. Lebensjahr, bei Störungen vom Kindesvater geschlagen wurde. Erst als es für sie ganz offensichtlich wurde, dass Sandro litt und auch der Kinderarzt ihr zur Aufgabe ihrer Arbeit riet, zog die Kindesmutter für acht Monate zu ihren Eltern und anschließend nach Italien.

Drei Monate später, zurück in Deutschland, paßte ihre Mutter auf Sandro auf, während sie selbst arbeitete.

 

Nach einiger Zeit zog sie wieder zurück zu ihrem Mann und wurde wieder schwanger. Von dieser Zeit an erlebte Sandro wieder Gewalt, auch seitens der Mutter. Auch das zweite Kind und die Kindesmutter wurden geschlagen. Aus Angst vor der Herausnahme der Kinder verheimlichten die Kindesmutter und der Kindesvater die Vorfälle.

Erst als eine befreundete Familie aus dem Wohnhaus der Kindesmutter helfend eingriff, und die Mutter in ihrem Handeln unterstützte, gelang es ihr sich von ihrem Ehemann zu trennen und ihn aus der gemeinsamen Wohnung zum Ausziehen zu drängen.

In diese Zeit fällt auch die Betreuung durch den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) in Form einer Familienhelfer - Maßnahme. Im Rahmen dieser Maßnahme wurde Sandro auch zunächst spieltherapeutisch und ab Sommer 1996 auch logopädisch betreut.

 

In der Zeit vom 20.02 bis 8.04.1997 ist Sandro zu einer stationären Behandlung in die Klinik für Kommunikationsstörungen in M. aufgenommen worden. Die dort erstellte Diagnose lautete "schwere Sprachentwicklungsverzögerung und psychomentale Entwicklungsverzögerung". Die Klinik hat die Aufnahme Sandros in das Landessprachheilzentrum in Meisenheim empfohlen.

 

Aufgrund seiner Sprach- und Entwicklungsverzögerungen ist Sandro für das Schuljahr 1997/98 vom Schulbesuch zurückgestellt worden. Er besuchte im Zeitraum vom 1.08.1997 bis 6.01.1998 den Schulkindergarten der Pestalozzischule in M..

 

Ab Januar bis Juni 1998 ist Sandro im Sprachheilzentrum in Meisenheim betreut worden. Der Bericht über die sprachtherapeutische Behandlung beschreibt, dass während des Behandlungsverlaufs bald deutlich geworden sei, dass Sandros Verhaltensauffälligkeiten gravierender seien als die sprachliche Entwicklungsverzögerung.

 

Nach Beobachtungen der Therapeuten sei Sandro ein durchschnittlich begabtes Kind. In den Tests zeige er aber nur unterdurchschnittliche Leistungen. Der Grund für diese Diskrepanz sei Sandros Lernverhalten. Er arbeite unmotiviert; fahrig und sei leicht ablenkbar.

Bei wiederholten Tests habe er schon deutlich bessere Ergebnisse erzielt.

Der Bericht empfiehlt für Sandro die Einschulung in die Sonderschule für Lernbehinderte aufgrund seiner Auffälligkeiten im emotionalen und sozialem Bereich sowie aufgrund seines Lern- und Leistungsverhaltens.

 

Seit dem Schuljahr 1998/1999 ist Sandro vorläufig in die Sonderschule für Lernbehinderte in Altendiez eingeschult worden. Er besucht dort die Klasse 1-3.

Die Klassenlehrerin berichtet, dass Sandro in die Klassengemeinschaft integriert sei. Er könne Arbeitsanweisungen verstehen und sie umsetzen. Er bearbeitet Aufgaben zügig, da er schnell fertig werden möchte. Dabei falle die Bearbeitung oft nicht sehr sorgfältig aus. Die Lernanforderungen an sich scheinen ihm keine Schwierigkeiten zu bereiten. Er braucht viel Bestätigung beim Lernen.

Sandro scheine mit der Dauer eines langen Schultages (vor allem 5./6. Stunde) überfordert zu sein. Dann treten Verhaltensauffälligkeiten  wie  motorische Unruhe, Ablenkbarkeit, provozierendes Verhalten, aggressive Auseinandersetzungen mit Gegenständen, Mitschülern und unter Umständen auch Lehrpersonal vermehrt auf. Nach Meinung der Klassenlehrerin zeige Sandro eine Beeinflußbarkeit in seinem Verhalten, was für sie eine günstige Prognose bezüglich seiner Verhaltensproblematik darstellt.

 

5. Diagnose

Sprachentwicklung:   Dysgrammatismus - Bericht des Sprachheilzentrums Meisenheim

                                   Lautverbindungsstammeln -

Psychosoziale          Deprivation - Beschreibung / Bericht des Jugendamtes

Entwicklung            Physische und Psychische Mißhandlung vom Säuglingsalter an

Sensorische

Integration:                evtl. Hyperkinetisches Syndrom - Abklärung durch Testverfahren -

mögliche Unterempfindlichkeit des vestibulären Systems - Rückschlüsse aus dem Beobachteten Verhalten -      

                                   Wahrnehmungsbeeinträchtigung im auditiven Bereich, der auditiven

Wahrnehmung  und dem auditiven Gedächtnis. - sonderpädagogisches Gutachten der Sonderschule

                                  

6. Beschreibung des Kindes, wie es von den Eltern bzw. von anderen   Bezugspersonen gesehen wird.

Sandro wird von den Eltern als sehr lebhaft dargestellt. Er ist das älteste Kind in der Geschwisterreihe von vier Kindern. Die Mutter beschreibt ihn als sehr schwierig. Er würde seine anderen Geschwister körperlich unter Druck setzen. Auseinandersetzungen löst er meist auf die ihm bekannteste und seiner Meinung nach wirkungsvollste Art, mit körperlichen Mitteln.

Beim Fernsehen im Kinderzimmer bestimmt er grundsätzlich das Programm. Er würde mit dem zweitältesten Bruder ständig im Klinsch liegen. Wenn es der Mutter zuviel wird, schickt sie ihn raus. Der Kindesvater hätte ihn dann immer in sein Zimmer eingesperrt und erst nach Stunden wieder raus- gelassen. Sie und ihr neuer Partner würden dies aber nur sehr selten tun und dann auch nur für kurze Zeit. Wenn Sandro nach einer Beurlaubung von Zuhause abgeholt wird, teilt die Mutter ihre Erleichterung mit, er sei zum Ende der Beurlaubung immer schwieriger geworden. Die Mutter wird, nach ihrer Aussage, durch Sandro an ihren geschiedenen Mann erinnert.

Zu besseren Einschätzung von Sandro habe ich die Schule gebeten, einen Beobachtungsbogen auszufüllen. Anhand dieses Bogens soll versucht werden, wie sich Sandro in der Schule verhalt und wie er wahrgenommen wird. (siehe Connersbogen Seite 32 u. 33  im Anhang)

7. Medizinische und Psychologische Diagnostik

1997 wurde Sandro in der Universitätsklinik M. / Klinik für Kommunikationsstörungen stationär eingewiesen zur Abklärung seiner Sprachentwicklungsverzögerung.

Nach seinem Aufenthalt in der Klinik wurde Sandro nach einem halben Jahr  im Landessprachheilzentrum in Meisenheim aufgenommen.

Aufgrund dieser Aufnahmen wurden verschiedene Testverfahren angewandt und Untersuchungen durchgeführt.

Ich möchte hier die Ergebnisse der medizinischen als auch der psychologischen Testreihen aufzeigen.

 

a)       Medizinische Diagnostik:

 

Bei den Blutuntersuchungen gab es keine Auffälligkeiten, ebenfalls ohne Befund war die Hals - Nasen - Ohr Untersuchung.

Bei dem EEG der Universitätsklinik wurde der Verdacht auf konstitioneller Erregbarkeitssteigerung geäußert.

 

Eine Untersuchung der Schilddrüsen, mögliche Allergien oder eine Beeinträchtigung aufgrund von Schwermetallen wurde noch nicht gemacht.

 

b)       Psychologische Diagnostik:

 

Testverfahren:                                               

Ergebnis

Datum

Kaufmann ABC:                                                  

IQ = 73

April 97

Frostig Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung:

Visomotorische Koordination

Figuren Grundwahrnehmung

Wahrnehmungskonstanz

Wahrnehmung der Raumlage

Wahrnehmung der räumlichen Beziehung

%-Rang1

PR = 1

PR = 7

PR = 10

PR = 13

PR = 8

Februar 97

 

 

 

 

 

MVPT – Motorikfreier Wahrnehmungstest:

Perzeptionsalter

Perzeptionsquotient

 

4 Jahre

61

März 97

PET Psycholinguistischer Entwichklungstest:

Symbolfolgen – Gedächtnis

Zahlenfolgen – Gedächtnis

 

PR 34

PR 0,2

März 97

POD - Prüfung der optischen Differenzierungsfähigkeit

PR 9

März 97

GMT – Graphomotorische Testbatterie

GMQ = 55

Es zeigen sich erhebliche Probleme Strukturen zu erkennen, zu differenzieren

März 97

MOT - Motoriktest für 4 - 6 jährige Kinder:

MQ = 100

März 97

AWST

=%-Rang 1

Februar 98

Ryenell – Test

Entw. Alter = 4,04 vergl. Lebensalter = 6,11

Februar 98

FBIT - French – Bilder - Intelligenz- Test

IQ = 73

Februar 97

FBIT - French – Bilder - Intelligenz- Test

IQ = 70

Februar 98

CPM - Colourd Progressive Matrice nach Raven

IQ = 74  (63 - 85)

Februar 97

CPM - Colourd Progressive Matrice nach Raven

IQ = 98  (86 - 109)

Oktober 98

Göppinger sprachfreier Schuleignungstest

IQ = 85

Februar 98

Göppinger sprachfreier Schuleignungstest

IQ = 93

April 98

CFT 1 Grundintelligenztest Cattell/Weiß/Osterland

IQ = 94  (84 - 104)

Oktober 98

 

 

8. Beobachtetes Verhalten vor den Interventionen

Sandro ist seit ca. 5 Monaten in der Gruppe und beginnt sich nur sehr schwer einzugewöhnen. Sandro muß jeden Morgen um 5.45 Uhr aufstehen und um 6.30 Uhr aus dem Haus gehen. Sein Bus fährt um 6.45 Uhr. Er fährt sehr gerne zu Schule es macht ihm nach seinen Aussagen auch Spaß.

 

Wenn Sandro nicht die erwartete Aufmerksamkeit von der erwachsenen Bezugsperson in der Gruppe oder Schule bekommt, dann provoziert er und wird wütend; er fegt Material vom Tisch, schlägt Türen und schimpft.

In der Einzelsituation dagegen verhält er sich unauffällig und sucht die Anerkennung der erwachsenen Bezugsperson.

In Auseinandersetzungen mit anderen Kindern verhält sich Sandro in Situationen die für ihn eine Überforderung oder vielleicht sogar eine Bedrohung sind, aggressiv ( mit Worten und Fäusten ).

 

Beobachtung einer Unterrichtsstunde Dezember 1998

 

Bevor morgens ihre 2. Schulstunde beginnt, beklagen sich einige Schüler der Klasse über Sandro, würde ihnen die Mützen herunterreißen!

 

8.15            Uhr : Sandro dreht sich verkehrt herum und schreit laut

8.16 Uhr : Er rutscht auf seinem und dem freien Nachbarstuhl hin und her, steht auf und schiebt  die Stühle wie ein Kinderwagen vor sich her.

8.17 Uhr : Er spannt ein Gummi zwischen beide Hände und spielt damit.

8.19 Uhr : Er ruft den Namen eines Mädchens

8.20 Uhr : Er legt sich auf den Tisch

8.22 Uhr : Er spielt wieder mit dem Gummiring und zielt auf Kinder: Nach einer Mahnung, den

         Gummi herzugeben, schiebt er ihn in den Ranzen.

8.24 Uhr : Sandro steht auf und schlägt um sich.

8.25 Uhr : Er durchwühlt ohne erkennbaren Grund seinen Ranzen

8.26 - 8.30 Uhr : Sandro malt an einem Mandala

8.31 Uhr : Er steht auf und schlägt Kevin

8.37 Uhr : Sandro fällt vom Stuhl

8.38 Uhr : Er steht auf und geht zum Fenster, er schaut hinaus.

8.40 Uhr : Er setzt sich nach Aufforderung durch die Klassenlehrerin und durch vorsichtiges

                an dem Arm nehmen wieder auf seinen Platz. Sandro hört den Ausführungen zu.

8.44 Uhr : Sandro steht plötzlich auf und schreit "Supermann"

8.46 Uhr : Er legt die Beine auf den Stuhlrücken, dreht der Tafel den Rücken zu.

8.48 Uhr : Er zieht Grimassen und legt sich auf den Tisch.

8.50 Uhr : Nachdem die Lehrerinn ihn noch einmal persönlich angesprochen hat und ihn dabei

                an der Schulter berührt hat, erledigt Sandro seine Aufgaben im Fach Mathematik

8.55 Uhr : Sandro versucht seinen Stift zu spitzen, den Spitzer findet er nicht obwohl er direkt vor

                ihm liegt.

8.56 Uhr : Er geht an den Nachbartisch und nimmt sich den seines Mitschülers

8.57 Uhr : Der Mitschüler schubst ihn, es kommt zu einer körperlichen Auseinandersetzung.

                Die Lehrerin greift ein. 

9.00 Uhr : Ende der Unterrichtsstunde

 

Sandro zeigt in dieser Stunde eine extreme motorische Unruhe. Es ist ihm fast unmöglich dem Unterricht zu folgen. Er konnte sich nur schwer auf das Geschehen in der Stunde einlassen, er war sehr leicht abzulenken. Seine Störmanöver waren auffällig es war ihm nur möglich durch Körperkontakt sich für kurze Zeit zu zentrieren.

Bezogen auf den Spitzer hat er diesen nicht gefunden, da er nicht an dem dafür vorgesehen Platz war.

Seine Frustrationstoleranz ist sehr niedrig. Kritik kann er nur sehr schwer ertragen.

In Rücksprache mit den Lehren und bei Auswertung der Tests im Gutachten der Schule zur Erhebung des Förderbedarfs fällt eine Diskrepanz zwischen der offenkundigen Intelligenz und der Leistung auf, die Sandro zeigt.

 

Sein Verhalten innerhalb des Unterrichts ist laut Aussage von seiner Klassenlehrerin als sehr problematisch einzustufen. Es fällt ihm sehr schwer, wie aus der Beobachtung ersichtlich, sich längere Zeit zu konzentrieren. Er ist immer wieder in Bewegung seine Ruhepausen sind ca. 6-8 Minuten, dann ist er wieder in Aktion.

Seine Wutausbrüche sind zum Teil als bedenklich einzuordnen. Er schmeißt mit Gegenständen gegen die Kinder und Lehrkräfte. Er kann es nicht verstehen wenn die Lehrerin ihn dann von Gemeinschaftsaktionen ausschließt.

Sandro geht auch körperlich gegen seine Klassenlehrerin. Bespricht man mit ihm sein Verhalten zeigt er sich einsichtig und verspricht es nicht mehr zu tun.

In Einzelsituationen sind die Aufmerksamkeitsspannen länger. Er ist in der Lage sich ca. 10 Minuten lang mit einer Aufgabe zu beschäftigen.

Sein Schriftbild wirkt bei allen Aufgaben wie ein ritzen. Es sind keine flüssigen Bewegungen, der Arm wirkt wie unter Spannung.

Im Schwimmunterricht ist Sandro einer der besten, es fällt ihm leicht und es macht ihm auch sehr großen Spaß im Wasser herumzutoben. Phasen in denen an ihn eine Anforderung gestellt wird hüpft er immerfort herum, sieht in die Luft oder aus dem Fenster hinaus. In diesen Momenten ist es wichtig, dass er eine Bezugsperson in seiner Nähe hat.

 

Wird Sandro mit Spielmaterial konfrontiert, welches von seinem chronologischen Alter von 7 Jahren entsprechen wäre, z.B. Legobausteine für die Altersgruppe ab 5 Jahren, so ist er nur sehr eingeschränkt in der Lage dies zu benutzen. Ohne Anleitung und Hilfestellung ist er nicht in der Lage Konstruktionen wie z.B. ein Haus zu bauen. Er verliert sehr schnell die Konzentration und wechselt dann sofort das Material, bzw. er geht zum Fenster und sagt "Ihm sei Langweilig".

 

Mit Holzbausteinen die größer sind als die Legosteinchen, ist er nach Aufforderung und unter zu Hilfenahme von Verstärkern in der Lage eine kleine Spiellandschaft zu gestalten - Garage für Autos -. Das gleiche gilt für den Umgang mit den Lego® - Duplo® - Steinen die für die Altersgruppe von 2-6 Jahren gedacht ist. Er benötigt dann, bezogen auf das Erbaute, Lob und Anerkennung. Der Umgang mit dem Spielmaterial ist in Augenblicken in denen er sehr erregt ist äußerst destruktiv. Er schmeißt es zum Teil aus dem Fenster, springt mit den Füßen solange darauf herum, bis es  kaputt ist.

 

 

 

Um Sandro in den Zeiten in denen er zwar mit seinen Hausaufgaben fertig ist, aber sich leise in seinem Zimmer beschäftigen soll zu unterstützen, war ein Versuch unserer Seite ihn mit Malen ein beruhigende Tätigkeit und Aufgabe zu geben. Sandro zeigt nur sehr kurze Phasen in denen er sich auf seine Beschäftigung (malen) konzentrieren kann, nach ca. fünf Minuten beginnt er sehr unsauber die Figuren auszumalen. Freies malen kann er in Form von Kritzel - Zeichnungen die für den Betrachter ein [13] wildes durcheinander von Farben  sind. (Siehe Abb.1)Ausmalen von Bilderbüchern ist für Sandro eine Arbeit, die er nur ungern verrichtet (siehe Abb.2). Auch Mandalas können ihn nicht ansprechen.

Sandro fährt gerne Fahrrad. Er nimmt dabei mal die rechte Seite, mal die linke Seite der Straße. Andere Verkehrsteilnehmer nimmt er nur sehr eingeschränkt wahr. Er fährt dann solange, bis er schweißgebadet vom Fahrrad steigt und in die Wohnung kommt.

 

Hält Sandro sich in der Wohnung auf, ist es ihm nur sehr schwer möglich eine geeignete Beschäftigung zu finden. Er geht von einem Zimmer zum anderen, sieht in die Zimmer hinein. Die anderen Kinder fühlen sich dadurch gestört und es kommt oft zu Auseinandersetzungen. In seinem Zimmer kann Sandro nur sehr kurz eine ruhige Beschäftigung finden. Er geht immer wieder an die Tür, bzw. hat diese immer offen. Er kontrolliert ob jemand in seiner Nähe ist. Sieht er keinen, geht er ins Wohnzimmer um etwas zu trinken. Mit dem Hinweis, bitte in seinem Zimmer zu bleiben, geht er dann wieder.

 

Sandro beschäftigt sich, wenn es die Umstände zulassen, sehr gerne mit Wasser, Schlamm und ähnlichem. Er kann sehr lange mit diesem Material hantieren. Er knetet, baut Dämme, planscht im Wasser. 

An Tagen, an denen Sandro alleine zu Hause ist (Schulfrei o.ä.), spielt er einige Zeit in seinem Zimmer, er kommt zwar hin und wieder nachsehen ob noch jemand da ist, spielt dann aber weiter. Kommt aber ein anderes Kind nach Hause, hört er sofort auf und folgt dem Kind auf Schritt und Tritt und provoziert das Kind und die Erwachsenen. Es bringt sein Spiel nicht mehr zu Ende.

Sandro hat eine Sprachbehinderung die sich in Form von Dysgramatismus äußert. Es ist für die anderen Kinder sehr schwer ihn zu verstehen, bei mehrmaligem Nachfragen gibt er keine Antwort mehr oder läuft weg.

 

Aufträge die man Sandro übergibt sind immer wieder mit schreien und toben verbunden. Er weigert sich diese auszuführen. Ein Beispiel hierfür ist das Tischdecken, er hat dieses Amt bereits seit einiger Zeit und er kann es immer noch nicht Akzeptieren wenn man ihn bittet dies zu tun. Es geht zum Teil bis zu Tränenausbrüchen und Türen knallen. Auch bei andern Aufgaben, wie  Zähne putzen, Zimmer aufräumen kommt es immer wieder zu mehr oder weniger großen Machtkämpfen. Gruppenregeln kann er nur sehr eingeschränkt akzeptieren.

 

Sandro sucht immer wieder den Vergleich zu einem 9,8- jährigen Jungen. "Der darf noch länger aufbleiben", "Der S. darf raus warum ich nicht?", "Ich will aber auch alleine Fahrrad fahren". So gibt es noch viele Beispiele die seine Unzufriedenheit deutlich machen. Versuche von Seiten der Erwachsenen ihm zu verdeutlichen , dass er der kleinere von den Beiden ist, kann er nur schwer, bzw. gar nicht akzeptieren. 

 

9.  Mögliche Ursachen (zielanalyse)

Sandro ist zum einen erst sehr kurz in der Gruppe, so dass es ihm noch schwerfällt die Regeln und Grenzen zu erfassen und einzuhalten. Zum anderen hat er eine Vorgeschichte die nur sehr unzureichend Regeln und Grenzen vermittelt hat.

Sandro hat in seiner Herkunftsfamilie sehr viele Übergriffe ertragen müssen. Sandro zeigt sehr viele Anzeichen von sozialer und sensorischer Deprivation, dadurch ist meiner Meinung nach einmal auch sein fehlendes Regelverständnis zu erklären, des weiteren seine Defizite in den Bereichen den auditiven und taktilen Wahrnehmung. Weiter besteht, meiner Meinung nach, auch eine Unterempfindlichkeit des vestibulären Systems. Hierfür sprechen bei Sandro folgende Beobachtungen:

§         verarbeitet zu wenig Bewegungsreize, gleicht diese über viel Bewegung aus

§         wird nur selten schwindelig oder gar nicht

§         spielt lieber draußen (rennen, toben, schaukeln)

§         gezielte Bewegungen fallen ihm schwer (Feinmotorik)

§         er kann schlecht warten, bremsen

§         er kann sich sehr schlecht an Regeln halten (Ursache evtl. auch Milieu bedingt)

§         Höhen und Entfernungen kann er sehr schlecht einschätzen, er neigt zur Waghalsigkeit

§         er ist in der Gruppe und in der Schule oft sehr auffällig

§         Anzeichen einer Störung in der Figurgrundwahrnehmung

§         Grundstimmung eher fröhlich

§         Das benutzen von Messer und Gabel, gleichzeitig, fällt ihm schwer (Störung bilaterale Koordination)

Diese Symptome sind sehr verwandt mit denen des hyperkinetischen Syndroms. Beziehungsweise resultiert diese Art der Wahrnehmungsstörung aus dem des hyperkinetischen Syndroms. Auch seine Konfliktlösungsstrategien sind sehr auf körperliche Lösungsmöglichkeiten ausgelegt. Zum Einen sehe ich einen Grund hierfür durch seine Sprachstörung, er kann seine Wünsche und Bedürfnisse verbal nur sehr eingeschränkt äußern, zum Anderen spiegelt er seine Erfahrungen bezüglich Konfliktlösungsstrategien aus der Herkunftsfamilie wider (Kindesvater und Sandro / Kindesvater und Kindesmutter).

Seine Art der Beschäftigung ist das Umsetzen von seiner Energie in Bewegung. Er rennt draußen herum oder fährt mit dem Fahrrad, bis er „schweißgebadet“ ist.

 

Sandro hat eine sehr niedrige Frustrationstoleranz. Er wirkt sehr schnell entmutigt und Kritik kann Sandro nur sehr schwer ertragen.

 

Die Schule stellt sich für Sandro, auf der einen Seite, als eine Herausforderung dar. Andererseits erlebt er dort ein sehr großes Potential an Anforderung und Regel. Es fällt ihm sichtlich schwer den Aufgaben und Forderungen gerecht zu werden.

Ein wichtiger Therapeutischer Ansatzpunkt ist der spieltherapeutische Ansatz, hier kann das Regelverhalten, welches sich im Schulalltag immer wieder findet, eingeübt werden. In den Zweierbeziehungen kann er einfache Regeln noch akzeptiert und verstehen, doch sind mehrere Kinder beteiligt, bzw. eine Gruppe, und sollen strengere Regeln - wie sie für die meisten Spiele ja gelten - eingehalten werden, so ist es für Sandro nur noch schwer möglich.

 

Sandro benötigt eindeutige Hinweise für das, was man von ihm erwartet, sowie eindeutige Rückmeldungen.

Bei Unsicherheiten und Inkonsequenzen bezüglich seines Verhaltens sucht er wieder nach eindeutigen Hinweisen und dies anscheinend in Form von Provokation und Aggression.

 

Ein weiterer Punkt ist Sandros Verhalten in der Schule. Dort zeigt er sehr starke Auffälligkeiten. Er ist nicht in der Lage dem Unterricht zu folgen und sich adäquat zu beteiligen. Sein Schulalltag ist geprägt von Störmanövern und motorischer Unruhe.

Sandro ist, meiner Meinung nach und auch laut Aussage der Klassenlehrerin, nicht in der Lage seine intellektuellen Fähigkeiten zu nutzen da er sich gewissermaßen selbst im Wege steht.

Weiter besteht sehr leicht die Gefahr, dass er sich innerhalb der Klasse zum Außenseiter macht, da es nur ein kleiner Schritt ist, aufgrund nicht wahrgenommener Fortschritte der Klasse, den Anschluß an diese zu verlieren und sich so immer weiter von den Leistungen seiner Mitschüler entfernt. Bis er nicht mehr in der Lage ist, durch seinen Intellekt, die Unterschiede Auszugleichen, dann besteht die Gefahr, dass er auf der Schule für Lernbehinderte nicht mehr tragbar sein wird.

 

Sandro hat unserer Meinung nach, erhebliche Schwierigkeiten, sich mit seiner neuen Rolle zu identifizieren. In der Herkunftsfamilie war er der Älteste. Er hatte gegenüber seinen Geschwistern das Sagen. In der Gruppe nimmt er, nach dem Kleinkind, die Rolle des Jüngsten ein. In dieser, für ihn neuen, Situation braucht er noch Unterstützung um sich mit dieser auseinanderzusetzen und die positiven Seiten erkennen zu lernen.

1.        Zielformulierung

-         Stabile Rahmenbedingungen, mit festen Regeln und Grenzen

-         Integration in die bestehende Gruppenstruktur

-         Sprachliche Förderung bezogen aus eine Sprachbehinderung - Dysgramatismus -

-         Förderung der Grob- und Feinmotorik

-         Medizinische Abklärung bezüglich Symptome von hyperkinetischen Syndrom

-         Rollenfindung innerhalb der Gruppe

-         Förderangebote bezüglich seiner auditiven Wahrnehmung und seines auditiven Gedächtnisses

-         Förderangebote bezogen auf die visuelle Wahrnehmung und motorische Ausführung, aufarbeiten seiner feinmotorischen Schwächen.

-         Aufzeigen, durch vorleben, von alternativen Konfliktlösungsstrategien

-         Förderung seines Selbstwertgefühls

-         Spieltherapeutische Förderung einmal zur sprachlichen Förderung, zum anderen zur Verarbeitung traumatischer Erlebnisse,  als weiterer Punkt Aufarbeitung derzeitiger Problematik, bezogen auf die Herausnahme aus der Familie.

-         Förderung bezüglich der bilateralen Entwicklungsverzögerung

 

 

10.     Pädagogische Umsetzung der Angestrebten Ziele

§         Sandro soll durch die Werte und Normen der Gruppe, die Möglichkeit bekommen, die Regeln zu erfahren und  zu erleben. Durch die alltägliche Konfrontation, mit den derzeit bestehenden Rahmenbedingungen, werden für ihn die Regeln begreiflich. Durch die Beeinflussung und Signale der anderen Gruppenmitglieder, bekommt er eine Rückmeldung, wie er sich innerhalb diese Rahmens bewegt.

§         Regelmäßige kurze Rückmeldungen der Erwachsenen, bezogen auf das Verhalten von Sandro, können in Form von kleinen Gesprächen, beim zu Bett bringen, stattfinden. Diese geben Sandro die Möglichkeit, seine Sozialisation innerhalb der Gruppe, zu unterstützen.

§         Bezüglich seiner sprachlichen Defizite soll versucht werden, über die Verwendung von allgemein gebräuchlichen Spielen, wie "Mensch ärgere dich nicht", "Fang den Hut" durch verbalisieren der Handlung, wie das laute Mitzählen der gewürfelten Augen beim Setzen der Figuren und ähnliches.

§         Des weiteren sind für Sandro Regelspiele wie die vorher bereits genannten aber auch andere eine Hilfestellung  auf spielerische Weise ein Regelverständnis zu bekommen. Es ist möglich durch die Auswahl der Spiele die Komplexität zu steigern bzw. zu variieren.

§         Die Anmeldung für eine Förderung im motorischen Bereich außerhalb der Gruppe sehe ich in der Kontaktaufnahme mit einer Ergotherapeutin / eines Ergotherapeuten. Hierbei sollen die Entwicklungsverzögerungen Grob- und Feinmotorik angegangen werden. Ebenso die Abklärung  der Vestibulären Unterempfindlichkeit.

§         Vorstellen von Sandro bei einer Fachärztin zur Abklärung des Verdachtes auch hyperkinetischen Syndroms unter Ausschluß der in meine Ausführungen angegebenen Punkte der Differentialdiagnose. Anfertigen eines EEG's.

§         In der Schule, in Form von intensiver Zusammenarbeit zwischen Gruppe und Schule, Rahmenbedingung zur Verfügung stellen, die für Sandro transparent und nachvollziehbar sind.

§         Ein Förderangebot innerhalb der Gruppe ist das Erstellen von Verstärkerplänen. Konkret sind dies einer für die Zeitliche Organisation seiner Tätigkeiten und Aufträge und einen für das Erledigen einer Aufgabe eines Amtes, ohne Ausweichmanöver. (z.B. Punktesystem)

§         Eine weitere Förderung für Sandro ist das Verbinden von visuellen Eindrücken mit taktilen Erfahrungen. (z.B. das erfahrbar machen von Buchstaben durch Nachgehen des Buchstabens auf der Straße oder über die Sinneskarten aus dem Montessori - Material. (Sandpapierbuchstaben und -zahlen)

§         Sandro soll durch ein Deutlichmachen seiner Position und den damit verbundenen positiven Aspekten, wie Verantwortung  u. ä. seine Rolle als Jüngster erfahren lernen.

 

11.  Beobachtetes Verhalten nach den Interventionen

Nachdem Sandro bei einer Fachärztin vorgestellt wurde und und über einen Zeitraum von ca. 5 Wochen verschieden Test gemacht wurden kam sie zu der Diagnose hyperkinetisches Syndrom. Sandro bekam Amphetamin - Saft verschrieben, der in langsamen Dosen beginnend mit:  Morgens 3ml / Mittags 1,5ml / Abends 0ml, gesteigert wurde, auf die Dosis von: Morgens 7,5 ml / Mittags 5 ml /Abends   0 ml.

 

In der Schule wurde von unserer Seite, bezüglich der Einnahme von Amphetamin - Saft,  keine Information weiter gegeben. Wir warteten darauf, dass sich die Schule meldet. Um bei den Lehrern keine Erwartungshaltung zu provozieren mit dem Hintergrund - jetzt bekommt er Saft und alles wird anders - . Der Anruf kam auch, am ersten Tag, die Lehrerin war etwas verwundert, da sie Sandro so nicht kannte. Ihr erster Gedanke war, er könne krank sein. Ich teilte ihr mit, dass bei Sandro das hyperkinetische Syndrom diagnostiziert wurde und er nun Medikamente bekommt. Genaue Hintergründe und Zusammenhänge wurden in einem Elterngespräch dargelegt. 

In Absprache mit der Lehrerin wurde Sandro einige Zeit von ihr beobachtet. Sie beschreibt, dass seine Konzentrationsphasen sich von 5 - 6 Minuten in dem Zeitraum von 14 Tagen auf eine Dauer von bis zu zwei Stunden gesteigert haben. Sein Talent sich mit seinen Mitschülern, beim geringsten Anlaß, verbale und körperliche Auseinandersetzungen zu liefern sind deutlich geringer geworden. Sein impulsives Auftreten hat sich deutlich verändert. Sein Konzentrationsvermögen hat sich wie bereits beschrieben verändert, er nutzt diese Zeit um sich intensiv und mit viel Mühe z.B. ein Bild anzufertigen. (Abb.3) Was der Lehrerin ebenfalls deutlich auffiel war sein Verhalten am Morgen. Er ist sehr ruhig, wird er von mehreren angesprochen oder werden verschiedene Anforderungen an ihn gestellt, hat er früher mit schreien, toben, umherirren reagiert. Jetzt kommt es vor, dass er zu weinen beginnt, darum bittet die anderen mögen leise sein und ähnliche Reaktionen. Zum Teil isoliert er sich von den anderen.

[14] Auch in der Gruppe zeigt er ein ähnliches Verhalten. Er zeigt in den Hausaufgabenzeiten mehr Ruhe und beschäftigt sich auch alleine mit seinem Spielzeug. Er baut Häuser und beginnt Straßen zu bauen er führt Selbstgespräche, in dem er die Situation verbal begleitet. Auch kommt es in letzter Zeit vor, dass Sandro auf einmal verschwunden ist, dann findet man ihn in seinem Zimmer beim Spielen. Zwar hat er immer noch die Tür offen und sucht nach Kontakt, aber es ist ein ruhiges Spiel, von dem er sich nicht so leicht ablenken läßt. Es stört ihn auch nicht, wenn andere Kinder kommen. Sandro sieht dann nach wer es ist und findet dann ins Spiel zurück. Er hat Phasen in denen er sich über mehrere Stunden 1 ½ - 2 ½ Std. mit malen beschäftigt. Er malt am Fließband, ein Bild nach dem anderen. Die Bilder sind gegenständlich, beim Ausmalen benutzt er sehr viele Farben und er versucht nicht über den Rand hinaus zu malen.

Auseinandersetzungen mit dem 9,8 - jährigen Jungen finden immer noch statt, sind aber nicht mehr so stark körperlich orientiert (schlagen, treten usw.). Auch hier finden sich Augenblicke, in denen Sandro traurig wirkt. So schaffte er es nicht, bei einem Spiel an seinem Geburtstag, zu sagen, er möchte nicht mehr spielen. Er saß mit verbundenen Augen auf dem Boden und weinte. Erst als ich ihm die Augenbinde abnahm, beruhigte er sich wieder. Sandro fragt in letzter Zeit, z.B.  nach Dingen, die er jemanden geliehen hat, oder wie lange das Wochenende ist. Sandro kümmert sich um z.B. Kranke und interessiert sich für Probleme anderer. Wenn er an eine Tätigkeit herangeht, ist er sehr bemüht es "ganz richtig" zu machen, klappt es nicht, ist er beflissen, es mit allen Mitteln zu schaffen, egal wie lange es dauert.

 

Nachdem man Sandro den Amphetamin - Saft verabreicht hat, durch die Erzieher mehrfach beobachtet, beginnt Sandro nach ca. einer halben Stunde sich mit den Erwachsenen auseinander zu setzten, er versucht mit den Erwachsenen zu diskutieren, ist sehr schnell verstimmt und diese traurige Grundstimmung ist wahrzunehmen.

Sandro hat eine Punktetafel an seiner Pinnwand, mit dieser Punktetafel werden Abmachungen, wie Zimmer aufräumen, Schulranzen packen oder sein Verhalten, bezogen auf die Erledigung von Aufgaben mit Punkten honoriert. Sandro ist begierig seine Punktewand möglichst bald voll zu bekommen.

Bei den regelmäßigen Gruppengesprächen, findet Sandro die Kraft zuzuhören, auch wenn sie länger wie 10 Minuten dauern. Bekommt er von den anderen Kinder etwas gesagt, kann er dies annehmen, bzw. dazu Stellung nehmen.

Beim zu Bett bringen nutzt er die Gelegenheit zum intensiven Kontakt zu dem Erwachsenen. Er hört bei den Geschichten aufmerksam zu und kann Fragen zu dem Inhalt beantworten, auch beim kurzen Feedback des Tages kann er dies. Wenn Sandro mit sich anderen Kindern unterhält, kommen Dialoge zustande. Wünsche und Bedürfnisse kann er klar äußern. Bei den Spielen und Regeln tut er sich noch schwer.

Auch zu diesem Zeitpunkt wurde Sandros Verhalten durch die Lehrerin anhand eines Beobachtungsbogens festgehalten. (siehe Connersbogen Seite 43/44 im Anhang)

12.                Mögliche Ursachen (zielanalyse)

Durch die Einnahme des Amphetamin -D Saftes werden bei Sandro die im medizinischen Teil bereits besprochenen Zusammenhänge erreicht. Die Beeinträchtigung an den Synapsen werden besser gelöst. Durch die beschriebenen Verhaltensänderungen läßt sich mit Sicherheit sagen, dass bei Sandro die Medikamente die paradoxe Wirkung haben und somit eine wichtige und richtige Entscheidung getroffen wurde.

Sandro hat dadurch innerhalb von kurzer Zeit eine Veränderung an sich selbst erlebt, welche ihm zum Teil noch sehr fremd ist. Er nimmt sich in einer ihm unbekannten Art und Weise wahr. Auf diesem Hintergrund lassen sich auch die zum Teil depressiv anmutenden Verhaltensweisen erklären. Bei dem Kontrolltermin, ca. 14 Tage nach der ersten Gabe des Medikamentes schilderten wir unsere Wahrnehmung. Wir kamen zu dem Schluß, dass Sandro lernen muß, die Wahrnehmungen, die auf ihn einprasseln und die er nun erschöpfend an sich verspürt, einzuordnen und auch zu filtern - wichtige von den weniger wichtigen Wahrnehmungen. Es ist für ihn aller Wahrscheinlichkeit in der Tat eine so große Anstrengung, dass er sich überfordert fühlen muß. Erst mit der Zeit, wenn Eindrücke unterschieden werden können, werden sich wahrscheinlich auch die Gemütstiefs verflüchtigen.

Durch diese  neuen Eindrücke verspürt er sich wesentlich intensiver und das Bewußtsein über seine Befindlichkeit verunsichert ihn. Eine weitere wichtige Veränderung ist sein Wahrnehmen von Gefühlen bei anderen, er lernt zu verstehen wie andere sich fühlen, wie es ihnen geht, ob sie glücklich sind, traurig oder vielleicht krank.

Der stabile Rahmen und die klaren Regeln und Grenzen, vermitteln nach unseren Erfahrungen für Sandro Sicherheit und Stabilität.

Die im verstärktem Maße sprachbegleitenden Spiele sind Ansatzmittel, die bei Sandro recht gut ankommen. Bei der Wahl der Spiele ist es wichtig, es ihm nicht zu schwierig zu machen. Spiele mit kurzer Spieldauer und einfachen Regeln kommen ihm noch am nächsten.

Die Möglichkeiten, die der Verstärkerplan durch das Trainieren von Verhaltensweisen durch positive Verstärker einem an die Hand gibt,  sprechen momentan bei Sandro an, so dass wahrscheinlich die für Sandro richtigen Verstärker ausgewählt wurden.

 

Zu Beginn meiner Ausarbeitung sah ich nur die Unmengen an Informationen und Möglichkeiten, die ich zur Auswahl hatte. Doch es gibt in der Fachwelt zwei ganz klare Ansätze. Der eine Ansatz ist der medikamentöse Ansatz und der andere ist der Ansatz, welcher Medikamente vollkommen ausschließt. Nach dem ich mich ein wenig mit dem Konzept des Medikamenten freien Ansatz auseinander gesetzt habe, sah ich bei diesem Vorgehen, bezogen auf mein Fallbeispiel, ein großes Problem, den Therapieort. Es gibt in unserer Umgebung noch keinen Therapeuten, der nach diesem Konzept von Krowatschek - Konzentrationstraining und Verhaltenstraining - arbeitet. Ein weiterer Aspekt, der mich zu dem anderen Ansatz bewegt hat, ist die Tatsache, dass das Kind zusätzlich zu der Schule noch eine Vielzahl von Stunden hat, was für unsere Einrichtung unter den derzeitigen Voraussetzung nicht zu leisten ist. Ein Aspekt, welcher mich aber sehr angesprochen hat, ist die Tatsache, dass in diesen Trainings ohne pharmazeutische Produkte gearbeitet wird. Eine Tatsache, welchen sehr vielen Eltern betroffener Kinder sehr entgegenkommt. Die Angst vor Nebenwirkungen, vor Folge- und Spätschäden und Abhängigkeit von den Medikamenten, ist sehr hoch. Aus diesem Grund war für mich die Überlegung, ob es dann doch dieser Ansatz sein soll, sehr lange im Blickfeld.

Als ich mich bzw. wir uns für den medikamentösen Ansatz entschieden hatten, stellte sich sehr schnell heraus, wo die Vorzüge und Schwerpunkte bei diesem therapeutischen Ansatz lagen. Zum Einen können die Kinder in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, zum Anderen wurde schon von Anfang an deutlich, dass es eine Vielzahl von interdisziplinären Verbindungen geben muß. Schule, Gruppe, Vereine, Ärzte, Therapeuten dies sind die Bereiche die hier im ständigen Austausch stehen müssen, um dem Kind die bestmögliche therapeutische Landschaft zur Verfügung stellen zu können, welche seinem Verhalten gerecht werden soll. Ein weiterer Punkt war, wie gehe ich es an? Durch ein Kind aus unserer Gruppe hatte ich zwar schon ein wenig Erfahrung mit diesem Verhaltensbild. Dennoch wollte ich anfangs den Einfluß der milieubedingten Entwicklungsverzögerung den Vortritt lassen. Nach eingehender Beschäftigung  mit dem Jungen und seinem Verhalten wurde ich dann doch eines Besseren belehrt. Mein Hauptschwierigkeitspunkt war die Verabreichung von Medikamenten an Kinder, noch dazu solch spezielle. Wie bereits erwähnt, sind diese Stimulatien nicht das alleinige Allheilmittel. Ich merkte, dass die Aufgabe die ich hatte, nicht nur zeitaufwendig war, sondern auch eine gehörige Portion an Geduld erforderte. Eine Seite, die diese Zeit und Geduld in Anspruch nimmt, ist Sandro, der diesen Anspruch auch geltend machen darf und sogar muß. Die andere Seite ist die formal organisatorische. Auf dieser Seite gehen Energien verloren, die eigentlich nicht notwendig wären. Auseinandersetzungen mit Kostenträger für Therapien, ewige Wartelisten bei den Therapeuten selbst und Auskünfte wie, "wenn das Kind zu schwierig wird, müssen sie es halt stationär in die Psychiatrie geben". Tips die es etwas an Professionalität missen lassen. Außerdem kommt hinzu, dass diese Aussagen Sprechstundenhelferinnen machen, die sich dann weigern, Eltern, bzw. Erziehungsberechtigte mit dem Arzt oder Therapeuten telefonisch zu verbinden.

Dass wir dennoch soweit gekommen sind und dies in der relativ kurzen Zeit, liegt nicht an einer Person alleine, sondern an der Zusammenarbeit aller an der Erziehung beteiligten Personen.

Für Sandro, so denke ich, ist unser Weg eine Möglichkeit seine Entwicklungsverzögerungen aufzuarbeiten und ihm eine Chance zu ermöglichen, die ihm in seiner zukünftigen Entwicklung gute Dienste leisten kann.

Der derzeitige Wegpunkt auf dem sich Sandro befindet, bedarf aber immerfort einer Ziel - und Methodenkontrolle. Da für Sandro noch keine motopädagogische Förderung gefunden worden ist, muß hier ein besonderer Augenmerk darauf gerichtet werden, dies so schnell als möglich zu bewerkstelligen. Ein weiterer Punkt ist die sprachliche Förderung bei einer Logopädin. Dies ist derzeit zwar noch nicht möglich, da sonst Sandro überfordert wäre - es darf aber nicht in Vergessenheit geraten.

Um wieder an den Anfang meiner Ausarbeitung zurück zu kommen, ist das hyperkinetische Syndrom eine Modekrankheit geworden? Aus vielen Richtungen hört man "Mein Kind hat ADS, MCD oder andere Bezeigungen. Ich denke einige der Ärzte / Eltern  / Pädagogen benutzen diesen "Trend" um dem Verhalten der Kinder endlich einen Namen zu geben, es endlich festzuschreiben. Die Eltern haben dann etwas um das Verhalten ihrer Kinder zu begründen, "mein Kind kann ja nicht anders". Die Allgemeinen - Mediziner haben oft etwas davon gehört und Wissen welche Medikamente in für diese Symptomatik verschieben werden. Eine genaue Untersuchung oder der Versuch vielleicht noch andere Gründe für ein Verhalten zu finden bleibt doch aus. So kommt es in machen Fällen dazu, dass die Lehrer der Meinung sind wenn das Kind die Arznei bekommt wird alles anders. Dem ist vielleicht anfänglich so aber die Beratende Funktion der Ärzte oder Fortbildungsstellen auf dem Hintergund, wie gehe ich als Lehrer mit diese Problematik um, wird noch nicht richtig in Anspruch genommen. Nur Lehrer oder andere Pädagogen und Eltern die bemüht sind über ihren Tellerrand hinauszu sehen finden Möglichkeiten  sich zu informieren.

In den Jahren in denen ich mich nun mit diesem Thema beschäftige, kommen mir immer wieder Zweifel ob der gegangene Weg der Richtige ist oder habe ich vielleicht etwas übersehen. Aus dieser Erfahrung sehe ich einen Aspekt als den wichtigsten an - die Diagnostik -. Denn nur wenn alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden kann es zu einem klaren Bild kommen. Von der Vielzahl an Untersuchungen, Fragebögen und der Konfrontation mit verschiedenen Meinungen sollt man sich nicht abschrecken lassen. Denn es geht um das Wohl des Kindes und je besser die Vorbereitung desto besser das Ergebnis.  Diese Untersuchungen beinhalten auch die Möglichkeit eine andere Grundlage dieses Verhaltens herauszufiltern. Wie bereits erwähnt sind dies unter anderen Milieu bedingte Problematiken - psychosoziale Deprivation und Epilepsie um nur einige zu nennen.

Weiter ist es wichtig, hat man einmal einen Weg eingeschlagen, den Kontakt zu den Ärzten in Regelmäßigen Abständen zu halten um eventuelle auftretende Veränderungen / Komplikationen rechtzeitig zu erkennen, Unklarheiten sollte schon im Vorfeld ausgeräumt werden.

Für mich und alle anderen die in unmittelbarer Umgebung mit dieser Wahrnehmungsbeeinträchtigung zu tun haben, kommen ab und zu an die Stelle, wo sie sich fragen sind wir überhaupt in der Lage dem Kind den Kindern gerecht zu werden. Eine solche Problematik, in einem, für diese Kinder, schwierigen Rahmen - mehrere Kinder verschiedenen Alters, verschiedener Biographin kann immer wieder zu Irritationen führen. Und dennoch muß ich diese Frage immer mit ja beantworten, denn wenn nicht wir Profis mit dieser Schwierigkeit zurecht kommen wie geht es dann den vielen Eltern die ohne Fachwissen und einem großen Hilfsapparat, wie wir ihn haben, zurecht kommen müssen.

Diese Form der Behandlung die wir derzeit in unserer Gruppe angehen hat in kurzer Zeit zu Ergebnissen geführt , an die wir nicht glauben wollten. Aus der Sicht der betroffenen Kinder ist eine Entspannung eingetreten die es ihnen erst möglich macht vielleicht eine neuen Weg zu gehen. Wir sollten ihnen diese Chance nicht nehmen.

Helmut Remschmidt und Martin H. Schmidt

Multiaxiales Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes und Jugendalter 1996

 

Paul H. Wender

Das hyperaktive Kind 1991

 

Dr. Klaus Skrodzki

Das Hyperkinetische Syndrom 1996

 

Ernst Barthel, Ergotherapeut

Erotherapeutisches Behandlungskonzept, Erlangen

 

Suzana Frohn, Sonderschullehrerin

Sonderpädagogisches Gutachten, Fröbelschule Altendiez 1998

 

Brand, Oberpsychologierätin

Gutachten Landessprachheilzentrum Meisenheim 1998

 

Anke Hannen

Kinder und Jugendliche mit abweichendem Lern- und Sozialverhalten "Marburger Interventionsmodelle" 1998 Examensarbeit

 

Torsten Heimann

Referat - MCD + ADS - 1998

 

Reinhold Herz

Die Förderung hyperaktiver Kinder, Zeitschrift für Heilpädagogik, 39. Jahrgang 1988

 

Günther Hammer , Apotheker

Die medikamentöse Behandlung von ADD mit Ritalin Vortrag  Fachseminar 1996

 

Kindergarten Heute Spezial

Wahrnehmungsstörungen bei Kindern - Hinweise und Beobachtungshilfen 1998



[1] v. Dr. K. Skrodzki

[2] (Kindergarten Heute spezial - Wahrnehmungsstörungen bei Kindern)

[3] (Kindergarten Heute spezial - Wahrnehmungsstörungen bei Kindern)

 

[4] Ergotherapeutisches Behandlungskonzept von Ernst Barthel , Erlangen unter Verwendung der Ansätze nach J. Ayres

[5] LRS ersetzt im MAS (Multiaxiales Klassifikationsschema ) den Begriff der Legasthenie MAS Seite 118  F81.0

1 Zusammengefasst von Dr. K. Skrodzki, Forchheim

 

[7] Aufsatz "Das hyperkinetische Syndrom " v. Dr. K. Skrodzki 1996

[8] Abblidung 1 siehe Anhang

[9] Vortrag v. G. Hammer, Die medikamentöse Behandlung von ADD mit Retalinâ 1996

Abbildung 2 siehe Anhang

[10] Krowatschek G. Evaluation des Marburger Interventionsmodells unveröffentl. Dipl. Arbeit im Fach Psycol. in  Marburg 1996

[11] Examensarbeit Anke Hannen  "Kinder und Jugendliche mit Abweichendem Lernverhalten"1998

[12] Examensarbeit Anke Hannen  "Kinder und Jugendliche mit Abweichendem Lernverhalten"1998

[13] Abbildung 3 Januar 99          Abbildung 4 Januar 99 siehe Anhang

[14] Siehe Abbildung 5+6 im Anhang

Da ich die individuellen Daten der betroffenen Person noch unkenntlich machen und das Einverständnis zu Veröffentlichung noch einholen möchte bitte ich um Nachsicht, das diese Facharbeit noch nicht veröffentlicht worden ist!

Danke