Cornelia de Lange Syndrom

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Cornelia de Lange - (Brachmann-de Lange)-Syndrom

Als »Typus degenerativus Amstelodamensis« beschrieb die holländische Kinderärztin Cornelia de Lange 1933 mehrere Patienten mit Kleinwuchs, geistiger Behinderung und auffallender Physiognomie sowie Veränderungen an den Gliedmaßen (Brachmann hatte schon 1916 ähnliche Beobachtungen mitgeteilt). Die Häufigkeit soll etwa 1:50.000) betragen, Knaben und Mädchen sind gleich oft betroffen.

Auffallendes Symptom ist die kraniofaziale Dysmorphie: Buschige, sich über der Nasenwurzel treffende Augenbrauen (Synophtys), verbreiterter Augenabstand (Telekanthus), schräg nach außen-unten geneigte Lidachsen, lange Wimpern, breite flache Nase, nach vorne gerichtete Nasenlöcher, vergrößerter Abstand zwischen Nase und Mund (vorgewölbtes Philtrum), schmales Lippenrot, herabgezogene Mundwinkel, hoher Gaumen (gelegentlich mit Spaltbildung), kleiner Unterkiefer (Mikrogenie). Der Umfang des eher breiten Kopfes ist vermindert (Mikrobrachyzephalie); das lange, strähnige, wenig dichte Haar reicht tief in Stirn und Nacken; nicht selten ist die Körperbehaarung vermehrt (Hirsurismus), die Haut marmoriert. Schon bei Geburt sind Körperlänge und -gewicht vermindert; später wird der Kleinwuchs noch deutlicher. Die Kinder haben eine tiefe, rauhe, ausdrucklose Stimme.

Veränderungen an den Gliedmaßen sind weitere Symptome: Hände und Füße bleiben klein, die Daumen sind auffallend hoch angesetzt, oft eingeschlagen. Daumen- und Zeigefingerballen erscheinen schmächtig; ein verkürzter 5. Finger und Vierfingerfurche kommen vor. Das Hautleistenmuster kann in ziemlich charakteristischer Weise verändert sein. Selten sind stärkere Fehlbildungen von unterentwickelten Mittelhandknochen bis hin zur Ausbildung von (dysmelen) Armstümpfen. Der Körper hat eine zylindrische Form; die Brustwarzen sind auffallend klein. Unterentwicklung der Genitalien und Hodenhochstand werden beobachtet.

Als Säuglinge sind betroffene Kinder wegen eines stark vermehrten Muskeltonus auffallend steif (Hypertonie). Fütterungsprobleme und Ernährungsschwierigkeiten stehen auch damit in Zusammenhang. Nach verzögerter statomotorischer Entwicklung ist das Gangbild breitbeinig, sind bei hyperaktivem Verhalten die Bewegungen aber nicht ungeschickt. Beeinträchtigend wirken Augenfehler mit Kurzsichtigkeit. Strabismus, Nystagmus.

Unterschiedlich stark verzögert ist die geistige Entwicklung. Meist wurden Intelligenzquotienten zwischen 30 und 5O ermittelt; es gibt aber auch Beobachtungen von nur gering verminderten Leistungen bis hin zu normaler Intelligenz.

Frühzeitig werden autistische Verhaltensweisen beobachtet mit mangelnder Kontaktfähigkeit, Ablehnung auch vertrauter Personen, fehlenden Emotionen (maskenhaftes Gesicht), Veränderungsangst, Neigung zu Stereotypien und Aggressionen. Auch autoaggressives Verhalten (Selbstbeschädigung) ist immer wieder beschrieben worden; hierbei können allerdings Umwelteinflüsse eine Rolle spielen (z.B. Unterbringung in Institutionen). Mitunter, werden verhaltenstherapeutische Maßnahmen nötig.

Das Syndrom tritt meist sporadisch auf. Vereinzelt sind Chromosomenanomalien gefunden worden (Überschneidung mit einem Fehlbildungssyndrom bei Duplikation des langen Arms von Chromosom Nr.3). Geschwisterbeobachtungen legen die Möglichkeit einer autosomal-rezessiven Vererbung nahe. Das empirische Wiederholungsrisiko wird mit 2 bis 5% angegeben (bei Geschwistererkrankung muss 25% angenommen werden). Letztlich ist die Pathogenesse des Syndroms unklar, vielleicht kommen verschiedene Ursachen in Frage. Nachgewiesene Stoffwechselveränderungen müssen als Begleitsymptome aufgefasst werden. Möglicherweise kommen >> Schwachformen<< vor. Die Lebenserwartung ist vermindert, auch wegen der lnfektneigung. Bei pathoanatomischen Untersuchungen wurden spezifische Veränderungen nicht festgestellt.